Prozessbeginn in Rostock : Exfreundin erstickt und vergraben

In einem Waldstück an der Stadtautobahn in Rostock habe der Angeklagte seine tote Exfreundin vergraben.
Foto:
In einem Waldstück an der Stadtautobahn in Rostock habe der Angeklagte seine tote Exfreundin vergraben. Fotos: B. Wüstneck

Prozessbeginn in Rostock: 35-Jähriger soll seine langjährige Lebensgefährtin vergewaltigt und Wochen später getötet haben

svz.de von
02. Dezember 2014, 21:05 Uhr

Andre H. muss sich vor dem Landgericht Rostock wegen Totschlags, mehrfacher Vergewaltigung und Körperverletzung verantworten. Er soll seine 32-jährige Exfreundin vergewaltigt und mit einem Kissen erstickt haben und später auch ihre Freundin mehrfach vergewaltigt haben.

Verkleidet mit einer dunklen Wollmütze und großer Sonnenbrille wird Andre H. gestern, an Händen und Füßen gefesselt, in den Gerichtssaal geführt. Erst nach Aufforderung des Vorsitzenden Richters nimmt er die Kopfbedeckung ab. Ohne Regung lässt er die Szenerie des Verlesens der Anklageschrift über sich ergehen.

Die Staatsanwaltschaft Rostock hat gegen Andre H. drei Anklagen erhoben. Sie wirft dem 35-jährigen Rostocker vor, am Silvesterabend 2013 gegen 19.30 Uhr seine langjährige Freundin in einer Wohnung in der Sternberger Straße vergewaltigt zu haben. Er habe sie ins Wohnzimmer geschoben und sie auf die Schlafcouch gestoßen. „Ich will jetzt Sex haben“, habe er gesagt und sie stark gewürgt. Die junge Frau wehrte sich, war ihm aber unterlegen. Aus Angst ließ sie dann alles geschehen, heißt es in der Anklageschrift. Die junge Frau erstattete Anzeige und der Angeklagte kam in Haft.

Doch bereits am 22. Januar 2014 wird der Haftbefehl vom Rostocker Amtsgericht außer Vollzug gesetzt. Nach einer Entschuldigung per SMS steht der Angeklagte am 5. Februar 2014 vor der Tür seines Opfers. Es kommt zu einem Streit. Andre H. ergreift ein Kissen und drückt es solange auf das Gesicht der Frau, bis sie stirbt. Er kam in Tötungsabsicht, sagt die Staatsanwaltschaft.

Andre H. lässt die Tote in der Wohnung. Als nach fünf Tagen stechende Gerüche aus der Wohnung kommen, entschließt er sich, die Leiche zu beseitigen. Er besorgt sich einen Handwagen und einen Spaten, steckt die Leiche in Plastiksäcke, umhüllt alles mit einer schwarzen Decke und vergräbt sie an der Stadtautobahn.

Am 20.März 2014 steht er bei der Freundin des Opfers in Lichtenhagen vor der Tür. Mit einem Küchenmessers mit einer 30 Zentimeter langen Klinge hält er die junge Frau in Schach, drückt ihr den Mund zu und setzt ihr das Messer an den Hals. Dann vergewaltigt er sie. Sie wehrt sich und kratzt ihn. Er vergewaltigt sie ein zweites Mal, sie leistet keine Gegenwehr mehr – aus Angst vor dem Messer.

Er kam erneut in Untersuchungshaft. Dort gestand er die Tötung seiner Freundin und führte die Ermittler an die Stelle, an der er sie vergraben hatte. Andre H. werde sich am zweiten Verhandlungstag zu den Vorwürfen äußern. Am 5. Dezember wird der Prozess mit Aussagen der Ermittler der Kriminalpolizei fortgesetzt. Mit einem Urteil ist am 10. Dezember zu rechnen.

Wegen Vorstrafen war der Angeklagte von 2002 bis 2009 im sogenannten Maßregelvollzug. Dabei geht es um die Unterbringung von psychisch kranken Straftätern zum Schutz der Bevölkerung. Diese Behandlung verlief nach damaligen Worten des Staatsanwalts positiv.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen