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Norddeutsche Neueste Nachrichten

14. Dezember 2017 | 03:45 Uhr

interview : Ex-Landrat Da Cunha geht in Rente

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Nach 17 Jahren als Güstrower Landrat und weiteren Jahren beim Landkreis Rostock endet heute seine Amtszeit / Im NNN-Interview zieht der SPD-Politiker Bilanz

17 Jahre war er Landrat im damaligen Kreis Güstrow, nach der Fusion mit Bad Doberan vier Jahre Beigeordneter im neu gebildeten Landkreis Rostock. Heute hat Lutz da Cunha (59, SPD) seinen letzten Arbeitstag im Kreishaus. Im Gespräch mit Redakteurin Regina Mai zieht er Bilanz – und erinnert sich an die Zeit, als er Anfang der 1990er-Jahre als junger Rechtsanwalt von Hamburg nach Lübz kam und das Amt zur Regelung offener Vermögensfragen leitete.

Herr da Cunha, wie war das vor 21 Jahren? Wie war Ihr erster Eindruck von Güstrow?

Da Cunha: Schon während meiner Zeit in Lübz hatten wir die Gegend erkundet. Meiner Frau Ute gefiel Güstrow sofort. Es ist eine lebenswerte Stadt. Wir sind hier richtig heimisch geworden. In meiner Lübz-Zeit wurde ich Mitglied der SPD. Die Sozialdemokraten trauten mir den Posten eines Landrats zu. Gesucht wurde ein Kandidat für Güstrow.

Es wurden 17 Jahre als Landrat. Was bleibt Ihnen als Erfolg in Erinnerung?

Spontan fällt mit die schulische Infrastruktur mit den Gymnasien in Bützow und Teterow und der Beruflichen Schule ein. Wir haben saniert und neu gebaut, uns auf den Schulbereich konzentriert, bevor das Kreishaus an die Reihe kam. Das war gut so.

Und die Misserfolge?

Schade, dass der Kreis wirtschaftlich nicht so gesundet ist, wie ich es mir bis zur zweiten Kreisgebietsreform vorgestellt hatte. Deshalb war das Zusammengehen mit dem Landkreis Bad Doberan gut. So profitiert jetzt auch der südliche Teil des Kreises von einer besseren finanziellen Ausgangssituation, die sich unter anderem aus dem Speckgürtel um Rostock ergibt. Wir hätten mehr im Straßenbau schaffen müssen. Das ist eine wichtige Aufgabe für die Zukunft.

Wie schwer wogen Schulden und knappe Kassen des Landkreises Güstrow?

So richtig katastrophal waren eigentlich nur die Jahre 2004 bis 2006. Es war schon ein belastender Arbeitsaufwand, für den Kreishaushalt die Genehmigung zu bekommen. Ich war 2010 auf Einladung des Innenministeriums auf Infotour in Brüssel. Unser Haushalt war beschlossen. Er lag zur Genehmigung vor. Ich fragte einen Verantwortlichen aus dem Innenministerium nebenbei nach dem Haushalt. Seine Antwort: Ich habe euch da was geschrieben … nichts Gutes.

Wollten Sie irgendwann den Landratsposten mal hinschmeißen?

1998 war eine reizvolle Stelle in Hamburg ausgeschrieben. Hamburg war uns damals noch sehr nahe. Der Posten war aber wohl politisch vorher schon vergeben. Gut, dass es nicht geklappt hat.

Sie hatten zusammen mit Thomas Leuchert und anfänglich auch Arno Pöker aus Rostock zeitig an der zweiten Kreisgebietsreform gebastelt. Am Ende überließen Sie dem Doberaner Landrat das Feld.

Zur Frage des Landratspostens haben Leuchert und ich uns lange angeschwiegen. Ich merkte aber doch, dass er unbedingt wollte. Nach Absprache mit meiner Frau habe ich dann entschieden, auf dem SPD-Kreisparteitag im Januar 2011 nicht als Kandidat anzutreten. Obwohl eine Amtszeit von 2011 bis 2018 – dann bin ich 62 – sehr gut in die Lebensplanung gepasst hätte. Allerdings dachte ich schon, 1. Stellvertreter des Landrates zu werden. Da hatte ich mich verspekuliert.

Hat sich in den Jahren als Landrat und danach etwas deutlich verändert? Gefühlt vollzog sich ein Wandel des Postens vom Politiker zum Geschäftsführer einer Verwaltung.

In den 1990er-Jahren bis zur ersten Direktwahl 2001 war ich viel unterwegs. Die Güstrower sollten mich kennenlernen, das auch mit Blick auf eine Wiederwahl. Danach konnte ich mich mehr auf die Verwaltungsarbeit konzentrieren.

Was kommt nun?

Ich bin Pensionär und werde nicht verzweifelt nach einer Anschlussbeschäftigung suchen, mich auch nicht als Kommunalberater anbieten. Ich war immer mehr der Praktiker. Ich bleibe stellvertretender Richter am Landesverfassungsgericht, Vorsitzender im Anstaltsbeirat der JVA Bützow. Ich bin im Ehrenamt Vorsitzender des SV Einheit Güstrow. Wir haben ein Enkelkind. Als leidenschaftliche Camper haben wir uns ein Wohnmobil zugelegt und wollen damit Deutschland erkunden. Dann gibt es noch ein altes Sommer- und ein altes Winterauto – zwei Joungtimer – , an denen ich gern schraube.

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