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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 08:50 Uhr

Eisbrecher : Ex-Crew will die „Jantzen“ zurück

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Der Verein Technische Flotte bietet Betrieb als touristische Attraktion an – wenigstens, bis die Eigentumsfrage geklärt ist.

svz.de von
erstellt am 13.Okt.2014 | 06:00 Uhr

Sie haben den Schlepper „Petersdorf“ wieder flott gemacht, schippern ab und zu gemütlich raus. Aber so ganz aufgeben wollen sie auch den großen Eisbrecher am Liegeplatz nebenan noch nicht. Die Männer vom Verein Technische Flotte Rostock haben der Stadt schon drei Angebote vorgelegt, die „Stephan Jantzen“ wieder zu betreiben und für Besucher zugänglich zu machen – wenigstens, bis klar ist, wem sie gehört. „Zu dem Angebot stehen wir. Es ist an Bedingungen geknüpft. Aber es ist machbar“, sagt Michael Egelkraut vom Verein. Seeleute mit Fachkompetenz, Detailkenntnisse über die Maschine und die Ausrüstung – bei der Technischen Flotte ist alles vorhanden.

Das Angebot der Ex-Crew, wieder an Bord zu gehen, ist ein weiteres Kapitel im jahrelangen Tauziehen um das Schiff. Der Verein betrieb den 1957 gebauten russischen Eisbrecher schon einmal im Auftrag des New Yorker Geschäftsmanns Paolo Zampolli, hieß damals noch Interessengemeinschaft „Stephan Jantzen“. 2012 kam es zum Streit. Die Männer mussten von Bord, die „Jantzen“ landete schließlich im Industriehafen. Etwa seit dieser Zeit liegt Zampolli auch mit dem Heidelberger Kapitän Kai Gunther Lehmann im Clinch, der einst an Vorarbeiten für ein Luxus-Eisfahrten-Projekt beteiligt war. Aus der „Jantzen“ wurde zwar nie wie geplant die „King Ice“, aber Lehmann erhebt nun Ansprüche auf das Schiff. Der Fall beschäftigt ein Heidelberger Gericht, das im Dezember zum nächsten Mal verhandeln will.

Derweil hatte der Rostocker Hafenkapitän Gisbert Ruhnke unter Beteiligung der Societät maritim das Schiff Mitte September zurück an den Liegeplatz 83 im Stadthafen holen lassen. Die Societät bewacht die „Jantzen“, hat aber auch weitergehende Pläne. Der Verein will das Schiff wieder herrichten, an Bord möglicherweise selbst seinen Sitz nehmen und ist auf der Suche nach Unterstützern. Bei der Überführung bot sich an Bord ein verwahrlostes Bild.

Dass sich die „Jantzen“ als Attraktion für Touristen erfolgreich betreiben lässt, hat die damalige Interessengemeinschaft vorgemacht. Ex-Crew-Mitglied Manfred Schmidt rechnete aus: Von 2009 bis Mitte 2012 kamen 42 000 Besucher, ließen sich bei Führungen an Bord Geschichte und Technik der „Jantzen“ nahebringen. Daneben liefen viele Veranstaltungen, die Geld in die Kasse brachten. 46 000 Stunden ehrenamtliche Arbeit habe die Crew geleistet und das Schiff technisch wieder richtig hochgebracht. „Es war eine Erfolgsgsgeschichte. Aber wir wollten eine langfristige Strategie“, sagt Schmidt, der damals auch für die Kommunikation mit den US-Amerikanern zuständig war. Zum Scheitern habe am Ende beigetragen, dass die Eigner sich nicht einig gewesen seien. Beim neuen Projekt „Petersdorf“ ist Schmidt zwar nicht dabei. Aber auch er sagt: „Es geht mir darum, dass dieses einmalige Schiff ,Stephan Jantzen’ den Hafen wieder bereichert und die Leute anzieht.“ Die Technische Flotte fordert für eine Rückkehr an Bord einen Auftrag als Verwalter durch die Stadt. Auch müsse die Übernahme von Kosten gewährleistet sein, um sie später dem noch festzustellenden Eigentümer in Rechnung zu stellen. Überhaupt sei eine Rettung der „Jantzen“ ein ambitioniertes Projekt, so Vereinsschef Egelkraut. Aggregate seien kaputt, Rohre gerostet. Das Schiff sei insgesamt in einem schlechten Zustand und müsse in absehbarer Zeit ins Dock. „Wir rechnen mit mindestens einer halben Million Euro, nur um den Zustand wieder herzustellen, in dem wir die ,Jantzen’ übergeben haben“, sagt Egelkraut.

 

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