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19. November 2017 | 04:30 Uhr

"Es wird ziemlich viel zu lachen geben"

vom

svz.de von
erstellt am 27.Mär.2012 | 08:10 Uhr

Schwerin | Man soll auch ein Filmfest nicht vor dem letzten Festivalabend loben. Aber wenn der erste, tiefere Blick in das noch unfertige Programm nicht täuscht, muss uns um die 22. Ausgabe des Filmkunstfestes MV (1. bis 6. Mai 2012) nicht bange sein.

"Es wird mehr Premieren geben als im vergangenen Jahr", verspricht Stefan Fichtner, der Künstlerische Leiter. Das Filmfest wächst, auch das Vertrauen der Verleiher in das kleine Festival im Norden, das mit mehr als 100 anderen deutschen Filmfestivals um Uraufführungen und prominente Gäste konkurriert.

"Und es wird ziemlich viel zu lachen geben", verspricht Stefan Fichtner. "Im vergangenen Jahr hatte das Festival vielleicht eine etwas düstere Färbung, ich hätte mir auch mehr Komödien gewünscht, aber die gab es damals nicht."

Schon am Eröffnungsabend dürfte es lustig werden - wenn nicht in den scheinbar unverzichtbaren Reden, so doch zwischendurch. Passend zum Gastland des Festivals - Russland -, moderiert Wladimir Kaminer, der Deutschen liebster russischer Schriftsteller, und die Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot wird wie immer musikalisch schön unkorrekt aufspielen. Die Band will auch die Musik des Eröffnungsfilms zitieren und so auf "Ausgerechnet Sibirien" einstimmen. In der schrägen Komödie, die an diesem Abend ihre Uraufführung erlebt, reist Joachim Krol als liebenswerter Spießer gemeinsam mit Katja Riemann und Achim Rohde dorthin, wo in Sibirien der Sommer am heißesten ist.

Allen Unkenrufen zum Trotz ist es dem Künstlerischen Leiter mit seinem ersten, komplett nur von ihm verantworteten Programm gelungen, das "Herz des Festivals", wie er sagt, den Spielfilmwettbewerb, nicht nur mit guten Filmen, sondern auch mit einer gehörigen Prise Glamour auszustatten. Die Schauspielerin Corinna Harfouch kommt mit Regisseur Hans-Christian Schmid und seinem Film "Was bleibt". Regisseur Bernd Böhlich, ein alter Bekannter in Schwerin ("Der Mond und andere Liebhaber"), startet im Wettbewerb mit "Bis zum Horizont, dann links!". Darin kapern zwei Dutzend Senioren während eines Rundflugs eine JU 52 und fliegen ans Mittelmeer. Schon die Namen der Schauspieler lassen das Herz jedes Filmfreunds höher schlagen: Angelica Domröse, Otto Sander, Ralf Wolter, Robert Stadlober, Anna-Maria Mühe, Marion van de Kamp, Herbert Köfer, Herbert Feuerstein, Monika Lennartz. Wer weiß, vielleicht kommt es ja in Schwerin sogar zu einer denkwürdigen Begegnung zwischen Paul und Paula, wenn Domröse auf Glatzeder trifft. Der jedenfalls liest aus seinen Memoiren und ist dann noch einmal nach dem Unplugged-Konzert der Puhdys in der "Legende von Paul und Paula" zu erleben.

Auch Otto Sander, in "Bis zum Horizont, dann links!" mal wieder in einer großen Rolle, darf sich auf drei anstrengende Tage in Schwerin freuen. Er liest aus Erzählungen von Jessenin und Gogol, wird in der Hommage-Reihe einige seiner Filme präsentieren, darunter seine einzige Regiearbeit, und die kuriose Film-im-Film-Satire "Zum Beispiel Otto Spalt", die zum Teil rückwärts gedreht wurde. Aber Otto Sander hat sich ausdrücklich gewünscht, diesen Film in Schwerin mal wieder zu sehen. Und nicht zuletzt wird Sander nach der Auszeichnung mit dem "Goldenen Ochse" berühmten Kollegen als Ehrenpreisträger nachfolgen, darunter seinem Engel-Kollegen Bruno Ganz aus den legendären Wim-Wenders-Filmen.

Wie es der als Matrjoschka verkleidete Filmfestochse im Plakat verspricht, wird diesmal auf dem Festival auch Russisch gesprochen, in spannenden russischen Filmen der letzten Jahre, u. a. Alexander Sukurows "Faust", bei Festivalabstechern ins Neubaugebiet Dreesch oder im Forum der Künste.

Den Dokfilm-Wettbewerb besucht Henry Maske mit einem Film über sein Leben, auch "Rammstein" Keyboarder Flake gibt in einem Film einiges über das Innenleben der Skandalband preis, und Andreas Dresen hat wieder einmal den Herrn Wichmann von der CDU mit der Kamera begleitet und bringt ihn und seinen neuen Film über den lustigen Basisdemokraten gleich mit in seine Heimatstadt.

Auch wenn Festivalchef Stefan Fichtner für die hochkarätig besetzten Filmjurys, u. a. Maria Schrader oder Ulrich Matthes, diesmal schon einen Monat vor Festivalbeginn Vollzug melden kann, schließt er weitere Überraschungsgäste nicht aus.

Einer, der sonst auf dem etwas größeren Filmfestival in Berlin moderiert, wird aber auf alle Fälle wieder mit dabei sein im Mai, in den langen Schweriner Filmnächten - Kinoking Knut Elstermann.

Internet: www.filmkunstfest-mv.de

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