versuchter totschlag : Es wird eng für Kristian S.

Prozess vor dem Landgericht Rostock: versuchter Totschlag, gefährliche Körperverletzung.
Prozess vor dem Landgericht Rostock: versuchter Totschlag, gefährliche Körperverletzung.

Mutmaßlicher Krawall-Fan: Neues belastendes Videomaterial vorgelegt

svz.de von
28. Juli 2015, 08:00 Uhr

So langsam scheint es für Kristian S. (32) eng zu werden. Im Totschlagsprozess gegen den mutmaßlichen Hansa-Krawall-Fan übergab die Staatsanwaltschaft gestern eine neue DVD mit Aufnahmen vom Spiel gegen den 1. FC Saarbrücken am 25. März 2014: Sie zeigen den Nautischen Offizier einer Fährlinie der schwedischen Stena Line einmal mit Sturmhaube und einmal ohne Vermummung.

Außerdem teilte die Anklage mit, dass am Wochenende aufgrund der Information eines Mithäftlings die Zelle von Kristian S. in der Untersuchungshaft durchsucht worden ist. Der Angeklagte soll Hass gegenüber einzelnen Vertretern des Gerichts geäußert haben und im Besitz ihrer Fotos sein. Der Mithäftling soll jetzt als Zeuge gehört werden. Die Fotos wurden aber nicht gefunden.

Auch gestern ging es vor allem um die massiven Ausschreitungen beim Heimspiel des FC Hansa gegen Dynamo Dresden am 29. November 2014, das die Sachsen mit 1:3 gewannen. Ein 32-jähriger Kriminalbeamter, der zur Beweissicherungstruppe gehört, war von einem zwei Kilogramm schweren Pflasterstein an der linken Brustseite getroffen worden. „Der Aufprall war so stark, dass ich zu Boden fiel und kurz weggetreten war“, berichtete er gestern als Zeuge. Seine Kollegen hätten ihm auf die Beine helfen müssen. „Ich habe großes Glück gehabt und seitdem bin ich bei solchen Einsätzen vorsichtiger geworden“, gab der Beamte zu Protokoll. Eine Prellung der siebten und achten Rippe des Zeugen bestätigte gestern auch der Polizeiarzt.

Ein wichtiger Zeuge war der Kameramann der Polizei. Er hatte einen Mann mit dunkelblauer Jeans, schwarz glänzender Jacke, Sturmhaube und auffallenden Adidas-Samba-Schuhen gefilmt, der Steine auf Polizisten warf und diese auch traf. Das sei auch derselbe Mann gewesen, der kurze Zeit später mit einem schraubenartigen Gegenstand Katzenkopfsteine aus der Erde lockerte und in die Tasche steckte. Diesmal habe sich der Täter schwarze Socken über die Turnschuhe gezogen. Der Zeuge berichtete auch über den Wurf mit dem Zwei-Kilo-Stein. Er habe den Aufschrei seines Kollegen und das Aufschlagen des Pflastersteins gehört.

Die Verteidigung gab zu bedenken, dass auf den Videos mehrere vermummte Personen zu sehen sind, die nicht auseinanderzuhalten seien. Der Kameramann antwortete, dass es eine Reihe Erkennungsmerkmale gebe, auf die sich die Polizei eingestellt habe. Denn seit einiger Zeit würden die gewalttätigen Fans Tricks anwenden – wie Kleidungstausch, Verdeckung von Tätowierungen, Übermalung von Auffälligkeiten auf T-Shirts, das Tragen von Handschuhen und eben das Überziehen von dunklen Socken.

Kristian S. soll bereits im April 2014 nach dem Heimspiel gegen RB Leipzig sichernde Beamte mit Steinen beworfen und sie mit Reizgas besprüht haben. Er sitzt seit dem 16. Dezember 2014 wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Der Prozess wird am Mittwoch fortsetzt.

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