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Interview : „Es ist noch eine ganze Menge zu tun“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Reinhard Wolfgramm geht nach 24 Jahren an der Spitze der Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung in den Ruhestand

von
erstellt am 14.Okt.2015 | 15:00 Uhr

Als Geschäftsführer der Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (RGS) hat Reinhard Wolfgramm das Bild Rostocks seit 1994 maßgeblich mitgestaltet. Direkt nach der Wende war er bereits für den Vorgänger, die Bremische Gesellschaft, tätig. Zum Jahresende verabschiedet der 66-Jährige sich in den Ruhestand. Im Interview erklärt er NNN-Redakteur Torben Hinz, warum die RGS weiter gebraucht wird.

Die Altstadt ist weitgehend saniert, der Gründungsauftrag der RGS erfüllt. Mission abgeschlossen
Wolfgramm:
Das war nicht der alleinige Gründungsauftrag, vielleicht aber der Hauptgrund für die Bildung dieser komplexen Struktureinheit. Neben dem Sanierungsgebiet Stadtzentrum laufen die städtebaulichen Gesamtmaßnahmen, aber auch die Maßnahmen in den Fördergebieten Dierkow, Toitenwinkel und Schmarl sowie begrenzt in Groß Klein weiter. Insofern ist noch eine ganze Menge zu tun.
Welche Herausforderungen erwarten Ihren Nachfolger konkret?
Besondere Schwerpunkte sind sicherlich auf die Entwicklung und Bebauung der Flächen am Bussebart/Stadthafen – inklusive Theaterneubau – sowie Nordkante Neuer Markt zu setzen. Daneben dürften in der Entwicklung des Glatten Aals und der Flächen am Rosengarten/August-Bebel-Straße Schwerpunkte gesetzt sein.
Was hat sich in Ihrer Zeit als Geschäftsführer an Ihrer Arbeit verändert?
Bei den Aufgaben gab es, den Bedürfnissen und Notwendigkeiten der frühen 1990er-Jahre folgend, eine rasante Aufwärtsentwicklung, die sich um das Jahr 2000 auch in einer Personalstärke von nahezu 50 Mitarbeitern darstellte. Innerhalb der treuhänderischen Tätigkeit war quasi ein kleines Wohnungsunternehmen integriert und es wurden große Erschließungs- und Bauträgermaßnahmen sowie weitere Dienstleistungsaufgaben übernommen. Nachfolgend erfolgte eine weitestgehende Beschränkung auf treuhänderische Tätigkeiten – allerdings auf finanziell deutlich höherem Niveau als in den Anfangsjahren.
Auf welches Projekt sind Sie besonders stolz und warum?
Die städtebaulichen Maßnahmen sind – und das wird heute leider allzu oft vergessen – Gesamtmaßnahmen für festgelegte Gebiete. Insofern bin ich froh, dass die gestellte Zielsetzung der infrastrukturellen Entwicklung im Wesentlichen erreicht werden konnte. Die Hansestadt erfüllt auf Grundlage einer völlig veränderten verkehrlichen Infrastruktur als Oberzentrum wesentliche Aufgaben im Bereich Bildung, Handel und Kultur für mehr als 500 000 Einwohner. Dass es darüber hinaus gelungen ist, die Neubaugebiete im Nordwesten und Nordosten zu stabilisieren und zu entwickeln, erfüllt mich mit Befriedigung. Selbstverständlich blicke ich auch auf Einzelmaßnahmen wie die Entwicklung des Petriviertels, die Sanierung von Rathaus und Innerstädtischem Gymnasium sowie den Bau von Stadtteil- und Begegnungszentren aber auch die Erschließung des Wohngebietes Biestow gerne zurück.
Am Projekt Kanonsberg gibt es bis heute große Kritik. Würden Sie es wieder so umsetzen? Wie können die Bürger im Vorfeld stärker einbezogen werden?
Neben der weitgehenden Umsetzung der in der denkmalpflegerischen Zielstellung definierten Grundlage waren statische Herausforderungen zu bewältigen, die sich erst während der Bauphase endgültig darstellten. Ich denke, dass auch aus heutiger Sicht im Ergebnis aller Abwägungen das Ergebnis analog oder sehr ähnlich aussehen würde. Allerdings bin ich fest überzeugt, dass der Weg durch eine intensivere Öffentlichkeitsarbeit begleitet worden wäre und zu kleineren Kompromissen geführt hätte. Die Sanierungsmaßnahmen im weiteren Wallbereich zeigen dies ja. Bedenken bereitet mir allerdings, dass in immer stärkerem Maße auch sehr deutliche Mehrheitsentscheidungen von oftmals einseitig orientierten Minderheiten nicht hingenommen und unverhältnismäßig artikuliert werden.

 

 

 

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