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Norddeutsche Neueste Nachrichten

16. Dezember 2017 | 23:42 Uhr

Kunsthalle : „Es ist geordnetes Chaos“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Sean Scully gilt als einer der bedeutendsten Maler weltweit – die Kunsthalle Rostock zeigt seine Bilder

von
erstellt am 28.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Auf einer der gepolsterten Bänke in der Rostocker Kunsthalle hat es sich der kleine Oisín bequem gemacht. Gebannt verfolgt der Fünfjährige den Film, der über das Display seines Tablets flimmert. Der ganze Rummel rund um ihn herum, die großformatigen Bilder, die vielen Menschen, die sich angeregt unterhalten, beeindrucken ihn nicht. Dabei ist Oisín selbst auch ein bisschen Star der Ausstellung, die heute Abend in der Rostocker Kunsthalle eröffnet wird. Im Mittelpunkt steht das Werk des irisch-amerikanischen Malers Sean Scully – Oisíns Vater.

Eine richtige Familien-Ausstellung ist es schließlich geworden. Scully lobt immer wieder die Idee von Kurator Dr. Ulrich Ptak. Auf der einen Seite „Figure/Abstract“, die den Bogen von den Anfängen bis ins Heute der Arbeit Sean Scullys beschreibt; auf der anderen Seite unter dem Titel „Dusk at Dawn“ die Arbeiten seiner Frau, der Malerin und Bildhauerin Liliane Tomasko. Und dazwischen immer wieder Zeichnungen, die Scully zusammen mit seinem Sohn angefertigt hat. „Ich habe die Struktur geschaffen, er das Ungezähmte“, berichtet der Vater.

Sean Scully gehört zu den ganz Großen. In diesem Jahr führen ihn zwölf Ausstellungen in Länder überall auf der Welt. „So viele in einem Jahr hatte ich noch nie.“ Aber schließlich feiert Scully 2015 auch seinen 70. Geburtstag – und die Kunstwelt mit ihm.

Auch ein Grund, um auf die Anfänge seiner Arbeit zu schauen. Da ist zum Beispiel das 1970 entstandene „Backcloth“, das im Rostocker Ausstellungshaus zu sehen ist. Er liebe dieses Bild, sagt Scully, und würde es nie verkaufen. Scully schuf es noch vor seinem Studienabschluss in Newcastle, Großbritannien, fügte dabei verschiedenfarbiges Klebeband in Schichten zu einem Netz zusammen. „Es ist eine Art geordnetes Chaos“, sagt er. Kunst sei nichts, was trainiert werden könne. „Ich dominiere meine Malerei nicht.“ Kunst sei vielmehr das Naheliegende.

Liliane Tomasko – die Bildhauerei studierte, sich dann aber der Malerei zuwandte – thematisiert in ihren Arbeiten das, wie sie es nennt, „Domestische“. Stoffe, Betten, Räume verschmelzen in Farbe und Form, bleiben schemenhaft und unnahbar im Zwielicht. „Es ist die Realität, die wir jeden Tag sehen, aber nicht mehr wahrnehmen“, sagt sie.

Scully ist Weltenbürger, hat Ateliers in New York, Barcelona und München. „Ich bin ein heimatloser Hund.“ Dann fordert er seinen Filius spielerisch zum Boxkampf heraus. Der lacht und hebt die kleinen Fäuste vors Gesicht. Sein Vater, der weltberühmte Maler, ist in diesem Moment einmal mehr sein Held.

Die Ausstellung ist bis zum 3. Mai in der Rostocker Kunsthalle zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr

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