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Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. Oktober 2017 | 04:03 Uhr

Senioren : Es fehlen 30 000 Wohnplätze

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landtags Enquete-Kommission „Älter werden in MV“ diskutiert öffentlich Untersuchungsergebnisse mit Bürgern und Fachkräften

svz.de von
erstellt am 21.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Sinkende Geburtenraten, steigende Lebenserwartung und zunehmende Abwanderungen – Mecklenburg-Vorpommern entwickelt sich von einem der jüngsten zu einem der ältesten Bundesländer Deutschlands. Laut dem Statistischen Bundesamt ist das Durchschnittsalter in MV von 36,3 Jahren (1991) auf 46,5 Jahre (2014) angestiegen. Diese Entwicklung macht das Land nicht nur zum fünftältesten in der Bundesrepublik, sondern ebenso zum Spitzenreiter im bundesweiten Wachstum des durchschnittlichen Alters in den vergangenen 25 Jahren. Insgesamt 22,7 Prozent der in Mecklenburg-Vorpommern lebenden Bürger sind über 65 Jahre alt.

Aus diesem Anlass startet heute unsere Serie „Mitten im Leben“. In den kommenden Wochen erscheinen regelmäßig Beiträge zu Themen wie Modelle für altersgerechtes Wohnen sowie außergewöhnliche Freizeit- und Weiterbildungsaktivitäten. Außerdem gibt es Ratschläge hinsichtlich der rechtlichen Grundlagen von Verfügungen und Vollmachten sowie dem Umbau zur barrierearmen Wohnung.

Den Anfang unserer Serie bildet das 14. Demografiegespräch der Landtags Enquete-Kommission „Älter werden in MV“, das vor wenigen Tagen in Rostock stattfand. Seit vier Jahren beschäftigt sich der Ausschuss mit Themen wie Mobilität, Gesundheit/Pflege, Infrastruktur, bürgerschaftliches Engagement, Bildung/Arbeit und Wohnen. „Wir haben festgestellt, dass in MV ein Mehrbedarf an Wohnraum für Menschen mit Pflegestufe in Höhe von 18  000 Plätzen besteht“, sagt der Kommissionsvorsitzende Jörg Heydorn (SPD). „Wenn man jedoch alle Menschen mit Mobilitätseinschränkung einbezieht, ist der Mehrbedarf sogar noch höher. Dann sind es 30  000 Plätze.“

Die 21 Kommissionsmitglieder, bestehend aus Politikern und externen Fachkräften, haben in den vergangenen Jahren dem Bedarf entsprechende Maßnahmen und Forderungen ausgearbeitet. Die Ergebnisse wurden in Podiumsdiskussionen der Öffentlichkeit präsentiert.

Daraus wird ersichtlich, dass die soziale Infrastruktur – Arztpraxen, Einkaufsmöglichkeiten, Nahverkehr usw. – auf dem Lande schlechter ausgeprägt ist, als in den Städten, was laut Einschätzung des Ausschusses ein Leben für ältere Bürger in kleineren Gemeinden und Dörfern erschwert. „Hochbetagte Bürger brauchen Dinge wie einen Arzt, eine Kaufhalle, den Nahverkehr und Freizeitangebote in ihrer unmittelbaren Nähe“, betont Heydorn.

Die Besucher des Forums in Rostock , bestehend aus Senioren, Experten und interessierten Bürgern, stimmten dem zu. Ein solcher sozialin-frastrukturell gut ausgestatteter Wohnraum könne jedoch nur in größeren Städten geschaffen werden, nicht im ländlichen Raum. „Es gibt, insbesondere in den ländlichen Räumen mit besonderen demografischen Herausforderungen, innerregionale Wanderungen (Umzüge von kleinen Gemeinden oder Dörfern in Städte - d. Red.) auch von älteren Menschen aus den Dörfern ohne Versorgungsangebote, in die kleinen ländlichen Zentren und Städte und dort nicht nur in die Pflegeheime“, heißt es dazu in einem Bericht des Untersuchungsausschusses.

Außerdem mangele es an Anlaufstellen für Senioren, die sich über die Möglichkeiten zum altersgerechten Wohnen informieren wollen. „Es kam die Idee auf, solche Wohnberatungsstellen an die Pflegestützpunkte anzugliedern“, erläutert der Kommissionsvorsitzende. Die Umsetzung ist aus finanziellen Gründen jedoch wenig realistisch. Die Idee wurde deshalb verworfen. In wenigen Monaten will die Enquete-Kommission Handlungsempfehlungen veröffentlichen. „Wir hoffen, dass unsere Empfehlungen zum Anlass genommen werden, um etwas zu verändern“, sagte Julian Barlen (SPD), Mitglied des Landtags.

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