Demo in Rostock : Erzieher gegen Fachkräfte-Modell

Der Demonstrationszug der Gewerkschafter, zu dem eigentlich 700 Teilnehmer erwartet worden waren, führte vom Rostocker Hauptbahnhof in die Innenstadt.
Der Demonstrationszug der Gewerkschafter, zu dem eigentlich 700 Teilnehmer erwartet worden waren, führte vom Rostocker Hauptbahnhof in die Innenstadt.

Kita-Kräfte und Gewerkschaften kritisieren bei Demo die geplante kastrierte Ausbildung. Die Angst um Ansehen und Qualität steigt.

von
11. Juni 2017, 21:00 Uhr

Gegen die von der Landesregierung geplante Einführung einer verkürzten Fachkraftausbildung für Erzieher haben etwa 200 Kindergärtner, Pädagogen und Gewerkschaftsmitglieder aus MV am Sonnabend in Rostock demonstriert. Die Idee der großen Koalition: Bereits im August soll mit einer dreijährigen Ausbildung gestartet werden, die Staatlich anerkannte Erzieher befähigen soll, mit Kindern bis zu zehn Jahren zu arbeiten. Sie soll praxisnäher sein und schneller zu einem Nachschub an Fachkräften führen.

Die Kritik der Gewerkschaften an der Neuerung des Kindertagesförderungsgesetz (KiföG): Die Ausbildung wäre deutschlandweit einzigartig, eine Anerkennung des Abschlusses in anderen Bundesländern nicht sicher. „Wir müssen verbindliche Standards schaffen. Es kann nicht sein, dass Leute absichtlich weniger qualifiziert werden, damit sie im Land bleiben“, sagt Susanne Schöttke, Bezirksgeschäftsführerin Verdi. Mit einem solchen Entschluss degradiere sich MV selbst zu einem „provinziellen Niedriglohnland“, so Schlöttke. Die aktuelle Gegenbewegung sei lediglich ein „erster Aufschlag in Richtung der Landesregierung“, so Schöttke.

Die geplante Entwicklung zu mehr Praxisnähe sehen zwar auch die Erzieher positiv, fragen sich aber, wie die neuen Fachkräfte zu ihren Fähigkeiten kommen sollen: „Wir haben doch gar keine Anleitung oder Vorgaben, wie die jungen Leute konkret ausgebildet werden sollen“ sagt Claudia Köster, Erzieherin in der Rostocker Kita Butzemannhaus. Neben der zusätzlichen Arbeit für die klassischen staatlichen anerkannten Erzieher, sei aber vor allem das Ansehen des Berufsbildes in Gefahr. „Wir wollen eine Akademisierung des Berufs erreichen und keine minderwertige Ausbildung“, sagt die 28-jährige Rostockerin, die seit 2012 als Erzieherin arbeitet, sich im Betriebsrat engagiert und Mitglied der GEW ist.

Die GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner unterstrich am Sonnabend vor allem auch die praxisferne Berechnung des Betreuungsschlüssels in Kitas und Horten vonseiten der Politik. So müssten Auszubildende und Fachkräfte nach Ansicht der GEW nicht als volle Kräfte berechnet werden, sondern eingeschränkt. Die neue „Billigausbildung“ sei nichts weiter als ein „Sparmodell“, um schnell neue Fachkräfte zu generieren, so Lindner.

Dem widersprach Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) am Sonntag gegenüber unserer Redaktion: „Baden-Württemberg hat das Modell schon umgesetzt, und auch Bayern hat ein Verfahren entwickelt. Wir orientieren uns an Baden-Württemberg.“ Sie forderte die Gewerkschaften auf, bei den Tarifpartnern in den Kommunen auf einen Tarifvertrag zu drängen. Mit den Gewerkschaften sei bereits mehrfach das Thema diskutiert worden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen