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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. Oktober 2017 | 15:45 Uhr

Erster Schritt mit der "Prinzessin"

vom

svz.de von
erstellt am 09.Okt.2012 | 07:25 Uhr

Rostock | Vier Doppelendfähren bilden seit 1998 eine schwimmende Brücke zwischen Puttgarden auf Fehmarn und dem dänischen Rødby. Das System wurde in den vergangenen Jahren zur Verkehrsmaschine perfektioniert. Die Abfahrten erfolgen im 30-Minuten-Takt, das Be- und Entladen geschieht ebenso wie auf der Linie Rostock-Gedser in weniger als 15 Minuten. Nun steuert Scandlines auf der Kurzstrecke am Fehmarnbelt die weitere Effizienz des Fährbetriebs an. Noch im Oktober sollen auf der "Prinsesse Benedikte" während des normalen Werftaufenthaltes die Vorkehrungen für ein neues Energie-Management-System an Bord geschaffen werden. "Wir wollen überschüssige Motorleistung in Strom umwandeln", erklärt der Rostocker Dr. Gernot Tesch (45), einer der Geschäftsführer von Scandlines Deutschland. Anfang nächsten Jahres würden spezielle Akkus zum Speichern der Energie auf der Fähre installiert und so den Batteriebetrieb gewährleisten. Mit Einsparungen um 15 bis 18 Prozent wird gerechnet.

Vier Millionen Euro pro Umbau

Erfüllen sich die Erwartungen, werden bis Ende 2013 auch die anderen drei Fähren auf der Vogelfluglinie mit dieser Hybrid-Technik ausgerüstet. Der erwünschte Effekt, so Tesch, sind neben der Reduzierung der steigenden Treibstoffkosten auch eine Verringerung der Emissionen. Für den Kunden wird in dieser Größenordnung nun sicher nicht die Überfahrt billiger. Die Senkung der operativen Kosten sei ohne Steigerung der Kapitalkosten nicht zu haben, so Tesch. Investitionen von vier Millionen Euro pro Schiff wären schließlich vonnöten. Der Nutzen für die Umwelt aber zahlt sich für alle aus.

Auch angesichts der Planungen einer festen Fehmarnbelt-Querung, die laut der dänischen Planungsgesellschaft Femern AS etwa 2021 fertiggestellt sein könnte, werden bei Scandlines gute Möglichkeiten gesehen, den Fährdienst wirtschaftlich und umweltfreundlich weiter zu betreiben. Sowohl mit aktueller Tonnage als auch mit Neubauten, betont der mit strategischen Aufgaben betraute Manager, der bereits seit 1996 im Unternehmen tätig ist. Den vorgesehenen Tunnelbau wertet er als "ordnungspolitischen Sündenfall".

Der Kosten-Nutzen-Faktor von 1,2 sei extrem niedrig, zudem seien die Annahmen zu Baukosten und Verkehrsprognosen überholt, wären die nötigen Ruhezeiten der Trucker nach vier Stunden Fahrtzeit nicht beachtet worden. Ohne staatliche Garantien und die Übernahme der Risiken durch die Steuerzahler wäre das Projekt längst gescheitert. Der Drang Dänemarks aus der Insellage ans europäische Festland, der auch den Ausbau der deutschen Hinterland-Anbindungen erfordert, gehe womöglich zu Lasten anderer Projekte im Bundesverkehrswegeplan, befürchten inzwischen etliche Verkehrsplaner.

Alternative mit GL-Tochter entwickelt

Scandlines bietet als Alternative und strategische Option den Einsatz emissionsfreier Fähren auf dem Fehmarnbelt an. In Zusammenarbeit mit der Futur Ship GmbH, einem Unternehmen des Germanischen Lloyds, wurde das Projekt "Zero Emission Ferry" entwickelt. Danach könnten vier neue wasserstoffbetriebene Fähren mit erhöhter Kapazität auf der Route fahren. Der nötige Wasserstoff wird aus überschüssigem Strom aus dem Nachtbetrieb von Windparks rund um Fehmarn gewonnen. Flettner-Rotoren zur direkten Windnutzung und Brennstoffzellen als Energiewandler werden eingesetzt. Der Verbrauch von fast einer Tonne Schweröl pro Überfahrt würde auf null gefahren, entsprechend würden auch die Kohlendioxid-, Schwefel- und Stickstoff-Emissionen entfallen.

Das alles, so Tesch, setze allerdings eine gewisse Mindestbetriebszeit des neuen Systems voraus. So wäre demnach für den Betreiber eine weitere Verschiebung des Tunneleröffnungstermins wünschenswert. Tesch und seine Kollegen haben das Projekt in Politik und Wirtschaft inzwischen bekannt gemacht und rühren dafür die Werbetrommel.

Die maritime Wirtschaft, so der Rostocker Manager, würde durch den technischen Quantensprung profitieren, wenn die 500-Millionen-Investition ausgelöst wird, die weltweit Vorbildwirkung für Kurzstrecken-Verkehre haben könnte. Er sieht das auch als Chance für die heimische Industrie, wo die Komponenten entwickelt und gefertigt würden. Ob das die dänischen Planer der festen Querung noch beeindruckt, bleibt abzuwarten.

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