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22. November 2017 | 06:49 Uhr

Erster Fall bestätigt: Schmallenberg-Virus in MV

vom

svz.de von
erstellt am 08.Feb.2012 | 07:53 Uhr

Schwerin | Nun steht es fest: Das Schmallenberg-Virus hat MV erreicht. Gestern abgeschlossene Untersuchungen hätten bestätigt, dass ein Ziegenlamm im Nordosten mit dem mysteriösen Erreger befallen sei, teilte das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems gestern mit. Doch während sich spätestens mit dem ersten Fall in MV bei den Landwirten Angst breitmacht, scheinen die Verbraucher von der neuen Tierkrankheit noch unbeeindruckt. Bis gestern habe sich kein Kunde über die Auswirkungen auf die menschliche Ernährung informiert, teilte die Verbraucherzentrale in Rostock mit. Nach bisherigen Erkenntnissen gibt es Experten zufolge kein Erkrankungsrisiko für Menschen.

Tierhalter müssen sich hingegen auf Ausfälle einstellen. Der Virus verursacht Fehlbildungen und Totgeburten bei Schafen, Rindern und Ziegen. Die ersten Landwirte machten sich Sorgen um ihre Tiere, erklärte Silvia Ey, Tierproduktionsexpertin des Landesbauernverbandes in Neubrandenburg. Zur Problematik der Erkrankung gehöre aber nicht nur das Leid der Tiere. Die Sorge drehe sich laut Ey auch um dem wirtschaftlichen Verlust der betroffenen Betriebe. Da der Schmallenberg-Virus nicht meldepflichtig sei, könnte bei einem finanziellen Schaden höchstens eine Versicherung einspringen. Tierhalter hoffen dennoch auf Entschädigung: Die Meldepflicht sei nur eine Frage der Zeit - voraussichtlich ab 1. April, sagte der Vorsitzende des Landesschaf- und Ziegenzuchtverbandes, Jürgen Lückhoff. Die betroffenen Landwirte hofften, dass dann die Tierseuchenkasse für die Verluste aufkommen werde. Lückhoff berichtete von zahlreichen Fällen aus den anderen Bundesländern und hofft, dass MV weniger stark von der neuen Krankheit betroffen sein werde: "Jeden Tag, den wir im Kalender weiter nach hinten rücken, ist ein gewonnener Tag." Um so später die Tiere im vergangenen Jahr gedeckt wurden, um so wahrscheinlicher seien die Jungtiere nicht betroffen. Doch wie es weitergehe, sei ungewiss. "Weil nicht abgesehen werden kann, wie schnell sich das Virus ausbreitet", sagte Lückhoff. Gab es vor zwei Wochen noch keinen Fall in Schleswig Holstein, so sei MV inzwischen von betroffenen Bundesländern eingekesselt.

Das Schmallenberg-Virus wird in immer mehr Bundesländern nachgewiesen. Nach FLI-Angaben sind inzwischen 377 Betriebe in 13 Bundesländern betroffen - 35 mehr als am Vortag. Die einzige Ausnahmen bisher seien Bremen, Berlin und das Saarland. Elke Reinking, Sprecherin des FLI, sagte gestern, dass am stärksten Schafhaltungen betroffen sind. Dies liege bei rund 350 Betrieben an der derzeitigen Ablammsaison. Die Missbildungen seien eine Spätfolge der Infektion über Mückenstiche zu einem früheren Stadium der Trächtigkeit im Sommer und Herbst 2011. Prognosen über die Verbreitung des Erregers in Rinderhaltungen sind nach Angaben des FLI nicht möglich. Rinder sollen im März und April abkalben.

Bei den Schafen sei das Schmallenberg-Virus hauptsächlich bei missgebildeten Lämmern im Gehirn festgestellt worden. Es sei davon auszugehen, dass sich der Fötus höchstwahrscheinlich in der empfindlichen Trächtigkeitsphase zwischen dem 25. und 45. Tag über das Muttertier infiziert habe. Sie tragen rund fünf Monate. Bei Rindern liege diese empfindliche Phase, in der der Fötus noch über keine eigene Immunabwehr verfüge, zwischen dem 55. und 110. Tag. Die Trächtigkeit bei Rindern dauert rund neun Monate. Der Erreger war im November 2011 erstmals in Deutschland festgestellt worden. Unklar sei, ob es sich um einen Neueintrag dieses exotischen Virus handelt oder ob er bereits seit längerer Zeit bei Wiederkäuern in Europa vorkomme. Auch in Tierhaltungen der Niederlanden, Belgien und Großbritannien war das Schmallenberg-Virus nachgewiesen worden.

Silvia Ey und Jürgen Lückhoff vertrauen auf die Ergebnisse des FLI. "Wir sind auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse angewiesen", sagt sie. Lückhoff fügt hinzu, dass die Branche jedoch erst am Anfang des Problems stehe. Bis ein Impfstoff entwickelt sei, dauere es Monate und im Frühjahr würden die Insekten zurückkehren. "Wir werden nicht jedem Schaf ein Moskitonetz umhängen können", sagt er. Nicht nur bei Hobbyschäfern, sondern auch bei den großen Herdenhaltern würden die Tiere üblicherweise draußen leben. Das mache hilflos, meinte Lückhoff.

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