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Rostock : Erste Problemschweine verbannt

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Projekt zur Schwarzwildbekämpfung zeigt Wirkung: Hohe Düne und Markgrafenheide sicher. Stadt will mit Pächtern weitere Gebiete bejagen #wirkoennenrichtig

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erstellt am 16.Sep.2017 | 05:00 Uhr

Aufgewühlte Felder, zerstörte Zäune, gefährliche Begegnungen in der Dämmerung – auf der Suche nach einem einfachen Zugang zu Nahrung dringen Wildschweine immer weiter in urbane Gebiete vor. Um dem entgegenzuwirken, hat Rostock in Kooperation mit der Universität 2012 ein Projekt zur Schwarzwildbekämpfung gestartet. In Hohe Düne und Markgrafenheide verzeichnen Forscher und Jäger erste Erfolge, dort sind die Borstentiere so gut wie vertrieben.

Um herauszufinden, welche Schweine welche Routen nehmen, haben Dr. Hinrich Zoller und Forstamtsleiter Jörg Harmuth im Versuchszeitraum 85 Tiere gefangen und markiert, 44 davon mit GPS-Sendern ausgestattet. „Wir haben drei Typen ausgemacht: Einige, die gar nicht in urbane Gebiete gehen, die, die tagsüber draußen bleiben und nur nachts kommen und die, die sogar tagsüber im Streifgebiet unterwegs sind“, sagt Zoller. Um den Borstentieren Einhalt zu gebieten, hätten die Förster in diesem Fall gegen das Dogma „Klein vor Groß, Schwach vor Stark“ verstoßen: „Wir haben gezielt die alten Bachen weggenommen, bevor sie ihr Wissen weitergeben können“, sagt Zoller. 2013 sei die Bejagung in Markgrafenheide und Hohe Düne gestartet, seit 2014 gebe es dort keine Schäden durch Wildschweine mehr.

Das Projekt ist bisher bundesweit einzigartig, aber auch andere Städte wollen die Expertise der Rostocker nutzen. „Wildschweine gehören in den Wald und nicht in Kleingärten oder dorthin, wo Kinder spielen“, lobt Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) das Projekt. Pro Jahr hätten die Schwarzkittel auf städtischen Flächen Schäden in Höhe von etwa 100 000 Euro angerichtet – ganz zu schweigen von der Gefahr, die von Bachen ausgeht, die Frischlinge beschützen wollen. „Aber nicht nur die Schweine sind schuld, auch Menschen, die faule Äpfel über den Zaun werfen und die Tiere anlocken. Die Leute müssen ihren Teil zur Bekämpfung beitragen“, sagt Harmuth.

Nach Projektende wollen Stadt und Uni jetzt mit Pächtern nicht städtischer Flächen deren Problemschweine in den Griff bekommen. Das sei nicht immer einfach, denn einige wollen sie bekämpfen, andere wollen Schweine schießen, so Harmuth. Richtig gefährlich könne es werden, wenn die Afrikanische Schweinepest (ASP) von Osteuropa nach Deutschland eingeschleppt würde. Die Tiere verenden innerhalb von 10 Tagen kläglich. Zwar ist die Krankheit nicht ansteckend für den Menschen – auch nicht über den Verzehr von Fleisch – könnte aber auch auf Hausschweine übertragen werden und hohe agrarwirtschaftliche Schäden anrichten, so Harmuth. Kritisch: Es gibt noch keinen Impfstoff.

 

Kommentar "Zurück in den Wald mit ihnen" von Katrin Zimmer

Ja, Frischlinge sind süß und Schweine superintelligente Tiere, die nicht einfach so abgeschossen werden sollten. Leider sind sie aber auch so schlau, dass sie genau wissen, wo leicht zugängliche Futterstellen sind und dort immer wieder auftauchen. Klar, dass dabei auch gefährliche Konfliktsituationen mit Menschen entstehen. Aber wie Forstamtsleiter Jörg Harmuth ganz richtig sagt: Nicht die Schweine sind die Schuldigen, sondern die Menschen, die es ihnen zu leicht machen, indem sie Futter und Unterschlupf für die Tiere auf den Präsentierteller legen. Um die Plage in den Griff zu bekommen, dürfen die Bewohner waldnaher Gebiete also ihre Grundstücke nicht zu schweinefreundlich machen. Letztlich geht es den Tieren doch auch besser, wenn sie im Wald bleiben, wo sie hingehören.
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