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Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. September 2017 | 10:53 Uhr

Erste Hilfe für kranke Kuscheltiere

vom

svz.de von
erstellt am 14.Jun.2013 | 09:21 Uhr

Hansaviertel | Die sechsjährige Amelie ist besorgt: Ihr Lieblingsteddy Leon hat ein großes Loch im Fell. Alles nur, weil er beim Spielen von einer Mauer gefallen ist. Amelie hat ihren Leon deshalb gestern ins Teddy-Krankenhaus gebracht, wo sich ausgebildete Kuscheltier-Ärzte um ihn und seine Besitzerin kümmern konnten. Die Kuscheltier-Ärzte, das sind etwa 100 Medizin- und Zahnmedizinstudenten, die die Teddy-Klinik in dieser Woche für Kinder zwischen drei und sechs Jahren öffnen.

Die Resonanz ist groß: Fast 700 Kinder sind schon an den ersten drei Tagen mit ihren flauschigen Freunden an die Uniklinik gekommen. "Insgesamt haben sich mehr als 1200 Kinder bei uns angemeldet. Das sind doppelt so viele wie im vergangenen Jahr", sagt Dr. Gernot Rücker, der ärztliche Leiter des Projekts. Er erklärt die Idee hinter der außergewöhnlichen Klinik: Zum einen lernen die Medizinstudenten hier den Umgang mit kleinen Patienten. "Sie müssen überlegen, wie sie medizinische Sachverhalte oder komplizierte Untersuchungen so erklären, dass ihr Gegenüber sie versteht", sagt Rücker. Zum anderen sollen die Kita-Kinder Berührungsängste mit dem Krankenhaus und Ärzten verlieren.

"Wir helfen ihnen, zu verstehen, was mit Menschen aus ihrem Umfeld passiert, wenn sie ins Krankenhaus kommen", sagt Debora Scholübbers, die studentische Projektleiterin. Wie sehr sich Kinder damit beschäftigen, merken die Studenten schon an der ersten Station, in der Aufnahme. "Wenn der Opa Rückenschmerzen hat, spielen die Kinder, dass ihr Dinosaurier Rückenschmerzen hat. Wenn die Kita-Erzieherin schwanger ist, erwarten auch manche Plüschtiere Nachwuchs", sagt Scholübbers. Vier glückliche Teddy-Geburten konnten sie und ihre Kollegen in dieser Woche nun schon verzeichnen. Hinzu kommen unzählige versorgte Knochenbrüche, Platzwunden und gelinderte Beschwerden wie Bauch-, Zahn- oder Kopfweh.

Auch Amelies Teddy Leon profitiert vom Know-how der Kuscheltier-Ärzte. Nach der Eingangsuntersuchung und dem Röntgen ist klar: Leon muss operiert werden. Christina Hoffmann, ihres Zeichens O-Bär-Ärztin, erklärt Amelie, warum sie im OP einen Mundschutz trägt und warum der Bär vor dem Eingriff "Schlafluft" atmen muss. Dann näht sie das Loch im Fell. Amelie weicht nicht von der Seite ihres Lieblingsbären. "Er ist ja noch ganz klein", sagt sie. Nach wenigen Minuten ist alles vorbei: Leon hat die OP gut überstanden. "Es geht ihm schon viel besser", sagt Amelie und grinst, dass ihre Zahnlücke zu sehen ist.

Nachdem bis heute nur Kita-Gruppen in der Teddy-Klinik behandelt werden, haben am Sonnabend von 15 bis 17 Uhr auch Einzelpatienten ohne Termin eine Chance auf einen Besuch. Auf der Station passieren die Kuscheltiere der Kinder die Aufnahme, Untersuchungen wie Röntgen, MRT oder Ultraschall, den Zahnarztstuhl und die Apotheke. Außerdem gibt es eine Zahnputzschule und ein Theaterstück zur gesunden Ernährung. Draußen warten der weltgrößte Organ-Teddy, Spiele und für Erwachsene ein Promille-Racing-Parcours auf die Besucher.

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