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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. Dezember 2017 | 15:56 Uhr

Im Museum : Erst prächtig, dann genau

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Das Kulturhistorische Museum zeigt in einer neuen Sonderausstellung die Entwicklung der Kartografie mit seltenen Exponaten

von
erstellt am 06.Feb.2015 | 16:00 Uhr

Johann Lauremberg muss eine besondere Schwäche für das kleine Örtchen Rethwisch gehabt haben. Anders ist es wohl kaum zu erklären, warum der Rostocker Professor für Poesie das Dorf 1622 auf seiner Karte von Mecklenburg verzeichnete. Und so dafür sorgte, dass sich die doch eher unbedeutende Gemeinde von diesem Jahr an noch vor vielen anderen auf jeder Karte Mecklenburgs wiederfindet.

Zu verfolgen ist die Entwicklung der Kartografie Mecklenburgs in der neuen Sonderausstellung des Kulturhistorischen Museums. Unter dem Titel „Prächtig vermessen“ sind 70 historische Landkarten zu sehen, außerdem Messgeräte wie Peilkompass, Proportionalzirkel und Jakobsstab. Anhand der historischen Karten soll immer auch ein Stück Geschichte erzählt werden. So wird auf besondere Details hingewiesen. Es gibt Stationen, an denen Vermessungstechniken probiert werden können.

Eröffnet wird die Ausstellung mit der Arbeit von Tilemann Stella aus dem Jahr 1576. „Sie ist die älteste erhaltene Karte Mecklenburgs und eine Leihgabe aus Lüneburg“, sagt Dr. Steffen Stuth, Leiter des Kulturhistorischen Museums. Es habe noch eine ältere Karte gegeben, entstanden 1552: „Von ihr gibt es allerdings nur noch eine Kopie. Das Original ist verloren gegangen.“ Die ausgestellten Karten beeindrucken durch ihre reiche Illustration. Als kostspielige Statussymbole mussten sie auch ansprechend dekoriert sein, erklärt Stuth.

Was hingegen die Genauigkeit anbelangt: „Nutzte man eine der mittelalterlichen Karten, musste man schon sehr genau aufpassen, dass man nicht an Schwerin vorbeiläuft und Güstrow überhaupt findet“, sagt Stuth. Das habe sich Mitte des 18. Jahrhunderts geändert, als beschlossen wurde, Mecklenburg neu zu vermessen. Schon allein aufgrund der neuen zur Verfügung stehenden Messgeräte stimmten diese Karten zu etwa 80 Prozent mit der Natur überein, zeigten detailliert Flurstücke, Quartiersgrenzen und Verkehrswege an – ein enormer Innovationssprung innerhalb der Kartografie. So zeichnen die Arbeiten von Friedrich Wilhelm Karl Schmettau ab 1780 bereits ein sehr exaktes Bild Mecklenburgs. Zu sehen sind seine Karten im dritten und letzten Raum der Ausstellung. Eine Kopie in Originalgröße verdeutlicht, dass diese Landkarten auch repräsentative Zwecke erfüllten. Ein Plan mit Abmaßen von 3,60 mal 2,40 Metern Größe, wie er in der Ausstellung zu sehen ist, kostete ein kleines Vermögen und schmückte beispielsweise das Geschäftshaus eines Kaufmanns. Sie wurden mittels schwerer Kupferplatten und aufwändiger Verfahren gedruckt.  

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