Gesund in Rostock : „Ernährung lässt uns nie los“

Marianne Prabel ist Diätassistentin und berät Patienten im Rostocker Südstadtklinikum.
Marianne Prabel ist Diätassistentin und berät Patienten im Rostocker Südstadtklinikum.

Gespräch mit Diätassistentin Marianne Prabel

von
03. September 2015, 08:00 Uhr

Eine ausgewogene Ernährung, ein wenig Bewegung und ein Verständnis für den eigenen Körper – Marianne Prabel ist Diätassistentin und weiß, was gesund ist. Im Klinikum Südstadt Rostock berät sie Patienten, die an Übergewicht leiden und solche, die sich besonders ernähren müssen, weil sie beispielsweise Diabetiker sind oder andere Erkrankungen haben. Im Interview mit Josefine Rosse gibt sie Tipps zum Abnehmen.

Welche Rolle spielt das Essen in unserer Gesellschaft?
Prabel: Ich denke, eine große Rolle. Das Angebot ist riesig. Doch heute ist weniger mehr. Dennoch gilt: Wer abnehmen möchte, muss essen. Übergewicht kommt zu Stande, weil die falschen Dinge gegessen werden und uns die körperliche Bewegung beziehungsweise Ertüchtigung fehlt. Im Grunde wissen die meisten aber grob, was gesund ist und was nicht.Warum gibt es dennoch so viele Übergewichtige in MV?
Weil Nahrung konsumiert wird, die nicht satt, sondern Hunger macht. Dazu zählen unter anderem Softdrinks, Wellness-Wasser, Saft oder Weizenbrot. In Wellness-Wasser stecken zum Beispiel 50 Gramm Zucker. In einem Liter Saft 100 Gramm Zucker. Dafür könnte man fünf Scheiben Vollkornbrot essen. Die machen satt, nicht Saft! Unser Körper besteht zu 70 Prozent aus Wasser. Folglich sollten wir auch Wasser trinken und eben keine Wellness- oder Softdrinks. Auch Tee und Kaffee sind in Ordnung.
Was ist der Schlüssel zum erfolgreichen Abnehmen?
Das meiste beim Abnehmen gelingt über die Ernährung. Die Umstellung muss im Kopf erfolgen. Bewegung unterstützt das Abnehmen und ist außerdem wichtig, damit wir nicht einrosten. Wer Sport aber nutzt, um abzunehmen, der macht bereits eine Diät.
Was halten Sie von Diäten?
Nicht viel. Ich empfehle eine gesunde Mischkost. Wir brauchen Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette. Die Frage ist nur wie viel. Es ist das Beste, wenn man sich so natürlich wie möglich ernährt, wenn man sich daran erinnert, was die Menschen früher gegessen haben. In den Supermärkten gibt es so viele Lebensmittel zu kaufen. Ich bin überzeugt, dass die Hälfte unnötig ist.
Was denken Sie über alternative Ernährungsweisen wie die vegane Kost?
Es gibt auch Veganer, die dick sind. Vegane Ernährung ist also kein Garant für eine schlanke Optik. Wichtig ist – und das gilt für alle Ernährungsweisen – drauf zu achten, dass dem Körper keine Nährstoffe fehlen.
Wie kommt das Verständnis für Ernährung bei denjenigen an, die Sie beraten?
Durch Aufklärung und indem ich Tipps gebe. Zum Beispiel packe ich mir meinen Teller immer mit Produkten voll, die wenige Kalorien haben. Viel Gemüse und etwas Obst zählt dazu. Essen sollte man nicht einfach nebenbei. Der Genuss darf nicht fehlen. Ich esse lieber weniger, aber dafür gute Lebensmittel. Die Qualität, nicht die Quantität entscheidet. Wichtig ist, auf seinen eigenen Körper zu hören, sich darauf zu besinnen, ob man wirklich Hunger hat. Die Fünf-Mahlzeiten-Kampagne ist veraltet. Hinzu kommt, dass wir mit steigendem Alter weniger Kalorien brauchen.
Wie viel weniger?
Das erklärt sich am besten an einem Beispiel. Eine 30 Jahre alte Büroangestellte hat einen Energiebedarf von 2200 Kalorien am Tag. Doch wenn sie älter wird, sinkt ihr Energiebedarf, sofern die körperliche Ertüchtigung gleich bleibt. Zwischen 33 und 55 Jahren benötigt sie nur noch 1980 Kalorien, zwischen 55 und 75 Jahren noch 1680 und ab 75 Jahren lediglich 1500.
Schlemmen Sie auch mal?
Ja natürlich, dick wird man schließlich nicht zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten. Ich schlage nicht jeden Tag über die Strenge.




 

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