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Norddeutsche Neueste Nachrichten

25. November 2017 | 07:06 Uhr

Er war "das Auge Mecklenburgs"

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erstellt am 19.Apr.2013 | 09:51 Uhr

Wir stellen Ihnen in loser Folge bedeutende Persönlichkeiten aus der Geschichte Rostocks vor. Heute: der Fotograf Karl Eschenburg.

Die Eltern von Karl Eschenburg waren Rostocker. Sein Vater arbeitete als Schiffszimmermann auf der Neptun-Werft. Mutter und Vater verbrachten ihr ganzes Leben in der Stadt. Ihren Sohn Karl, geboren als Kind des neuen Jahrhunderts, schickten sie auf die St.-Georg-Schule. Die Schulzeit aber endete früh. Mit knapp 14 Jahren begann Karl eine Schiffbauerlehre, die er nach vier Jahren erfolgreich beendete. Ganz Kind seiner Zeit, meldete sich der junge Mann 1918 als Kriegsfreiwilliger und tat Dienst beim Seeflugversuchskommando in Warnemünde. Ein Jahr später arbeitete er als technischer Assistent bei der Deutschen Luftreederei.

Dann ging er, weil er beruflich weiterkommen wollte, für drei Jahre nach Hamburg und kehrte 1925 als Schiffbauingenieur zurück nach Rostock. Im selben Jahr fand er in Warnemünde eine Anstellung bei den Flugzeugwerken Arado, und er fand die Frau fürs Leben. Unter den Hochzeitsgeschenken befand sich ein Gutschein für eine Fotoausrüstung. Dieses Präsent sollte das Leben von Karl Eschenburg zur Gänze verändern.

Er kaufte eine 9x12-formatige Spiegelreflex-Plattenkamera und begann, leidenschaftlich alles zu fotografieren, was er in seinem Warnemünder Umfeld sah. Bereits ein Jahr nach der Hochzeit nahm der Freizeitfotograf an einer Rostocker Fotoausstellung teil. Noch kannte ihn niemand, doch seine Fotos zogen sogleich die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Er überzeugte das Publikum mit seinem unverstellten Blick auf das jeweilige Motiv. Ihm gelang es, immer das Wesentliche zu erfassen. Waren es zunächst Warnemünder Fotografien, kamen später viele Aufnahmen von Rostock und schließlich Bilder aus dem Mecklenburger Binnenland hinzu. Aus dem Freizeitvergnügen war längst eine Passion geworden.

Karl Eschenburg verließ daher die Flugzeugwerke Arado im Jahr 1928 und gründete wenige Monate später seine eigene Firma "Photographie und Kunstgewerbe" in der Roten Veranda in Warnemünde. Er hatte Erfolg. Er bekam 1931 in Schwerin eine eigene Ausstellung und fuhr nach Hamburg, Bremen und Kiel. Dort hielt er Lichtbildervorträge, mit denen er als sympathischer Botschafter Mecklenburgs seine Heimat mit künstlerisch und technisch hochwertigen Fotografien präsentierte. Ob Seeleute oder Fischer, Handwerker oder Pastoren, Bauern oder Gutsbesitzer, Karl Eschenburg porträtierte die Menschen Mecklenburgs auf seine Weise, mit liebevollem und zugleich nüchternem Blick. Der junge Mann mit Schlips und Lederjacke fuhr mit seinem kleinen Auto der Marke Hanomag quer durchs Land und entdeckte die raue Schönheit des Nordens - der Strände und der Fischerboote, der Werkstätten und Werften, der Häfen und Höfe, der Äcker, Wiesen und Wälder.

Ab 1932 wurde Karl Eschenburg Fotoreporter der auflagenstarken Zeitung Rostocker Anzeiger. Carl Boldt, der Verleger, veröffentlichte in der Sonntagsbeilage seiner Zeitung viele Schwarz-Weiß-Aufnahmen des "ungelernten" Fotografen. In München entstand ein Buch mit Aufnahmen des Warnemünders, in Berlin gab es eine viel beachtete Fotoausstellung. Karl Eschenburg stand im Kontakt mit Richard Wossidlo und dem Rostocker Maler Egon Tschirch. Seine Aufnahmen wurden schließlich zu einer Methode der volkskundlichen und kulturgeschichtlichen Dokumentation.

Mit dem Machtantritt der Nazis wurde der Unternehmer Carl Boldt aus seinem Verlag gedrängt. Seine Redakteure aber sorgten weiterhin dafür, dass Aufnahmen und Bildartikel der Eheleute Eschenburg abgedruckt wurden. Der Vereinnahmung durch die Blut-und-Boden-Ideologie der neuen Machthaber konnte sich Karl Eschenburg allerdings nicht entziehen und so 1934 die Eröffnung einer Fotoausstellung durch Gauleiter Hildebrandt nicht verhindern. Am 28. August 1939 wurde Karl Eschenburg eingezogen, seine fotografische Ausrüstung beschlagnahmt. Er trat bei der Marine-Propaganda-Kompanie-Ostsee in Kiel seinen Dienst an. Aus dem Krieg kehrte er 1945 gebrochen und unheilbar krank nach Warnemünde zurück. Die Wiedereröffnung seines Geschäftes erlebte er nicht mehr. Er starb bereits 1947.

Karl Eschenburg hat das Land Mecklenburg der 20er- und 30er-Jahre in seinen Bildern festgehalten. Seine Fotografien gehören seitdem zur regionalen Kulturgeschichte.

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