Prozess Rostock : Entflohener Häftling muss ein Jahr hinter Gitter

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Foto: Stefan Tretropp

Die Flucht des verurteilten Gewalttäters bei einem Klinikbesuch hatte eine großangelegte Fahndung und eine Sicherheitsdebatte ausgelöst. Nach seiner Festnahme in Berlin musste sich der 49-Jährige sich jetzt vor Gericht verantworten, weil er Pfleger bedroht hatte.

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09. Juni 2015, 12:21 Uhr

Für seine spektakuläre Flucht während eines Klinikaufenthalts in Rostock ist ein 49-jähriger Straftäter zu einem Jahr Haft verurteilt worden. Das Amtsgericht Rostock sah es am Dienstag als erwiesen an, dass der Insasse der forensischen Klinik am 9. März seine beiden Begleiter mit einer Schere bedrohte und sie mit einer Fußfessel an die Heizung kettete. Zusätzlich knebelte er sie.

Sie konnten sich jedoch schnell befreien und die Polizei alarmieren.

Der 19 mal vorbestrafte Mann war nach knapp zwei Wochen Flucht in Berlin festgenommen worden. Die einjährige Haft kommt noch zu der achtjährigen Haftstrafe hinzu, die er unter anderem wegen schwerer räuberischer Erpressung zu verbüßen hat. Vorläufiges Haftende ist nun November 2021. Im Laufe des Prozesses entschuldigte sich der 49-Jährige bei beiden Pflegern. Er musste die ganze Zeit im Gericht Hand- und Fußfesseln tragen.

Der Mann war am frühen Morgen in die Klinik gebracht worden, um sich einer ambulanten Operation zu unterziehen. Dort musste er auf die Toilette, dabei wurden ihm die Handfesseln abgenommen, die Fußfesseln behielt er an. Wie die Pfleger schilderten, kam er mit einer Schere in der Hand heraus und habe geschrien: „Hinknien oder ich stech' Euch ab.“ Der Versuch eines Pflegers, ihm die Schere zu entreißen, scheiterte. Bei der Fesselung an der Heizung blieb der Schlüssel in der Fußfessel stecken und die Pfleger waren nach weniger als einer Minute wieder frei.

Der Angeklagte räumte die Vorwürfe im wesentlichen ein. In einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung gab er jedoch an, dass der Gegenstand, den er in Hand hielt und mit dem er die Pfleger bedrohte, keine Schere war. Es habe sich vielmehr um gefaltete Alufolie gehandelt. Dem schenkte der Richter aber keinen Glauben. Allerdings konnte es im Laufe des Prozesses nicht geklärt werden, wie der Mann in den Besitz der Schere kam.

Die Polizei hatte mit einem Großaufgebot nach dem als gefährlich geltenden Mann gefahndet. An der Suche waren mehr als 360 Beamte von Schutz- und Kriminalpolizei beteiligt. Nach knapp zwei Wochen konnte er vor einer Obdachlosenunterkunft in Berlin festgenommen werden.

Bis zu seiner Flucht war er im sogenannten Maßregelvollzug in der forensischen Fachklinik Rostock-Gehlsdorf. Dort werden schuldunfähige oder vermindert schuldfähige Straftäter mit schweren psychischen Störungen oder Suchtkrankheiten behandelt. Ein möglicher Fluchtgrund war nach Worten des Richters, dass er die Bedingungen unerträglich fand. Inzwischen ist er wieder in der Justizvollzugsanstalt Bützow.

Nach der Flucht hatte Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) eine grundlegende Überprüfung des Sicherheitsmanagements und schärfere Sicherheitsmaßnahmen in allen drei forensischen Kliniken des Landes angeordnet. Eine der neuen Regelungen ist, dass Risikopatienten nun grundsätzlich von drei Pflegern begleitet werden müssen.

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