Energiewende bringt Rostock voran

<strong>Im Querschnitt: </strong>Mit diesen Kabeln, die 120 Kilogramm je Meter wiegen, schließt Lorenz Müller die Offshore-Windparks an das Landstromnetz an. <fotos>Torben Hinz</fotos>
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Im Querschnitt: Mit diesen Kabeln, die 120 Kilogramm je Meter wiegen, schließt Lorenz Müller die Offshore-Windparks an das Landstromnetz an. Torben Hinz

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01. Juni 2012, 12:25 Uhr

Rostock | Boombranche Offshore-Windkraft: Bis 2030 werden nach Expertenmeinung rund 100 Milliarden Euro in die Stromerzeugung auf hoher See fließen. Und schon in acht Jahren könnten rund 20 000 Menschen in dem Wachstumsmarkt Arbeit finden. Wie Rostock und MV sich ihren Teil vom Kuchen sichern können, diskutieren noch bis heute 260 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft bei der Konferenz Wind und Maritim in der Hanse Messe Schmarl.

"Offshore-Windparks sind dabei nur ein Feld, da kommt in den nächsten Jahren noch mehr", sagt Michael vom Baur vom Arbeitskreis Maritime Wirtschaft der Industrie- und Handelskammern in MV. Potenzial sieht er vor allem beim Abbau seltener Erden und Metalle am Meeresgrund, bei der Öl- und Gasförderung sowie deren Transport und im Bau von Strömungs-, Wellen- und Gezeitenkraftwerken. "Da ist immer dasselbe Basis-Know-how gefordert", sagt er. Profitieren könnten unter anderem Nordic Yards in Warnemünde oder die P+S Werften in Stralsund.

Werften liefern Spezialschiffe

Derzeit allerdings konzentrieren die Unternehmen sich vor allem auf die Offshore-Windkraft. Die Parks Baltic I in der Ost- und Alpha Ventus in der Nordsee sind bereits in Betrieb, weitere sollen folgen. Damit sind riesige wirtschaftliche Chancen für Hafenstädte wie Rostock verbunden: Werften können Spezialschiffe und Umrichterplattformen bauen, andere Firmen Montage und Wartung der gigantischen Windmühlen übernehmen. Aber: "Beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie, das die Genehmigungen erteilt, gibt es derzeit einen Antragsstau von zweieinhalb Jahren für Windparks", sagt Andree Iffländer, Vorsitzender des Wind Energy Networks. Grund seien fehlende Stellungnahmen des Bundesamts für Naturschutz in Bezug auf Biotop- und Artenschutz. Dabei seien verlässliche Rahmenbedingungen extrem wichtig für die Investoren, so Iffländer. Verlorene Zeit könne kaum wiedergutgemacht werden.

So sei bereits absehbar, dass das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel verfehlt werde, bis 2020 zehn Gigawatt aus Offshore-Windkraft zu beziehen. Von der angestrebten Energiewende bis 2050 abrücken will die Regierung deswegen aber nicht. "Ganz ohne konventionelle Kraftwerke wird es trotzdem nicht gehen", sagt vom Baur. Auch wenn der Wind nicht wehe und die Sonne sich hinter Wolken verberge, müsse die Versorgung sichergestellt sein.

Ein weiteres Problem ist der Anschluss der Windparks an das Landstromnetz und der anschließende Weitertransport. "Die Netze sind Nadelöhr und zugleich Schlüssel der Energiewende", sagt Lorenz Müller, Leiter Offshore der 50 Hertz Transmission GmbH. Das Unternehmen baut und betreibt Stromleitungen in Nord- und Ostdeutschland. "Im Bereich Offshore sind wir noch in der Pilotphase", sagt Müller.

Seine Firma habe bei der Verlegung der Seekabel unter anderem mit der Witterung, dem schwierigen Baugrund und den langen Wegen zur Baustelle zu kämpfen. "Das sind ganz andere Voraussetzungen als an Land", so Müller. Dort allerdings gehen die Probleme weiter - es fehlen Überlandleitungen von der Küste zu den Wirtschaftszentren in West- und Süddeutschland. Der am Dienstag in Berlin vorgestellte Netzentwicklungsplan der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber soll dies ändern. Bis zum 10. Juli läuft das Konsultationsverfahren, anschließend wird die Umsetzung in Angriff genommen. Dafür sollen dann aber alle zahlen, fordert vom Baur: "Im Augenblick bleibt ein Großteil der Übertragungsgebühren bei den Stromabnehmern im Land hängen."

Das Wind Energy Network

Im Wind Energy Network (WEN) haben sich fast 100 Unternehmen aus der Windenergie-Branche zusammengeschlossen. „2009 waren es noch rund 20 Mitglieder“, sagt der Vorsitzende Andree Iffländer. Die Firmen und Institute kommen aus allen Bereichen der Off- und Onshore-Wertschöpfungskette in Mecklenburg-Vorpommern. Was sie eint, ist das Interesse an aktiver Lobbyarbeit, Vernetzung, Bündelung von Informationen und Know-how. Außerdem präsentieren sie sich als Netzwerk auf Messen und Veranstaltungen. „Wir sind mit unseren Projekten und Angeboten mittlerweile bundesweit aktiv“, sagt Iffländer. Er will die Rostocker Zukunftskonferenz Wind und Maritim zum bedeutendsten Treffpunkt aller Akteure und Entscheidungsträger der Branche im Ostseeraum ausbauen.

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