Endlich wieder Barlach in Rostock

Gips, Bronze und Kohle: Dr. Steffen Stuth betont die Vielfalt der Materialien in Ernst Barlachs künstlerischem Schaffen. Die Ausstellung soll diese abbilden. Foto: Geos
Gips, Bronze und Kohle: Dr. Steffen Stuth betont die Vielfalt der Materialien in Ernst Barlachs künstlerischem Schaffen. Die Ausstellung soll diese abbilden. Foto: Geos

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14. März 2013, 09:48 Uhr

Stadtmitte | Mit einer Sonderausstellung kehrt Ernst Barlach nach Rostock zurück. Endlich, wie Dr. Steffen Stuth, Leiter des Kulturhistorischen Museums, findet: "Es war wieder an der Zeit und für uns ein großes Bedürfnis." Heute um 17 Uhr wird die Schau mit dem griffigen Titel "Ernst Barlach. Skulptur und Zeichnung" eröffnet. Sie ist bis zum 26. Mai im Kloster zum Heiligen Kreuz zu sehen. Begleitet wird sie durch ein vielfältiges Programm aus Rundgängen, Vorträgen und Filmvorführungen.

Eigene Stücke und Leihgaben aus Güstrow

Das Konzept der Ausstellung ist es, das bildhauerische Hauptschaffen Barlachs mit seinen Zeichnungen in einen Dialog zu bringen. Denn, wie Stuth berichtet, die Handzeichnungen waren für Barlach nicht bloß Skizzen für seine Plastiken. "Er hat sie als eigene Kunstform verstanden", so der Historiker. Pünktlich zum 75. Todestag Barlachs sind nun also 14 seiner Handzeichnungen und 21 seiner Plastiken zu sehen - wobei letztere sowohl als Gipsentwürfe als auch als fertige Bronzen und Terracotten zu erleben sind. "Wir wollen die Breite der Materialität Barlachs zeigen", so Stuth. Nur eine Plastik stammt von einem anderen Künstler: die Totenmaske von Ernst Barlach, die seine Lebensgefährtin Marga Böhmer anfertigte.

Die Werke in der Ausstellung stammen zum Teil aus der Sammlung des Kulturhistorischen Museums. Ein anderer Teil sind Leihgaben der Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow, so beispielsweise der Kopf der bekannten Plastik "Schwebender", deren Abguss im Güstrower Dom hängt. Gleich daneben findet sich in der Ausstellung ein Hauptentwurf zur Figur, entstanden 1926. "Es sind zum Teil Zeichnungen, die nur sehr selten das Depot der Güstrower Stiftung verlassen", erklärt Stuth. Dank der jahrelangen freundschaftlichen Zusammenarbeit beider Institutionen habe die Stiftung einer Leihgabe im Jubiläumsjahr aber zugestimmt.

Auch wenn Barlach den größten Teil seiner schöpferischen Jahre in Güstrow verbracht hat, gibt es durchaus Verbindungen zu Rostock, wie Stuth zu berichten weiß. So hat das Kulturhistorische Museum 1930 die Figurengruppe "Schlafende Vagabunden" noch bei Barlach selbst erworben. "Im Werkverzeichnis ist diese Plastik als ,Schlafende Bauern’ aufgeführt", so der Museumsleiter. "Barlach selbst nannte sie auf der Rechnung, die er dem Museum ausstellte, aber ,Vagabunden’. Wir halten es darum mit dem Künstler", erklärt Stuth weiter. Das Kunstwerk hat auch die Nazi-Aktion Entartete Kunst überstanden, dem eine ganze Reihe der Schätze im Rostocker Museum zum Opfer fielen. Außerdem starb Barlach in einer Rostocker Privatklinik. Die Verbindung hält danach aber an: 1945 wurde das Kulturhistorische Museum mit einer Werkausstellung wiedereröffnet. "Es war wahrscheinlich das erste Museum, das Barlach nach dem Krieg wieder gezeigt hat", so Stuth. Letztmals gab es 1988 eine Schau zu Ehren des Expressionisten. "Es wurde wirklich Zeit", so Stuth.

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