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24. November 2017 | 21:34 Uhr

Endlich Aufatmen in Kuhbier

vom

svz.de von
erstellt am 04.Nov.2013 | 07:49 Uhr

Kuhbier | Zwanzig Jahre Warten und Proteste haben ein Ende: Gestern wurde die Ortsumgehung Kuhbier der B 189 für den Verkehr frei gegeben. Sechs Wochen vor Terminablauf hat die Firma Bunte das Projekt wie versprochen fertig gestellt.

"Ich bin zum fünften Mal in Kuhbier. Das gab es wohl noch nie, dass ein Staatssekretär so oft wegen eines Verkehrsprojektes an einem Ort war", sagt Jan Mücke als Vertreter des Bundesverkehrsministeriums. 15 Millionen Euro kostet der etwa drei Kilometer lange Bauabschnitt, in den drei Brückenbauwerke eingebunden sind. Einer der Zufriedensten ist wohl Ortsvorsteher Kurt Essel, der viele Jahre mit Unterschriftensammlungen, Demonstrationen und Straßenblockaden für die Ortsumgehung gekämpft hat.

"Ich bin so glücklich", sagt eine Frau im Dorfgemeinschaftshaus in Kuhbier nach der Übergabe bei starkem Wind und Novemberregen. "Wir sanieren gerade ein Fachwerkhaus direkt an der Straße. Ich bin froh, endlich mal nachts das Fenster öffnen zu können und trotzdem den Fernseher zu verstehen. Ich hoffe, dass es keine weiteren Schäden am Haus gibt und wir endlich ruhig schlafen können".

Eine andere Anwohnerin sieht vor allem ein Plus an Sicherheit: "Unsere Kinder stehen morgens am Schulbus und da donnern die Lkw in einem Abstand von einem Meter an ihnen vorbei. Das war schon sehr gefährlich. Ich bin froh, das dass nun vorbei ist".

"Die B 189 begleitet mich seitdem ich Landrat in der Prignitz bin und ich bin froh, dass wir ein gutes Stück weiter gekommen sind und auch in Groß Pankow wird gebaut, so dass ich zuversichtlich bin, dass das Thema B 189 bald erledigt sein dürfte", sagt Landrat Hans Lange.

Jan Mücke unterstrich bei der Verkehrsfreigabe die Bedeutung der B 189 als Spange zwischen A 14 und A 24 und verwies noch einmal auf den Funktionsbauvertrag, mit dem hier in Kuhbier erstmals in Brandenburg gearbeitet wurde. Dieser beinhaltet für die Firma Bunte eine Gewährleistungs- und Unterhaltungspflicht für die Straße von 30 Jahren. "Damit wollen wir dafür sorgen, dass die Straße für lange Zeit gute Dienste leistet und in einer guten Qualität erhalten wird", so der Staatssekretär. Die Neuartigkeit des Vertrages war die Hauptursache, für die letzten Verzögerungen des Baustarts.

"Die heutige Freigabe zeigt, dass das Bohren dicker Bretter zwar lange braucht, am Ende aber doch zum Erfolg führt". Mit diesen Worten kommentiert der FDP-Landesvorsitzende Gregor Beyer die Fertigstellung. Die FDP hatte den Bau mit Nachdruck im Landtag gefordert.

Für die Einwohner von Kuhbier bedeutet der Neubau aber auch, dass sie nicht länger an die B 189 angebunden sind. Für sie führt der Weg nur noch über die alte B 189 - jetzt eine Kreisstraße - nach Groß Pankow oder nach Pritzwalk. Erst dort können sie auf die neue Straße auffahren. Damit wird es nicht nur ruhig, sondern bald still werden in Kuhbier. Traurig scheint darüber niemand zu sein.

WAS BISHER GESCHAH:

1993: Die Kuhbierer beginnen zu kämpfen, fordern eine Ortsumgehung.
August 2007: Der damalige Verkehrsminister Reinhold Dellmann sagt den Bau der Umgehung zu. Baustart sollte Ende 2009 sein.
März 2009: Kuhbiers Einwohner erwägen einen Wahlboykott, weil Dellmann sein Versprechen nicht gehalten hat.
September 2009: Das Planfeststellungsverfahren läuft.
28. Oktober 2009: Aus Protest sperren Kuhbierer die Ortsdurchfahrt, es bildet sich ein Stau. Zählungen ergaben, dass 600 Lkw und 480 Pkw pro Tag durchs Dorf rollen.
September 2010: Das Verkehrsministerium kündigt einen Baustart für 2011 an.
Dezember 2010: Das Ministerium räumt ein, dass Geld für den Bau fehlt, geht dennoch von einem Baustart im Frühjahr 2011 aus.
Februar 2011: Doch kein Baubeginn im Frühjahr. Er wird um ein Jahr auf Frühjahr 2012 verschoben. Grund laut Ministerium sei das neue Modell des Funktionsbauvertrages, mit dessen Vergabe das Land Brandenburg noch keinerlei Erfahrungen habe.
Februar 2012: Alle Befürchtungen bestätigen sich. Der vor einem Jahr angekündigte Baustart kommt wieder nicht. Grund seien weiter Schwierigkeiten mit dem Vertrag, die Finanzierung sei aber gesichert.
15. August 2012: Staatssekretär Jan Mücke (FDP) aus dem Bundesverkehrsministerium kommt nach Kuhbier. Angesprochen von Prignitzer FDP-Politikern setzt er sich seit März 2012 für das Projekt ein, will die Bearbeitung des Funktionsbauvertrages beschleunigen.
11. Oktober 2012: Unter dem Motto „Wir lassen uns nicht länger verarschen!“ sperren die Kuhbierer erneut die Straße.
30. November 2012: Erneute Protest-Straßensperrung, die für erhebliche Verkehrsbehinderungen sorgt.
20. Dezember 2012: Der Bauvertrag für die Ortsumgehung wird unterzeichnet.
15. Januar 2013: Baubeginn

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