Elmenhorster Fruchtsäfte sind pleite

Dunkle Wolken über der Elmenhorster Fruchtsaftgetränke GmbH: Das Unternehmen hat Insolvenz angemeldet. geos
Dunkle Wolken über der Elmenhorster Fruchtsaftgetränke GmbH: Das Unternehmen hat Insolvenz angemeldet. geos

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06. September 2012, 07:59 Uhr

Elmenhorst/Rostock | Die Elmenhorster Fruchtsäfte GmbH ist pleite. Das Unternehmen hat bereits am 30. August einen Antrag beim Amtsgericht Rostock auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Dieses steht allerdings noch aus, erklärt der stellvertretende Direktor des Amtsgerichtes, Klaus Weingartz: "Die Firma hat einen Antrag auf vorläufige Eigenverwaltung gestellt, das heißt, sie bleibt geschäftsfähig." Nun würde die Geschäftsführung jedoch von einem so genannten Sachverwalter überwacht. Ob die 75 Mitarbeiter gekündigt werden, konnte Weingartz gestern noch nicht beantworten. "Das sind wirtschaftliche Entscheidungen des Unternehmens."

Die Nachricht der insolventen Elmenhorster Fruchtsäfte GmbH ereilte gestern auch Umweltminister Till Backhaus (SPD), als dieser gerade mit dem Anpflücken bei der Rostocker Obst GmbH beschäftigt war und damit den Startschuss für die Apfelernte gab.

Investitionen in Millionenhöhe waren geplant

Die Geschäftsführung der Elmenhorster Fruchtsäfte GmbH liegt bei Bernd und Mike Pawlowski, denen auch die Elro-Gruppe gehört. Doch weder Vater noch Sohn wollten sich gestern zur Lage der Firma äußern. Laut Weingartz hätten sie aber ein Sanierungskonzept beim Amtsgericht eingereicht, das zu den Voraussetzungen für die vorläufige Eigenverwaltung gehört. "Der Sachverwalter erstellt ein Gutachten und gibt eine Prognose ab, ob die Sanierungsvorhaben erfolgversprechend sind. Danach entscheiden die zuständigen Richter, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet wird oder nicht", so der Jurist. Einen konkreten Zeitrahmen dafür gebe es bisher noch nicht.

Der Schock über die Finanzlage des Unternehmens und deren Konsequenzen sitzt auch beim Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz tief. Backhaus war erst im Juli innerhalb seiner Sommertour vor Ort. Auf seiner Internetseite preist Backhaus das Unternehmen noch mit dessen Umsatzzahlen, nennt 43,7 Millionen Euro. Aus seinem Ministerium flossen in den Jahren 2009/2010 selbst erhebliche Fördermittel zur Elmenhorster Fruchtsaftgetränke GmbH. Unter anderem für den Bau eines Bio-Tanklagers, einer Bio-Cip-Anlage, einer Bio-Ausmischstation und einer Bio-Warenannahme mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 4,7 Millionen Euro hätte die Firma aus dem Landwirtschaftsministerium 587 500 Euro Zuschuss erhalten, heißt es auf der Webseite des Ministers.

Bürgermeister fühlt mit Arbeitnehmern

"Dass die Situation bei Elmenhorster so akut war, war nicht bekannt", hieß es gestern von Constantin Marquardt, dem persönlichen Referenten von Backhaus. "Der Minister hat umgehend mit der Geschäftsführung Kontakt aufgenommen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Er hofft, dass das Unternehmen und alle Arbeitsplätze erhalten bleiben und die Suche nach einem neuen Investor nach dem Beginn des Insolvenzverfahrens erfolgreich sein wird", so Marquardt weiter.

Mitgefühl mit den betroffenen 75 Arbeitnehmern zeigte gestern auch Horst Harbrecht. Er ist Bürgermeister der Gemeinde, die das Unternehmen lediglich im Namen trägt. "Denn seit den 90er-Jahren ist das nicht unser Territorium, sondern gehört zu Rostock", stellte er klar. Dennoch sei die Gemeinde Elmenhorst/Lichtenhagen-Dorf von der Insolvenz betroffen. "Denn natürlich kommen die Mitarbeiter auch aus unseren Orten. Und für jeden Einzelnen ist das natürlich mehr als eine bittere Nachricht", erklärte der Kommunalpolitiker.

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