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19. Oktober 2017 | 02:13 Uhr

Eisbrecher: Showdown vor Gericht

vom

svz.de von
erstellt am 11.Dez.2012 | 08:41 Uhr

ROstock | Selten ist es so voll in einer Zivilverhandlung gewesen. In einem öffentlichen Eilverfahren hat die dritte Strafkammer am Landgericht Rostock gestern über die Besitzverhältnisse der "Stephan Jantzen" verhandelt. Zahlreiche ehemalige Besatzungsmitglieder des Eisbrechers kamen, zum Erstaunen des Vorsitzenden Richters und seiner Kollegen.

Die Lage ist verzwickt: Der gestern anwesende Beklagte Kai Gunther Lehmann behauptet, von dem New Yorker Paolo Zampolli, Geschäftsführer der King Ice Inc., als Kapitän und Verwerter des Schiffes eingesetzt worden zu sein. Als er für seine Dienste kein Geld bekam, habe er von seinem Pfandrecht Gebrauch gemacht und sich am 17. Oktober ins Schiffsregister eintragen lassen. Allerdings habe Lehmann gar kein Unternehmerpfandrecht, räumte der Vorsitzende Richter ein. Von einem Verkauf an das Green Institute of Polar Environmental Research Inc. habe Lehmann nichts gewusst. Dieses wurde vor Gericht gestern von Rechtsanwalt Lars Niemann vertreten. Das Institut hatte das Schiff am 8. Juni 2009 für einen Dollar von der King Ice Inc. übereignet bekommen. Zampolli tritt auch bei diesem Unternehmen als Vertreter auf. Zuletzt hatte das Green Insitute am 8. November eine einstweilige Verfügung gegen Lehmann erwirkt.

Relativ undurchsichtig beschuldigten sich die Parteien gegenseitig. Dreimal wurde die Verhandlung unterbrochen - damit die Parteien Zeit hatten, Schriftstücke der Gegenseite zu lesen oder gar aufzusetzen. Rechtsanwalt Niemann mangelte es an Informationen. Immer wieder telefonierte er mit Zampolli. "Wenn eine Partei nichts vortragen kann, kann sie nicht vor Gericht gehen", sagte der Vorsitzende Richter.

Aber auch den Vortrag von Lehmanns Anwalt Jörg Horny fand der Richter unzureichend. Die Parteien hätten viele Dokumente über Eigentumsverhältnisse, Anweisungen oder Rechnungen eingereicht, aber deren Richtigkeit sei schwierig zu prüfen - auch weil viele aus Amerika stammen. Auch der Verkauf des Schiffes nach amerikanischem Recht ist noch nicht geprüft.

Immerhin konnten sich die Parteien nach hitzigen Diskussionen auf die Zahlung von 8500 Euro Prozesskostensicherheit vom Kläger einigen. Der hält an der einstweiligen Verfügung fest, Lehmann beantragt deren Aufhebung. Nach wie vor betrachten sich beide als Eigentümer des Schiffes. Ein Sachentscheid soll die Lage am 21. Dezember klären.

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