Meeresforschung : Einwanderer in der Ostsee: Rostocker entdecken neue Schneckenart

Der Beweis: Dr. Wolfgang Wranik zeigt Professorin Inna Sokolova die neu eingeschleppte Schneckenart im Labor.
Der Beweis: Dr. Wolfgang Wranik zeigt Professorin Inna Sokolova die neu eingeschleppte Schneckenart im Labor.

Meeresbiologen finden neue Tiere in der Ostsee

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01. Oktober 2018, 20:30 Uhr

Forscher aus der Hanse- und Universitätsstadt Rostock haben eine neu eingewanderte Schnecken-Art in der Ostsee entdeckt. Dabei handelt es sich um die Kopfschildschnecke. Sie wird bis etwa einen Zentimeter groß und hat einen grün-gelblich, mit zahlreichen dunklen Pigmentflecken versehenen Weichkörper.

Kopfschildschnecke lebt eigentlich an nordarmerikanischer Atlantikküste

In Zusammenarbeit mit der Universität Bergen (Norwegen) wurden DNA-Analysen vorgenommen. Danach handelt es sich um die Kopfschildschnecke „Haminoea solitaria“, deren ursprüngliche Heimat die nordamerikanische Atlantikküste von Kanada bis Florida ist. Wann, wo und wie diese Schnecke in den Küstenbereich der Ostsee gelangte, lasse sich nicht genau beantworten, hieß es von der Universität Rostock.

Während die etwa zwei Zentimeter großen, gallertigen Eigelege der Schnecke am Strand zwischen Wismar und Travemünde im Flachwasser entdeckt werden könnten, sehe man die Tiere selbst kaum, hieß es. Grund: Sie leben eingegraben etwas unter der Oberfläche des Meeresbodens. „Das könnte ein Schutzeffekt sein, da die Tierchen nur ein sehr dünnes, blasenförmiges Gehäuse besitzen“, so der Meeresbiologe Wolfgang Wranik. Er hatte die Kopfschildschnecke bereits vor zwei Jahren bei einem Tauchgang auf der Insel Poel entdeckt.

Foto: Wolfgang Wranik
Foto: Wolfgang Wranik
 

Folgen für heimische Tierwelt noch unbekannt

Eine Besonderheit dieser Art ist ihre intensive Schleimproduktion. Ein schlauchartiger Schleimfilm schiebt sich über den gesamten Körper. Dies unterstützt die Bewegungsmöglichkeit im Boden und schützt die Schnecke vor Verschmutzung mit Sedimentpartikeln. Die Tiere ernähren sich vor allem von Algen. Von Anfang August bis Ende Oktober kommen sie ins Flachwasser, um sich dort zu vermehren. Danach sind sie wieder verschwunden.

Nach bisherigen Erkenntnissen gehen die Rostocker Meeresbiologen davon aus, dass sich die Art zumindest im südwestlichen Teil der Ostsee etablieren konnte. Wie sich die Kopfschildschnecke langfristig in die Küstenöko-Systeme einfügen wird und welche Auswirkungen das auf heimische Arten hat, muss noch erforscht werden.

Den Angaben zufolge wandern jedes Jahr zwei bis drei neue Spezies in der Ostsee ein. Allein in den vergangenen 150 Jahren sind etwa 100 gebietsfremde Arten in der Ostsee zu verzeichnen. Die meisten gelangten durch Schiffe hierher.

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