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20. November 2017 | 14:54 Uhr

Einmal den Fuß ins Eismeer stecken

vom

svz.de von
erstellt am 24.Aug.2012 | 05:59 Uhr

warnemünde | Da steht das Monster nun auf dem Hof in Warnemünde, gewaltig und dafür gerüstet, auch in tiefer Wildnis nicht stecken zu bleiben. Mit diesem alten Bundeswehr-Unimog haben Alexander Prechtel (65) und seine Frau Christiane den amerikanischen Kontinent bereist. "Es war mein Kindertraum, einmal auf der Panamericana zu fahren", erzählt Prechtel. Dabei wollte er auch Gebiete erkunden, wo normale Touristen kaum hinkommen. "Das einzige Fahrzeug, mit dem das geht, ist ein Unimog." So kaufte sich Prechtel solch einen allradgetriebenen, 139 PS starken Kleinlaster, auf dem ein Wohncontainer gesetzt ist.

Mit der Verschiffung des Gefährts von Bremerhaven nach New York begann im Juni 2009 ein Abenteuer, das die Eheleute bewusst in das Zeitfenster legten, "in dem man nicht mehr arbeiten muss, aber noch fit genug ist". Dann war es nur noch eine Frage des Mutes. Die meisten, mit denen Alexander Prechtel vorher über seine Pläne redete, fanden das toll, sagten, sie würden auch gerne - wenn nicht das oder jenes wäre oder sie das nötige Geld hätten. "Dabei ist solch eine Reise nicht teuer, wenn man erst mal unterwegs ist", berichtet Prechtel, der mit seinem Unimog in New York angekommen, gleich für Aufsehen sorgte: "Ich wollte damit unbedingt über die Fifth Avenue fahren."

Danach ging es zu den Niagara-Fällen, und kreuz und quer durch Kanada. Dabei ließ sich das Ehepaar viel Zeit, wollte Natur und Menschen entdecken. "Wir haben Schwarzbären, Wölfe, Silberfüchse und Kojoten gesehen."

Im Grenzgebiet zwischen Kanada und Alaska stießen sie auf Eskimo-Indianer und folgten dem Dalton Highway bis zum Nordmeer. "Einmal den Fuß ins Eismeer stecken."

Am Pazifik entlang führte die Reise nach Kalifornien, wo die Abenteurer mehrere Monate blieben. Weihnachten 2009 verbrachten sie in San Francisco. Sie hatten einen Tipp bekommen, fanden einen Stellplatz mitten in der Stadt, direkt am Wasser gelegen. Und Alexander Prechtel konnte es nicht lassen, mit dem Unimog über die steilste Straße der Welt - die Baldwin Street - zu brettern.

Von Kalifornien ging es schließlich nach Mexiko. Obwohl das Land mit hoher Kriminalität in Verbindung gebracht wird, hatten die Warnemünder keine Angst. "Wir haben immer frei gecampt und nicht ein einziges Mal eine mulmige Situation erlebt", berichtet Prechtel, der neben Englisch gut Spanisch spricht, so auch in Mexiko mit den Menschen ins Gespräch kam. Geholfen hat sicherlich ebenso der große Schriftzug "Alemania" auf dem Unimog, denn Deutsche sind in Mexiko beliebt.

Hohes Ansehen haben Deutsche auch in Belize (früher Britisch-Honduras), wo in den Mennoniten-Kolonien die Nachfahren deutscher Auswanderer leben. Für Alexander Prechtel ist Belize eines der schönsten Länder der Welt. Um von Mittel- nach Südamerika zu kommen, musste der Unimog noch einmal verschifft werden. Denn die etwa 100 Kilometer lange Landbrücke in der Provinz Darién, wo Panama an Kolumbien grenzt, ist unbefahrbar. Durch Zufall lernten die Deutschen eine Agentin kennen, die sich um die nicht einfache Verschiffung kümmerte. In Kolumbien, nach Prechtels Einschätzung heute ein sicheres Land, verbrachten die Eheleute die schönste Zeit ihrer Tour.

Egal, in welchem Land sie gerade weilten, die Wochenmärkte waren stets ein Anziehungspunkt. Nicht nur eingekauft wurde dort, auch das Gespräch mit den Einheimischen gesucht, nach typischen Gerichten gefragt. In Peru sollten sie unbedingt Cui, eine Delikatesse des Landes, probieren. Den Kopf noch dran , lag das Meerschweinchen auf dem Teller. "Das war ein Schock, aber es hat wirklich gut geschmeckt." Es sind Geschichten über Geschichten, die aus Alexander Prechtel heraussprudeln - wie die vom Piranha. Gerade hatte er ihn im Amazonas geangelt, da biss der giftige Fisch zu, doch passiert ist nichts.

An der Südspitze Südamerikas, Feuerland im Blick, endete die Reise auf der Panamericana. 100 000 Kilometer lagen hinter den Prechtels, als sie im April 2012 nach Warnemünde zurückkehrten. Auch wenn sie viele schöne Flecken auf der Welt sahen, das Ostseebad möchten sie nicht missen.

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