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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 01:05 Uhr

Eine völlig neue Sicht

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erstellt am 25.Apr.2013 | 10:16 Uhr

Rostock | Sein Arbeitsplatz ist eine kleine Cessna. In 600 Metern Höhe ist Luftbildfotograf Reimer Wulf damit über Städten und Landschaften unterwegs. Immer zur Hand hat er dabei seine Kamera, mit der er Veränderungen aus der Vogelperspektive dokumentiert. Darüber hinaus erarbeitet er Bücher, Ausstellungen und Serien. "Das sind alles Bestandteile meiner immer währenden Luftbildreise", sagt der 69-Jährige. Für die Norddeutschen Neuesten Nachrichten hat der erfolgreiche Fotograf Rostock von oben in den Blick genommen. Im Gespräch mit NNN-Reporterin Rebekka Poesch erzählt Wulf, was er dabei entdeckt hat. Seine aufschlussreichen Aufnahmen sind in den kommenden Wochen in den NNN zu sehen und können auch erworben werden.

Wann haben Sie Rostock zum ersten Mal von oben fotografiert?

Wenige Jahre nach der Wiedervereinigung. Damals war die ganze Stadt noch grau, das Erscheinungsbild deprimierend. Auch die verheerenden Schäden in der Rostock umgebenden Landschaft waren unübersehbar - die Manövergebiete der Besatzungstruppen.

Seit damals waren Sie mehrfach über der Hansestadt unterwegs. Was hat sich im Laufe der Jahre verändert?

Die Stadt hat größtenteils ihr altes Gesicht zurückerhalten. Vom Verfall bedrohte Häuser wurden gerade noch rechtzeitig gerettet und vorbildlich restauriert. Das gesamte Erscheinungsbild aus 600 Metern Höhe ist ein völlig anderes als noch in den frühen 90er-Jahren: die Dächer neu und oft in roten Ziegeln gedeckt, die Petrikirche wieder mit Turm und erneuerter Stadtmauer, das Einkaufszentrum Doberaner Hof gut in die historische Bebauung integriert. Natürlich gibt es noch unübersehbare Lücken im Stadtbild. Auch fehlt immer noch die historische Bebauung der Nordseite vom Neuen Markt - gerade von oben fällt das schmerzhaft ins Auge. Außerhalb der historischen Stadt sind auch die Neubaugebiete im Norden wie in der Südstadt vorbildlich renoviert worden und entwickeln durchaus ihre eigene Ästhetik. Besonders gelungen ist das IGA-Gelände zwischen Groß Klein und Schmarl.

Für die NNN haben Sie Rostock erneut in den Blick genommen. Was wird auf den Bildern der Serie zu sehen sein?

Mein Favorit ist eine Aufnahme aus größerer Höhe von Osten aus, die die gesamte ehemalige Wallanlage auf einen Blick erkennen lässt. Hinzu kommen klassische Blicke auf die Altstadt aus verschiedenen Richtungen und Höhen, die Kröpeliner-Tor-Vorstadt, Ansichten von der Südstadt bis Warnemünde. Wir zeigen einen schönen Überblick, auch wenn so eine Serie kein Atlas der ganzen Stadt sein kann. Rostock-Fans werden auf jeden Fall ihre Freude daran haben.

Kennen Sie die Städte, die sie fotografieren, nur aus der Vogelperspektive?

Bevor ich meine Aufnahmen für Bücher oder Serien wie jetzt für die NNN mache, erkunde ich die Stadt von unten. Man muss vor dem Flug die wesentlichen Dinge erfasst haben, anders geht es gar nicht. Oben muss dann alles sehr schnell gehen, die Flugkosten sind hoch.

Wie arbeiten Sie in der Luft?

Mein Profipilot und ich arbeiten mit einer kleinen Cessna, weil das Flugzeug leiser ist als etwa ein Hubschrauber. Wir fliegen ja nicht nur einmal kurz über die Stadt hinweg, sondern oftmals muss man das entsprechende Motiv zwei- oder dreimal anfliegen, bevor es richtig im Kasten ist. Mit Artistik hat unser Job allerdings nichts zu tun, es geht immer nur um das Bild selbst, es im Fluge zu gestalten.

Ihre Arbeit ist deutschlandweit gefragt. Was ist das Besondere daran?

Ich arbeite seit Jahren für Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland, für bekannte Architekten, Städteplaner oder die Bundesregierung mit dem Schwerpunkt Architektur und Stadtlandschaft. Neben diesen eher dokumentarischen Aufnahmen entstehen auch freie Arbeiten für Galerien und Museen. Vielleicht liegt der Erfolg daran, eigentlich schon bekannten Dingen eine völlig neue Sicht zu geben.

Sie haben unter anderem die baulichen Veränderungen in Hamburg, Berlin, Schwerin und Dresden dokumentiert. Welche Stadt war für Sie persönlich am reizvollsten?

Als ich 2004 den ersten Rostock-Bildband im Konrad Reich-Verlag gemacht habe, bin ich länger hier gewesen und habe auch die Gegend um Rostock herum kennengelernt. Besonders gefallen hat mir dabei neben Warnemünde das Fischland, wo ich inzwischen auch schon mal meinen Jahresurlaub verbracht habe.

Welche Ziele haben Sie sich für die Zukunft noch gesetzt?

Mein Bestreben ist es, ganz Deutschland zu dokumentieren, wobei der Schwerpunkt auf den ostdeutschen Bundesländern liegt. Diese sind für mich nach wie vor eine Herausforderung, weil sich immer noch vieles verändert und das nicht nur im städtebaulichen Sinne. Wie in der Hauptstadt, sind in fast allen größeren Städten noch viele spannende Projekte in Arbeit, die ich mit der Kamera begleiten möchte. Auch Rostock ist noch längst nicht restlos wiederhergestellt - ich komme wieder!

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