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Wismars Bürgermeister fordert ein stärkeres Bekenntnis des Landkreises : "Eine virtuelle Kreisstadt gibt es nicht"

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Die Hansestadt Wismar ist zur Kreisstadt erkoren worden. Bisher war es die Stadt Grevesmühlen. Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) fordert ein stärkeres Bekenntnis des Landkreises zum neuen Verwaltungszentrum.

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erstellt am 25.Nov.2011 | 10:18 Uhr

Wismar | Mit der Gebietsreform 2011 in MV werden derzeit in den sechs neuen Großkreisen die Verwaltungsstrukturen den veränderten geo-kommunalen Rahmenbedingungen angepasst. Das geht in den Landkreisen nicht reibungslos über die Bühne. In Nordwestmecklenburg ist die einst kreisfreie Hansestadt Wismar zur Kreisstadt erkoren worden. Bisher hatte die Stadt Grevesmühlen diesen Status inne. Thomas Beyer, Bürgermeister von Wismar (SPD), drängt auf ein starkes Bekenntnis des Landkreises zum neuen Verwaltungszentrum. Landrätin Birgit Hesse (SPD) hält sich jedoch noch zurück. Geplant ist, dass sie mit ihrem Stab und der Kernverwaltung nach Wismar zieht. Der größere Teil soll in der Malzfabrik in Grevesmühlen bleiben. Thomas Schwandt sprach mit Beyer (51).

Inwieweit ist die Hansestadt auch in praxi schon Kreisstadt?

Beyer: Wir arbeiten gemeinsam mit dem Landkreis daran, die durch die Kreisgebietsreform definierte Neuordnung umzusetzen. Wichtig ist, dass aus diesem Prozess subjektive Befindlichkeiten herausgehalten werden, die sich aus den bisherigen Verwaltungsstrukturen ableiten.

Worauf kommt es dabei besonders an?

Alle Beteiligten müssen stärker verinnerlichen, dass Wismar jetzt die Kreisstadt ist und dass damit die Hansestadt eine zusätzliche zentrale Funktion übernommen hat. Wismar war in der Region immer ein Zentrum.

Wie soll sich das im Alltag manifestieren?

Kreisstadt darf nicht nur auf dem Ortsschild stehen. Dazu gehört, dass die Landrätin in Wismar ihren Sitz hat und ebenso der größte Teil der Kreisverwaltung. Auch sollte der Kreistag regelmäßig in der Hansestadt tagen. Dies muss das klare Ziel der Neuordnung im Großkreis sein. Eine virtuelle Kreisstadt gibt es nicht.

Was bedeutet die Neuordnung für die Hansestadt, die auf Kreisebene ihre kommunale Autonomie verloren hat?

Einige Ordnungsaufgaben wie Jugend- und Sozialhilfe, Öffentlicher Personennahverkehr und Ausländerbehörde gibt die Stadt an die Kreisverwaltung ab. Auch die Trägerschaft für die Berufsschule, Gymnasien, die Gesamtschule und die allgemeine Förderschule. Das hat zur Folge, dass ca. 150 Mitarbeiter der Stadtverwaltung künftig für den Landkreis arbeiten werden. Die Stadtverwaltung wird prinzipiell kleiner. Dabei ist es jedoch in meinem Interesse, dass ein möglichst großer Teil dieser Mitarbeiter auch weiterhin den Arbeitsplatz in Wismar hat.

Wenn ein großer Teil der Kreisverwaltung in Wismar einzieht, sollte das doch kein Problem sein, oder?

Es zeichnen sich leider Entscheidungen ab, die ich eher kritisch sehe. Beispielsweise halte ich es für problematisch, die Sozialpädagogen des Jugendamtes in Grevesmühlen zu konzentrieren. Besonders auf diesem sensiblen Feld muss es dauerhaft Ansprechpartner vor Ort in Wismar geben. Allerdings hat die Landrätin hier eine Überprüfung bereits zugesagt. Generell darf es zu keiner Schlechterstellung der Bürger Wismars kommen. Verwaltung aus einer Hand und mit kurzen Wegen hat für mich Vorrang.

Müssen sich Hansestadt und Landkreis erst noch zusammenraufen?

Wir sind mit dem Landkreis sehr gut im Gespräch, was auch heißt, dass wir Differenzen sachlich ausräumen. Die Wismarer müssen in diesem Prozess noch mehr Verständnis für die Probleme der Fläche entwickeln. Im Gegenzug dürfen wir erwarten, dass die Hansestadt als Kreisstadt gestärkt wird. Dies umso mehr, da ein starkes Zentrum auch gut für den gesamten Landkreis ist.

Hat sich die Kreisverwaltung von Nordwestmecklenburg schon auf die Suche gemacht nach geeigneten Gebäuden in Wismar?

In der engeren Wahl befindet sich das Katasteramt in der Rostocker Straße. Außerdem beziehen Mitarbeiter bereits die beiden Gebäude des ehemaligen Ordnungsamtes der Stadt in der Dr.-Leber-Straße.

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