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24. November 2017 | 16:15 Uhr

Das Land lädt ein : Eine Sturmflut in den Archiven

vom

Die Dokumentensammlungen im Land laden an diesem Wochenende zur Zeitreise. Zu bewundern sind historische Schätze. Motto: Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen. Diese Archive öffnen am Wochenende ihre Pforten.

svz.de von
erstellt am 02.Mär.2012 | 09:39 Uhr

Schwerin | Ostsee, Dezember 1913: Ein heftiger Sturm peitscht über die Küste. Das Wasser steigt auf fast zwei Meter über normal. In Heiligendamm reißt es ein großes Stück Mauer aus der Wand eines Badehäuschens. Ein Fotograf hält das Bild fest. Fast 100 Jahre später liegt es in einer Akte, die mit Zeitungsartikeln und Telegrammen über das Ereignis gefüllt ist, im Landeshauptarchiv Schwerin. "Das ist eine der dicksten Sturmflutakten überhaupt, die wir haben", sagt der geschäftsführende Leiter des Hauses, Matthias Manke.

Es sind Bilder und Dokumente, die normalerweise nicht öffentlich zu sehen sind. Die große schwere Tür des Landeshauptarchivs ist in der Regel verschlossen. Besucher müssen den Klingelknopf rechts neben ihr drücken und warten, bis das Personal an der Pforte den Summer betätigt. Dann erst können sie in das große Foyer eintreten. Doch am Sonntag wird die Tür offen stehen, sagt Manke.

Wie Hunderte andere Dokumentensammlungen in der ganzen Bundesrepublik öffnet das Haus zum Tag der Archive seine Pforten für Interessierte. Das Motto lautet in diesem Jahr: "Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen". Dafür haben die Mitarbeiter des Landeshauptarchivs Dokumente von der Sturmflut 1913, von Seuchen und von Bränden aus dem Magazin des Hauses geholt.

Darunter ist auch ein kunstvoller Kupferstich, der den Einschlag eines Blitzes in den Turm der ehemaligen Rostocker St. Jakobikirche im Jahr 1768 zeigt. Dies sei ein Ereignis gewesen, das große Angst in der Bevölkerung hervorgerufen habe, erzählt Manke. "Wenn ein Blitz auch in die Kirche einschlug, dann konnte das im doppelten Sinne furchteinflößend gewirkt haben", erläutert er.

Ins Leben gerufen wurde der Tag der Archive 2001 vom Verband der deutschen Archivare (VdA), sagt VdA-Geschäftsführer Thilo Bauer.

Archive würden oft zu Unrecht mit verstaubten Kellern in Verbindung gebracht, sagt Bauer. "Es gibt sehr modern ausgestattete, funktionale Archive", erläutert er. Der VdA wolle zeigen, dass die Häuser für die Bürger Dienstleistungsbetriebe seien, in denen das "Gedächtnis der Gesellschaft" lagere.

Für das diesjährige Motto habe sich der Verband entschieden, weil fast jedes Archiv - gleich welcher Ausrichtung - Dokumente von Katastrophen aufbewahre, sagt Bauer. "Die Geschichte unserer Gesellschaft ist durchzogen von Katastrophen", sagt er.

Bundesweit wollen Bauer zufolge etwa 350 Archive am Wochenende ihre Türen für Besucher öffnen. In Mecklenburg-Vorpommern haben sich dafür neun Archive beim VdA registriert. Dazu zählen neben dem Landeshauptarchiv auch das Landeskirchliche Archiv Schwerin, die Außenstellen des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen (BStU) in Görslow und Waldeck-Dummerstorf und die Stadtarchive von Schwerin, Rostock, Stralsund, Greifswald und Bad Doberan. Auch das Landesfilmarchiv in Wismar öffnet am Samstag seine Türen. Hier lagern historische Schätze. Darunter sind wiederentdeckte Filme, die den ungeschnittenen DDR-Alltag zeigen.

Selbst werden Besucher jedoch wohl nicht in den Archiven stöbern können. "Das Archiv lebt von einer Ordnung. Und natürlich sind dort auch sehr wertvolle Dokumente untergebracht, die man auch als Archivar nur mit weißen Handschuhen anfassen kann", schildert Bauer. Aber in vielen Häusern werde es Führungen durch die Magazine geben. "Da kommt man relativ nah an die Archivalien ran."


Zehn Archive öffnen

Mindestens zehn Archive öffnen am Wochenende ihre Pforten für Interessierte.

Heute:
- das Stadtarchiv Greifswald (10 Uhr)
- das Archiv der Hansestadt Rostock (10 Uhr)
- das Stadtarchiv Stralsund (10 Uhr)
- das Stadtarchiv Bad Doberan (14 Uhr)
- das Landesfilmarchiv in Wismar (11 Uhr)
Am Sonntag:
- das Stadtarchiv Schwerin (10 Uhr)
- das Landeshauptarchiv Schwerin (10 Uhr)
- die Außenstelle Schwerin des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen in Görslow (10.Uhr)
- die Außenstelle Rostock des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen in Waldeck-Dummerstorf (10 Uhr)
- das Landeskirchliche Archiv Schwerin (11 Uhr)

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