"Eine schöne kleine Oper fürs Volk"

Lieben sich: Witwe Hanna Glawari (Anna Molina) und Graf Danilo Danilowitsch (James J. Kee).Dorit Gätjen
Lieben sich: Witwe Hanna Glawari (Anna Molina) und Graf Danilo Danilowitsch (James J. Kee).Dorit Gätjen

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11. November 2010, 07:39 Uhr

Rostock | Für Regisseur Mirko Bott ist sie die schönste Operette überhaupt: "Die lustige Witwe" von Franz Lehár, die ab morgen, 13. November, im Großen Haus des Rostocker Volkstheaters zu sehen ist. "Es ist ein rundes, ein zeitloses Stück mit Saft und Kraft", sagt der Hamburger, der als Programmchef am Schmidt Theater und Schmitz Tivoli auf der Reeperbahn tätig ist. Grund: Es geht darin um Liebe, Stolz, Geld und um zwei Paare, die in komplexen amourösen Verwicklungen stecken. "Sie wissen nicht, was sie voneinander wollen und wie sie zusammenkommen können", sagt Bott. Es sei eine Herausforderung gewesen, die erotische, emotionale Spannung zwischen ihnen auf die Bühne zu transportieren.

Humor an heutige Sehgewohnheiten angepasst

Die in Paris lebende Witwe Hanna Glawari (Anna Molina) und der Graf Danilo Danilowitsch (James J. Kee) waren bereits vor Jahren ein Paar, durften aber nicht heiraten, weil sie seiner Familie nicht fein genug war. Mittlerweile ist sie durch die Heirat mit einem Bankier, der aufgrund seines Alters in der Hochzeitsnacht starb, reich geworden. Um ihr Vermögen ins Land zu holen, plant Baron Mirko Zeta (Franz Mewis), der Botschafter des bankrotten Fürstentums Pontevedro in Paris, die "lustige Witwe" nun mit seinem Sekretär Danilo zu verkuppeln. Doch der zögert, weil er nicht den Anschein erwecken möchte, er begehre Hanna nur wegen ihres Geldes. Der Botschafter selbst ist mit einer wesentlich jüngeren Frau, Valencienne (Lisa Mostin), verheiratet, die ihn mit ihrem jungen Liebhaber, dem Franzosen Camille de Rossilon (Andreas Früh), betrügt. Doch Zeta bleibt ahnungslos.

"Viele Regisseure fühlen sich vom Originaltext unterfordert", sagt Bott. Und ließen deshalb bei der Aufführung von "Die lustige Witwe", die vor Beginn des Ersten Weltkriegs spielt, Panzer über die Bühne rollen oder den Tod mittanzen. Von solchen politischen Konzepten hält der Regisseur allerdings nichts. "Sie funktionieren nicht." Stattdessen setzt er darauf, die Leute mit einer klassischen Inszenierung zu unterhalten. Das Stück sei "eine schöne kleine Oper fürs Volk", sagt der Hamburger. Im Großen und Ganzen habe er es belassen, wie es ist. "Denn das ist gut genug." Lediglich den Humor, der aus Kaiserzeiten stamme, holte er ins Hier und Jetzt - und passte ihn an die heutigen komödiantischen Sehgewohnheiten an. Außerdem wertete er die Figur des Botschaftsdieners Njegus auf, der von dem ehemaligen "Gute Zeiten, schlechte Zeiten"-Schauspieler Nik Breidenbach gespielt wird. "Auf sehr heitere Weise mischt er sich in alles ein, was ihn nichts angeht", sagt Bott.

Bühnenbild im Art-Déco-Stil gestaltet

Nicht nur schauspielerisch, sondern auch musikalisch geht die Aufführung in die Vollen. Der Regisseur schwärmt von den "Geigen, die einen in den Himmel tragen" und von den "hinreißend schönen Melodien". Beispiele sind: der Weibermarsch, das Grisettenlied und das Duett "Lippen schweigen, s flüstern Geigen". Eine für Operetten typische Unterteilung in Hauptpaar und lustiges Paar gebe es bei "Die lustige Witwe" nicht. "Beide laufen parallel", sagt Bott. Genauso wie der Rest der Inszenierung ist auch das Bühnenbild klassisch - im Art-Déco-Stil. Der 1. Akt spielt in einer großen, in Grüntönen gehaltenen Halle, dem Salon des pontevedrinischen Gesandtschaftspalais in Paris. Im 2. Akt verwandelt sich die Bühne dann in den Garten von Hannas Palais - "dick, schön und ein bisschen kitschig", wie Bott sagt. Der Übergang zum 3. Akt ist schließlich fließend, er spielt im Nachtlokal "Maxim" im Palais der Witwe.

"Wir haben uns sehr viel Mühe gegeben", sagt Manuela Schröder, die gemeinsam mit ihrem Mann Ulrich für die Ausstattung zuständig war. Ein Besuch von "Die lustige Witwe" im Rostocker Volkstheater ist die letzte Gelegenheit, ein Bühnenbild des Mannes zu sehen, der durch seine Arbeiten für Fernsehserien wie "Diese Drombuschs", "Die Schwarzwaldklinik" oder "Die Sesamstraße" berühmt wurde. Denn der Ausstatter starb im August. "Wir haben nicht nur einen wunderbaren, leidenschaftlichen Bühnenbildner, sondern auch einen Menschen mit einem großen Herzen und sehr viel Liebe verloren", sagt Bott. Premiere: am 13. November um 19.30 Uhr im Großen Haus; weitere Vorstellungen: am 18. November um 15 Uhr, am 25. November um 19.30 Uhr, am 17. Dezember um 19.30 Uhr und am 25. Dezember um 19.30 Uhr im Großen Haus

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