Oper : Eine neue Ära hat begonnen

Gefeiert und umjubelt wurden Miljenko Turk als Don Giovanni (M.) und Maciej Idziorek als Leporello bei der Premierenaufführung der Oper.
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Gefeiert und umjubelt wurden Miljenko Turk als Don Giovanni (M.) und Maciej Idziorek als Leporello bei der Premierenaufführung der Oper.

Stimmgewaltige Solisten und kontrastreiche Musik: Das Rostocker Volkstheater interpretiert Mozarts „Don Giovanni“ und erntet dafür tosenden Beifall.

Was war das für ein Jubel am Sonnabendabend, der immer wieder hochfuhr aus dem stürmischen Applaus. Gerade war die Premiere der Mozart-Oper „Don Giovanni“ im Großen Haus des Volkstheaters zu Ende gegangen, doch nach reichlich drei Stunden fieberhafter Spannung und Beifallsausbrüchen nach fast jeder Nummer war von Müdigkeit im Publikum nichts zu spüren. Wieder und wieder wurden die Darsteller auf die Bühne gerufen. Damit hat, so scheint es, eine ganz neue Ära im Rostocker Musiktheater begonnen.

Der noch junge Regisseur Lars Franke, 1978 in Zwickau geboren, erzählt die Geschichte des Frauenverführers Don Giovanni, der alle beglücken will, aber keine glücklich macht, in der heutigen Zeit, mit Charakteren und Situationen, die uns vertraut sind. Und dies in atemberaubendem Tempo, das einen gefangen nimmt und bis zum Ende nicht loslässt. Das Bühnenbild von Julian Göthe läuft zwischen hohen Wänden nach hinten spitz zu, ist Stadtkulisse ebenso wie Ballsaal, birgt Hochzeitsbett und Grabmal. Die offene Spitze speit die Protagonisten auf die Spielfläche und saugt sie wie ein Trichter wieder weg. Durch Türen und Fenster in den Wänden greifen sie unten, oben in das Geschehen wieder ein: Es ist ein Wirbel, eine Vitalität, in der sich das ruhelose Wesen des Giovanni spiegelt. Bis zur Entäußerung treibt der seine verruchte Hingabe an alles Weibliche. Bis an die Grenzen von Freiheitsdrang, Verzweiflung, Liebessucht und Rachedurst treibt der Regisseur seine Figuren. Das muss im Schlund der Hölle enden. Da ist eine Stringenz von ungeheurer Wucht inszeniert.

Dazu liefert die Norddeutsche Philharmonie unter dem Gastdirigenten David Parry eine großartige musikalische Basis. Parry geht ganz auf die Art der Inszenierung ein, legt in Ensembles rasante Tempi vor, treibt Affekte, Kontraste bis an die Grenzen des Möglichen. Er bringt das Orchester zu plastischer Präsenz, zu prägnantem, aber durchsichtigem Klang, der die Stimmen nie zudeckt. Dabei begleitet er die wunderbar parlierenden, lebendigen, ja leichtfüßigen Rezitative selbst am Hammerklavier. Eine erstaunliche Doppelfunktion, die absolut bruchlos zwischen Tasten und Taktstock wechselt. Das Solistenensemble ist hinreißend. Ihr Zusammenspiel ist perfekt verzahnt. Es sind durchweg schöne Stimmen mit reicher Dynamik und faszinierender Gestaltungskraft. Der kroatische Bariton Miljenko Turk in der Titelpartie und der Pole Maciej Idziorek als Leporello sind ein frappierendes Duo. Die junge Russin Gulnara Shafigullina kann als Donna Anna zarteste Höhen zaubern, ihr furioses Gegenstück ist die Mezzosopranistin Jasmin Etezadzadeh als Donna Elvira. Hell und leichtgängig als Zerlina: Theresa Grabner. Dazu Carsten Sabrowski als Komtur, Bernhard Hansky als Masetto und Garrie Davislim als Ottavio. Der Opernchor, einstudiert von Stefan Bilz, hat hier mehr zu spielen als zu singen.

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