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25 Jahre Seemannsmission in Rostock : Eine Insel für Schiffsleute

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Sie bringen Mobilfunkkarten und aufmunternde Worte an Bord. Sie hören zu und bieten Stadtrundfahrten an. Vor allem aber sind die 20 Mitarbeiter der Seemannsmission Rostock seit einem Vierteljahrhundert im Rostocker Überseehafen Anker für Schiffsleute aus aller Welt.

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erstellt am 29.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Wer zum kleinen Buddha will, muss am grünen Billardtisch vorbei. Die kleine Statue der indischen Religion steht im Hinterraum des Seemannsclub „Hollfast“, dem Gebetszimmer. Neben ihr hängt an der Wand eine Ikone, bedeutsam für orthodoxe Christen.

Ihr gegenüber steht ein Chanukka-Leuchter, Symbol im Judentum und zwei Schritte weiter liegt auf dem Boden ein Gebetsteppich, der gen Mekka gerichtet ist. So wird die Baracke im Rostocker Überseehafen nicht nur sozialer Treffpunkt für Seefahrer aus aller Welt, sondern gelebte Interreligiösität - auf nicht einmal 15 Quadratmetern.„Wir gucken nicht nach dem Gesangsbuch“, sagt Seemannsdiakon Folkert Janssen, „wir laden alle Seeleute zu uns ein und wir tun dies aus einer bestimmten Motivation heraus - der christlichen!“ Janssen ist Stationsleiter der Rostocker Seemannsmission und genauso lange in seinem Amt, wie es die Seelsorge-Station hier gibt: seit 25 Jahren.

Damals war er mit viel Tatendrang und Improvisationstalent und Tatendrang aus Brunsbüttel in den ostdeutschen Norden gekommen. Denn am 31. Januar 1991 hatten die Rostocker Pastoren Rolf Grund und Peter Wittenburg auf Anstoß der Deutschen Seemannsmission Bremen im Turmzimmer der Rostocker Nikolaikirche den Rostocker Ableger gegründet. „Für mich kam das damals total überraschend“, erinnert sich Wittenburg. Er habe sich damals gefragt, ob es für die Kirche und ihre Gemeinden in der Wendezeit nicht wichtigere Aufgaben gibt.

Was mache eine Seemannsmission überhaupt und wer soll dort arbeiten? Folkert Janssen wollte und das freiwillig - selbst zum damaligen Ostgehalt, das 40 Prozent unter Westniveau lag. Heute kennt ihn jeder im Überseehafen und natürlich auch viele der Schiffsleute, die für einige Stunden festmachen. Zu ihnen fahren Janssen und seine 19 Mitarbeiter Tag für Tag bei Wind und Wetter. Oft besuchen sie bis zu 15 Schiffe bei ihren Rundgängen durch den Überseehafen.„Manche Schiffe kommen ein, zwei Mal im Monat, da kennt man sich und fällt sich auch mal in die Arme“, erzählt Diakonin Dorothea Flaake.

Wenn sie an Bord geht, habe sie immer eine Packung Mobilfunkkarten dabei. Denn die Verbindung in die Heimat läge den Seeleute am Herzen.„Viele sind bis zu zehn Monate von ihren Familien getrennt, da wollen sie zumindest die Stimmen ihrer Lieben hören“, sagt Flaake.

Das Gros der Arbeit stemmen Ehrenamtler. Egal, wo den Seeleuten der Schuh drückt, das Team versucht, eine Lösung zu finden, sagt Janssen.„Wir haben uns in den 25 Jahren im Hafen und in der Stadt ein Netzwerk aufgebaut, das wir sofort kontaktieren können: Die Vertretung der Transportarbeiter, Ärzte, die Berufsgenossenschaft, Kirchengemeinden, aber auch Schiffsmakler.“ In erster Linie sei man aber zum Zuhören an Bord, biete Ausflüge in die Stadt an oder lade zum Abschalten in den Seemannsclub. „Was Sie hier leisten, ist ein gutes Stück Kirche“, sagt Landesbischof Gerhard Ulrich.

Wer nicht bis zum kleinen Buddha will, bleibt oft vorher an einem der zehn Computerplätze im Seemannsclub hängen. Eine Internetverbindung sei wichtig für die Seeleute, sagt Janssen. „Nur so sehen sie Nachrichten und Fotos von dem, was in der Heimat passiert.“ Auf See gäbe es oft wochenlang kein Funknetz. Er und sein Team überlegten derzeit, ob sie auf WLan-Angebote umsteigen, um im Trend der Zeit zu bleiben. „Dann könnten wir uns wieder auf das konzentrieren, wofür die Seemannsmission damals stand: Ausflüge in die Stadt etwa, auf ein Miteinander“, sagt Janssen und schließt die Tür zum kleinen Gebetsraum in der Rostocker Seemannsmission.

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