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Norddeutsche Neueste Nachrichten

25. November 2017 | 09:09 Uhr

Hilfsmittel mit Seele : Eine Hündin auf Rezept

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Marco Höster ist seit Geburt blind / Er erkundet mit Trainerin Aniko Ebersberger und Coco den Alltag neu

svz.de von
erstellt am 07.Sep.2016 | 12:00 Uhr

Auf Rezept ist vieles zu haben. Was wenige wissen: Es gibt auch einen Blindenführhund auf Rezept, den die Kasse zahlt. Davon hat jetzt Marco Höster aus Groß Klein profitiert. Der 37-Jährige ist seit Geburt blind. Was die Situation erschwert: „Ich habe panische Angst vor Hunden, weil ich in meiner Kindheit mehrmals gebissen wurde“, sagt er. Der Angst gegenüber stand der Wunsch nach mehr Selbstständigkeit. Deshalb wendete er sich an Hundetrainerin Aniko Ebersberger, die in Markgrafenheide Blindenführhunde ausbildet.

„Wird so eine Bitte an mich herangetragen, muss ich den blinden Menschen kennenlernen, von der Statur, dem Wesen und seinen Eigenschaften ableiten, welchen Hund ich nehme und ausbilde“, sagt die Tiertrainierin. Marco Höster hatte sich einen Labrador gewünscht. Über eine Anzeige hat sie eine Mixhündin aus Golden Retriver und Labrador gefunden, die alle Eigenschaften mitbrachte, die zu Marco passen. „So ein Blindenführhund braucht ein gutes Wesen, ein starkes Nervenkostüm und muss sich sensibel in Menschen einfühlen können“, sagt die Trainerin. Sie hat Coco gekauft und selbst ausgebildet. Bevor das Training mit den blinden Frauchen oder Herrchen startet, vergehen in der Regel neun Monate bis zu einem Jahr. Und vorher begutachtet Dr. Christian Rudnick aus der Tierklinik die Tiere, ob sie gesundheitlich geeignet sind.

Gerade gestern trainierten die Ausbilderin und Marco Höster in Warnemünde. Da wird er oft als Doppel mit Coco zu sehen sein. Im Gewirr zwischen den vielen Aufstellern und Menschen keine leichte Aufgabe. „Hier habe ich lange Zeit gelebt“, sagt er. Im Seebad besucht er gern den Plattenladen Am Leuchtturm, einige seiner Ärzte sind auch hier. Seit etwas über einer Woche lebt Hündin Coco bereits in Groß Klein. „Es läuft gut, ich mag Coco, ich will endlich selbstständiger werden und mein Leben mehr alleine in die Hand nehmen“, sagt der Blinde. Coco ist für ihn ein Hilfsmittel mit Seele, seine Angst vor Hunden hat sie auch geschmälert.

Um mit einem Hund trainieren zu können, muss ein Blinder vorher auch Langstockgeher gewesen sein. Das Training ist nicht einfach. Coco trägt eine Glocke, damit Marco immer hört, wo sie ist und geht. Sie muss in jeder Situation die Nerven behalten, ob es in der überfüllten S-Bahn oder an belebten Plätzen ist. Wenn sie ihre Aufgabe gut gemacht hat, bekommt sie von ihrem Herrchen ein Leckerli. Zuhause ist für Coco auch Licht an. Während ihr blindes Herrchen das nicht benötigt, sind Hunde ja nachtblind. Außerdem gibt es einen Bewegungsmelder für die Nacht. In ein paar Wochen legt Marco Höster mit Coco die Gespannprüfung ab. Das macht eine neutrale Kommission. Für seine Trainerin passt das zeitlich: „In diesem Jahr wird das 100-jährige Jubiläum der Ausbildung von Blindenführhunden begangen“, sagt sie. Sie selbst praktiziert 15 Jahre in Rostock. Für die Prüfung drückt sie Marco Höster die Daumen. In Kürze reist er mit Coco und einem Freund zur Feierstunde zur Ausbildung der Blindenführhunde nach Berlin.

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