Rostock : Eine Herausforderung für den Hafen

Für die Kreuzfahrtschiffe in Warnemünde ist ein Landstrom-Anschluss im Gespräch.
Für die Kreuzfahrtschiffe in Warnemünde ist ein Landstrom-Anschluss im Gespräch.

EU-Umwelt-Vorgabe für die Schifffahrt stellt auch die Hansestadt vor große Probleme. Kreuzfahrt-Städte wollen Bündnis schließen

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14. Juli 2014, 12:00 Uhr

Ab Januar dürfen alle Schiffe auf Ost- und Nordsee nur noch Treibstoff mit weniger als 0,1 Prozent Schwefelgehalt einsetzen. Bis dahin erlaubt die EU noch einen einprozentigen Anteil. Die Neuregelung stellt auch den Rostocker Hafen vor eine Herausforderung, denn einen Königsweg, wie sie die strenge Umweltschutz-Vorgabe umsetzen wollen, haben die Reeder noch nicht gefunden. Damit ist auch unklar, welche baulichen Voraussetzungen benötigt werden.

„Wir können als Häfen nicht für alle Varianten Investitionsruinen hinsetzen“, sagt Thomas Biebig, Leiter Strategische Entwicklung und Grundsatzfragen bei der Hafen-Entwicklungsgesellschaft Rostock (Hero). Ein möglicher Weg, den Schadstoffausstoß zu senken, ist die Nutzung von Landstrom – dann könnten die Motoren während der Liegezeit abgestellt werden. Bislang allerdings ist kaum ein Schiff für die neue Technik bereit.

„Hamburg hat eine Umfrage unter den Reedern gemacht, mit dem Ergebnis, dass nur ein Schiff – eins von Aida – überhaupt über die technischen Voraussetzungen für Landstrom verfügt“, sagt Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne). Dennoch will die Elbmetropole im Oktober ihren ersten Anschluss für Kreuzliner einweihen. Kosten: Sieben Millionen Euro, sechs davon werden durch die EU gefördert. Zugleich setzt sie aber auf die Versorgung der Tourismusschiffe mit Flüssiggas (LNG) per Power Barge. „Wir lösen das Problem nicht mit ein oder zwei Landstromanschlüssen, da müssen neue Technologien her“, sagt Hero-Sprecher Christian Hardt, der auch für das Kreuzfahrtgeschäft zuständig ist. Ihm zufolge setzt die Mehrzahl der Reeder mittelfristig auf saubere Treibstoffe und Filtersysteme, um die Vorgaben einhalten zu können. Ein Schiff für Landstrom fit zu machen, sei mit Kosten zwischen einer und zwei Millionen Euro deutlich teurer. Derzeit gäbe es in Rostock aber noch keine Nachfrage nach LNG, daher auch nur vage Pläne für ein entsprechendes Angebot.

An der Warnow steht besonders die Kreuzschifffahrt im Mittelpunkt des Interesses, so Matthäus: „Sie ist ein gewisses Aushängeschild.“ Um deren mächtiger Vereinigung, der Cruise Lines International Association (Clia), entgegentreten zu können, will der Senator ein Bündnis mit anderen betroffenen Städten schließen. Ein erstes Treffen dazu gab es bereits im Mai in Kopenhagen, im Oktober soll ein weiteres in Hamburg folgen. Dann wollen die Städte auch eine Deklaration verabschieden, die ihre Positionen festschreibt. „Es gibt viele Probleme, aber kaum Lösungen“, so Matthäus. „Von Rostock wird viel verlangt – das geht nicht von heute auf morgen.“

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