Flüchtlinge in Rostock : Eine Chance für Familie Miruku

In ein paar Tagen dürfen Rozana, Silvester und Mentor (v. l.) ihr Dreibettzimmer im Heim gegen eine eigene Wohnung tauschen.  Fotos: Nicole Pätzold
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In ein paar Tagen dürfen Rozana, Silvester und Mentor (v. l.) ihr Dreibettzimmer im Heim gegen eine eigene Wohnung tauschen. Fotos: Nicole Pätzold

Nach sieben Monaten im Asylbewerberheim dürfen Rozana, Mentor und Silvester aus Albanien in eine eigene Wohnung ziehen

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24. August 2015, 10:00 Uhr

Wie geht es Flüchtlingen, die in Rostock Zuflucht vor Krieg, Verfolgung und Not suchen? Wie geht die Hansestadt mit ihnen um? Ist die Stadt überhaupt auf die Versorgung und Unterbringung der vielen Menschen vorbereitet? In einer einwöchigen Serie geben die NNN jeden Tag Antworten auf die wichtigsten Fragen. Teil 1: Rozana, Mentor und Silvester aus Albanien vermitteln einen Einblick in das Leben im Asylbewerberheim Satower Straße.

Die Freude steht Rozana und Mentor Miruku ins Gesicht geschrieben. In ein paar Tagen dürfen sie endlich eine eigene Wohnung beziehen, erzählen sie stolz, während sie in der kleinen Gemeinschaftsküche im Asylbewerberheim in der Satower Straße sitzen. Rozana backt gerade mit Joghurt und Hühnchenfleisch gefülltes Brot im Ofen. Davon bietet die lebensfrohe Gastgeberin Sozialarbeiter Steffen Vogt gleich ein Stück an. „Die Mitarbeiter hier sind alle total nett“, sagt Rozana. „Wir können mit jedem Problem rüber ins Büro gehen und dann helfen sie uns.“

Zusammen mit ihrem acht Jahre alten Sohn Silvester sind die beiden im Januar aus Albanien nach Deutschland geflohen. Zehn Tage blieb die Kleinfamilie in der Erstaufnahmeeinrichtung Mecklenburg-Vorpommerns in Nostorf Horst, dann ging es weiter in die Satower Straße in Rostock. Dort wohnen die drei alle zusammen in einem 18 Quadratmeter großen Zimmer. Die Betten stehen direkt nebeneinander, dazu ein Tisch, ein paar Stühle, eine Kommode mit altem Fernseher darauf und ein kleiner Tisch mit sehr altem Computer – „für Silvester, damit er ein bisschen spielen kann“, sagt Mentor.

Der Achtjährige kickt aber genauso gerne mit den anderen Kindern draußen auf dem Hof gegen den Ball. Deutsch lernt der Drittklässler quasi nebenbei in der Schule. Seinen Eltern fällt die Sprache noch etwas schwerer. Rozana hat einen Deutschkurs absolviert, in dem sie das wichtigste Basiswissen vermittelt bekommen hat. Das Gelernte probiert sie gerne aus, kann sogar schon flüssig schreiben. Ihr Mann spricht zwar fließend italienisch, aber kaum deutsch. Für die Verständigung im Alltag reicht es trotzdem schon bei der 30- und dem 31-Jährigen.

Die Familie hat sich eingerichtet im Heim, ist zufrieden. Trotzdem freuen die drei sich auf den bevorstehenden neuen Abschnitt in der eigenen Wohnung in Lütten Klein. Begeistert zeigt Rozana auf dem Handy Bilder von der Küche und den Möbeln, die sie dort erwarten. Eigentlich sind die nichts Besonderes, aber es ist eine deutliche Verbesserung zu den gemeinschaftlich genutzten Räumen in der Satower Straße. Dort teilen sich die in der Regel zwölf Mitglieder einer Wohneinheit nicht nur die Küche, sondern auch jeweils zwei Einzelduschen und -toiletten.

Das erzwungene Zusammenleben ist nicht immer leicht, erzählen Rozana und Mentor. „Für eine Familie ist es hier im Heim nicht gut“, sagen sie. Viele der alleinstehenden Männer, die im Nachbarhaus wohnen, würden schon tagsüber eine Menge Alkohol trinken und sich abends häufig streiten. Das können sie mit dem Umzug nach Lütten Klein nun hinter sich lassen. Besonders Rozana sprüht vor Energie. Die Familie möchte möglichst schnell für sich selbst sorgen können. „Ich würde alles machen, aber mein Deutsch ist noch nicht so gut“, sagt Mentor, der froh ist, in Rostock eine Zuflucht gefunden zu haben. Ihre Familien in Albanien tolerieren die Beziehung der Christin zu einem Muslim nicht.

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