Unimedizin : Eine Bockwurst rettet Leben

Die Idee für das erste in Rostock eingesetzte Dialysegerät hatte Prof. Horst Klinkmann dank einer Bockwurst.  Fotos: josefine rosse
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Die Idee für das erste in Rostock eingesetzte Dialysegerät hatte Prof. Horst Klinkmann dank einer Bockwurst. Fotos: josefine rosse

Zeitreise durch die Geschichte der Unimedizin: Skurrile Exponate entführen in die Heilkunst des 19. und 20. Jahrhunderts

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24. August 2016, 12:00 Uhr

Horst Klinkmann kramt in seiner Aktentasche. Er holt eine Bockwurst raus, streckt sie in die Höhe. „In schöpferischen Pausen“, beginnt der Mediziner, „haben wir immer eine Bockwurst gegessen.“ Eine Bockwurst, die Tausende Leben retten sollte. Denn die Hülle der Wurst erinnerte ihn an eine semipermeable Membran, also an eine sehr dünne Haut, die Flüssigkeiten durchlässt und die für eine erfolgreiche Dialyse unabdingbar ist. Durch die Membran können Abfallprodukte des Körpers, die die Nierenfähigkeit einschränken, abgeschieden werden. „Wir haben die Zellulosemembran der Bockwurst abgewickelt, im Labor untersucht und modifiziert“, erinnert sich Klinkmann.

1958 wurde an der Uniklinik die erste Dialyse vorgenommen – eine Premiere für die gesamte DDR. Das gleiche Verfahren werde noch heute angewandt, allerdings mit technisch verbesserten Instrumenten. Die Dialyse gilt mittlerweile als Routinebehandlung für Patienten mit chronischem Nierenversagen, die ihnen hilft, die Zeit bis zu einer Transplantation zu überbrücken.

Der skurrile Weg zur künstlichen Niere passe zu der neuen Ausstellung der Unimedizin Rostock, die gestern in der Societät maritim eröffnet wurde. Sie bilde selbst eine Ansammlung von Skurrilitäten ab, findet der Professor. „Schick, schräg und schaurig“ präsentiert rund 500 Exponate aus dem 19. und 20. Jahrhundert – vom Zahnarztbohrer über Medikamente bis hin zu Wachsnachbildungen. Sie alle versteckten sich in Institutskellern und -dachböden, in den finstersten Ecken und Gängen, verrät Christian Schmidt, Vorstand der Unimedizin Rostock. „Wir leben heute im Zeitalter der digitalen Medizin, mit starken Einflüssen der Industrialisierung. Manchmal lohnt es sich, einen Schritt zurückzugehen, zu begreifen, wie damals Medizin gemacht wurde“, sagt er.

Die Zeitreise macht unter anderem halt in der Pharmakologie, vor der 2000 Nummern umfassenden Drogensammlung des Rostocker Chemikers Dr. Friedrich Witte, die 1877 durch den damaligen Großherzog Friedrich Franz II. im Interesse der Universität gekauft wurde.

Die Ausstellung kann bis zum 15. Januar dienstags bis sonntags zwischen 10 und 18 Uhr besichtigt werden.

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