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Norddeutsche Neueste Nachrichten

17. Oktober 2017 | 02:51 Uhr

Interview : Eine außergewöhnliche Schwesternliebe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

US-amerikanische Schauspielerin Leslie Malton erzählt Dienstagabend in der Buchhandlung Hugendubel ihre Geschichte und die von Marion, die am Rett-Syndrom leidet

Schauspielerin Leslie Malton ist mit Gesundheit und Erfolg gesegnet. Ihre nur anderthalb Jahre jüngere Schwester wuchs mit einer rätselhaften Behinderung auf. Aufwühlend und emotional erzählt Leslie Malton in ihrem ersten Buch „Brief an meine Schwester“ die Geschichte von Marion und ihre eigene. Bei ihrer Lesetour macht sie Dienstgabend auch bei Hugendubel in der Kröpeliner Straße 41 halt. Im Interview mit NNN-Autorin Nicole Pätzold erzählt sie, was sie mit Rostock verbindet, wie das Verhältnis zu ihrer Schwester ist und wofür sie kämpft.


Wonach haben Sie entschieden, mit Ihrem Buch auch nach Rostock zu kommen? Kennen Sie die Stadt?
Leslie Malton: Die freundliche Einladung von Hugendubel und das mir damit signalisierte Interesse an dem Thema von „Brief an meine Schwester“ haben mir die Entscheidung sehr leicht gemacht. Ein paar Mal haben Felix von Manteuffel, mein Mann und ich in Heiligendamm Lesungen gegeben und konnten die Schönheit von dieser Ostseelandschaft genießen, das macht neugierig auf mehr.

Was hatte Sie bewogen, das Buch zu schreiben und warum gerade jetzt?
Als mir der Kinderarzt und Neurologe Prof. Wilken erklärte, dass viele Kinderärzte, anstatt das Rett-Syndrom zu erkennen, von den Kindern behaupteten, „die Kleinen seien langsam oder faul, das gibt sich schon“ – war es für mich klar, dass ich etwas unternehmen muss, um auf diese Behinderung aufmerksam zu machen. Denn: Das war genau das, was meine Eltern vor 53 Jahren immer zu hören bekommen hatten. Ich persönlich habe erst vor drei Jahren erfahren, dass es diese Behinderung gibt und bin relativ schnell danach an die Öffentlichkeit gegangen. Mein Engagement als Botschafterin der Rett-Elternhilfe soll wie das Buch aufmerksam auf die Behinderung machen und die Arbeit dieses Verbandes unterstützen. Auch heute gibt es da noch viel zu tun.

Was ist kennzeichnend für das Rett-Syndrom?
Die ersten Anzeichen sind Wasch- oder Wringbewegungen der Hände und dann das langsame Einstellen von erlernten Fähigkeiten wie Sprechen und Gehen. Viel Weinen, Schreien und in vielen Fällen auch epileptische Anfälle.

Wie ist Ihre Schwester damit aufgewachsen, wie war das für Sie?
Meiner Ansicht nach hat meine Schwester gegen diesen Rücklauf, gegen das Verlieren von Fähigkeiten angekämpft. Durch Schreien und Weinen versucht, sich dagegen zu wehren. Für mich war meine Schwester so wie sie ist und ihr musste geholfen werden, weil es ihr schlecht ging, es sollte ihr besser gehen. Für mich war es ganz natürlich und selbstverständlich, dass ich ihr beistehe und helfe.

Wie geht es Ihrer Schwester heute – wie und wo lebt sie?
Meiner Schwester geht es im Prinzip gut in ihrer Welt. Dadurch, dass wir erst vor drei Jahren erfahren haben, dass es das Rett-Syndrom überhaupt gibt, schied die Früherkennung und die Frühförderung für sie aus, was ich als große Tragik sehe. Sie lebt in Kalifornien in der Nähe von unserer Mutter in einer Einrichtung. Meine Mutter holt sie jedes Wochenende zu sich.

Sie beide trennen ein Ozean und völlig andere Leben. Gelingt es trotzdem Nähe zu halten und wie?
Meine Schwester ist immer präsent. Ich vermisse sie sehr. Mich vergisst sie eher, wenn ich nicht da bin – was vielleicht auch eine Art Schutz sein könnte. Meine größte Freude ist, dass sie mich immer wiedererkennt, wenn ich sie besuche – offenbar konnte ich einen bleibenden Eindruck bei ihr hinterlassen.

Als Botschafterin für das Syndrom wollen Sie natürlich primär aufklären. Aber was hat es mit Ihnen gemacht, dieses Buch zu schreiben?
Jede Form der Aufklärung, Bewusstmachung und zu informieren über die zweithäufigste Behinderung für Mädchen, ist mir recht. Als Roswitha Quadflieg mich darauf ansprach, ein Buch über meine Schwester zu schreiben, erkannte ich, dass dieser Weg eine gute Möglichkeit darstellt, um auf das Rett-Syndrom aufmerksam zu machen. Das Schreiben forderte mich auf, das für mich Selbstverständliche von einer anderen Perspektive anzusehen. Es hat zu einigen neuen Erkenntnissen geführt. Das war eine reiche Erfahrung.

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