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Greifswalder Studenten bewiesen These : Einbaum-Nachbau besteht Test

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Einbäume sind vor Tausenden von Jahren von ihren Besitzern offenbar im Winter zum Schutz vor Frostschäden versenkt wurden. Die Richtigkeit dieser These haben jetzt Greifswalder Studenten mit einem Selbstversuch bewiesen.

svz.de von
erstellt am 26.Apr.2012 | 10:00 Uhr

Stralsund | Einbäume sind vor Tausenden von Jahren ihren Besitzern offenbar vor allem deshalb so lange erhalten geblieben, weil man sie seinerzeit im Winter zum Schutz vor Frostschäden versenkt hatte. Die Richtigkeit dieser These haben jetzt Greifswalder Studenten bewiesen, die ein selbst gebautes Steinzeitboot im Dezember vergangenen Jahres nach uralter Tradition mit Feldsteinen beschwert und versenkt hatten.

Der sieben Meter lange und 300 Kilo schwere Einbau ist gestern nach fünfmonatiger Wässerung wieder vom 1,60 Meter tiefen Grund des Stralsunder Dänholm-Kanals gehoben worden. "Unser Boot hat den Winter trotz Tiefsttemperaturen, schwerer Vereisung und einiger heftiger Stürmen gut überstanden", sagte Johannes Steinkühler, Geschichtsstudent der Universität Greifswald. Nach der Reinigung vom Strelasund-Schlick habe man weder Trocknungs- noch Frostrisse feststellen können. Lediglich die Pechnaht am Heck müsse wohl erneuert werden.

Vor einem Jahr hatten die Studenten in Greifswald den Einbaum nach historischen Fertigungstechnologien gebaut. Unter Anleitung des Prähistorikers Thomas Terberger und des Schleswiger Museumsarchäologen Harm Paulsen hauten sie vier Wochen lang den Bootsrumpf mit nachgebauten Kernbeilen aus einem alten Pappelstamm. Anschließend testeten die Männer den Nachbau auf seine Fahrteigenschaften. "Wir wollten einfach ganz genau wissen, wie man seinerzeit mit den schmalen Kanus umgegangen ist", sagte Steinkühler.

Mit vier Mann an Bord paddelte das Team zwei Tage lang von Greifswald nach Stralsund. Einmal geriet die Einbaum-Crew bei Windstärke 6 sogar in Seenot und musste das untergegangene Boot wieder an Land ziehen. Weil frühere Originalfunde Verkohlungsstellen am Bootsboden aufwiesen, entzündeten die Studenten zum Test sogar einmal ein Feuer an Bord. "Mehr als eine Stunde lang loderten die Holzscheite auf der zuvor aufgebrachten Lehmpackung, ohne dass das Boot Schaden nahm", sagte Steinkühler, der damit den Beweis dafür sieht, dass man einst sogar in den schmalen Einbäumen gekocht hatte. Probefahrten mit einem Gotlandschaf und einem Hund hätten zudem gezeigt, dass die Boote einst auch für Tiertransporte genutzt worden waren. Über das Leben an Bord will die Besatzung Ende Juni zum Mecklenburg-Vorpommern-Tag in Stralsund informieren. Dann dürfen Besucher am Semlower Kanal sogar einmal selbst Platz in dem Einbaum nehmen.

Den nächsten Coup planen die Studenten für 2013. Dann wollen sie einen der vor acht Jahren wegen fehlender Konservierungen und stümperhafter Lagerung verfallenen Stralsunder Einbäume nachbauen. Für das Double brauche man aber einen mindestens 14 Meter langen Stamm einer möglichst freistehenden und astlochfreien Linde, sagt Steinkühler. "Danach suchen wir derzeit in ganz Deutschland."

Kurz erklärt


Seit wann gibt es Einbäume?

Schon in der Mittelsteinzeit hauten Jäger und Fischer aus Baumstämmen schwimmende Einbäume. In einigen Ländern wie Russland oder Polen wurden derartige Bootsrümpfe noch vor 40 bis 50 Jahren hergestellt. Im Ostseeraum blieben noch bis heute einige Einbäume erhalten. Zu den ältesten Funden gehörten drei 6000 bis 9000 Jahre alte Einbäume, die 2002 am Strelasund entdeckt wurden und später verfielen. Bekannt ist auch ein Einbaum aus der frühen Eisenzeit, der aus dem Schweriner See geborgen wurde.

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