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Rostockerin bekommt Bugenhagen-Medaille : Ein Zirkuswagen war ihre erste Kirche

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Für ihr jahrzehntelanges Engagement hat die Rostocker Gemeindepädagogin Dietlind Glüer die Bugenhagen-Medaille erhalten. Bischof Andreas von Maltzahn überreichte am vergangenen Wochenende die Auszeichnung.

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erstellt am 18.Feb.2013 | 10:28 Uhr

Stadtmitte | Sie gilt als Mutter der Demokratie in Rostock, arbeitet seit Jahrzehnten in der evangelisch-lutherischen Kirche: Gemeindepädagogin Dietlind Glüer (72) hat gestern die Bugenhagen-Medaille erhalten, die höchste Auszeichnung der Nordkirche. Bischof Andreas von Maltzahn überreichte ihr die Medaille nach einem Gottesdienst in der Marienkirche. "Sie haben die besondere Gabe, Menschen zu helfen, ihre eigenen Stärken zu erkennen und zum Tragen zu bringen", sagte von Maltzahn. Es freue ihn besonders, mit der Auszeichnung Danke sagen zu können, weil es Glüer nie um die eigene Ehre gegangen sei.

Die langjährige Weggefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck ist bis heute ehrenamtliche Mitbetreiberin des Marientreffs und des Vereins Drehscheibe. An ihrer feierlichen Ehrung nahmen auch der ehemalige Chef der Stasi-Unterlagenbehörde in Rostock, Christoph Kleemann, und der Bundestagsabgeordnete Harald Terpe (Grüne) teil, die zusammen mit Glüer in der Wendezeit das Neue Forum gegründet hatten. Glüer gab die vielen Komplimente, die sie bekam, zurück: "An der Wertschätzung, die ich erfahre, habt Ihr alle großen Anteil." Ihr sei beim Blick in die Gesichter der Gottesdienst-Besucher warm ums Herz geworden.

Gemeinde dort aufgebaut, wo die DDR neue Gotteshäuser verbot

Ihre Arbeit in der Kirche begann Glüer, die aus einer Pastorenfamilie stammt, Anfang der 1960er-Jahre am Dom in Güstrow. In der von Plattenbauten geprägten Rostocker Südstadt leistete sie dann seit 1967 gemeinsam mit dem späteren Landesbischof Heinrich Rathke Aufbauarbeit. Sie nutzten einen umgebauten Zirkuswagen als Gottesdienstraum, um das in dieser Zeit von der DDR-Administration postulierte Verbot von Kirchenneubauten zu umgehen. Glüer ging damals von Wohnung zu Wohnung, um die Menschen für die Gemeinde zu gewinnen. Weil in der DDR gemeindepädagogische Materialien begrenzt waren, regte sie zu Kreativität und Methodenvielfalt an. "Mit ihren Impulsen für ein Kinderabendmahl war sie ihrer Zeit voraus", sagt Bischof von Maltzahn. Zudem habe Glüer 1989 einen wegweisenden Beitrag zur friedlichen Revolution in Rostock geleistet. Die heute 72-Jährige gehörte neben ihrer Arbeit im Neuen Forum auch zu den Besetzern der Zentrale der Staatssicherheit. Auch im Ruhestand blieb sie ihrer Kirche verbunden, etwa als Praxis- und Gemeindeberaterin.

Die undotierte Auszeichnung, die von Maltzahn der Rostockerin überreichte, ist nach Johannes Bugenhagen benannt, der als Reformator des Nordens gilt. Der Freund Martin Luthers hatte nach Worten des Bischofs auch Anteil daran, dass die Reformation sich in Rostock entwickeln konnte.

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