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24. Oktober 2017 | 13:27 Uhr

Ein Wunderland wie im Gefrierfach

vom

svz.de von
erstellt am 20.Dez.2012 | 06:42 Uhr

Rövershagen | Kleine Schneeflocken tanzen auf den Wimpern von Jana Fuhrmann. Behutsam und geschickt führt die schlanke Frau trotz dicker Handschuhe und minus acht Grad Umgebungstemperatur die Fräse. Nach und nach entstehen ausgehöhlte Buchstaben, die für den besonderen Effekt noch mit Schnee gefüllt und mit Wasser zugedeckt werden. Am Ende entsteht ein Zitat von Lewis Carroll: "Es gibt einen Ort wie keinen anderen auf der Welt. Es heißt, um dort zu überleben, muss man verrückt sein wie ein Hutmacher."

Produktion der Blöcke beginnt bereits im Frühjahr

Eben dieser Ort liegt heute ab 9 Uhr in Karls Erlebnis-Dorf in Rövershagen. In einer ehemaligen Erdbeerkühlhalle entstand auf 2000 Quadratmetern bereits zum zehnten Mal die Eiszeit. 14 Künstler haben seit dem 25. November das "Erdbeerwunderland" geschaffen. "Die Eisblöcke - 1800 insgesamt - wurden seit März in einem speziellen Verfahren in einer Fabrik in Polen hergestellt", sagt Othmar Schiffer-Belz, der für die Künstlerbetreuung zuständig ist. Neben klarem und milchigem wurde erstmals auch rotes Eis in Auftrag gegeben. Schließlich steht neben den Figuren aus "Alice im Wunderland" vor allem auch die Erdbeere im Mittelpunkt der Skulpturenschau.

Die Erbauer kommen aus Russland, Polen, Litauen, Lettland, Frankreich, Bulgarien, aus der Ukraine, den Niederlanden und aus Malaysia - darunter Meister ihres Fachs. Mehr als 20 Künstler, die sonst mit Stein, Holz, Marmor oder Bronze arbeiten, haben sich für den Auftrag in Rövershagen beworben und ihre Skizzen zur diesjährigen Projektidee eingereicht, die von Jana Fuhrmann stammt. "John aus Malaysia, der zusammen mit Andrius aus Litauen ,Die verrückte Teegesellschaft’ erschaffen hat, macht sonst Butterskulpturen", so Fuhrmann.

Die Vergänglichkeit der Kunst macht der Projektleiterin zu schaffen. "Ich heule jedes Mal", beschreibt sie den Moment, wenn nach der Saison die Kühlaggregate abgestellt werden und die Kunst zu Pfützen wird. Doch bis dahin dauert es ja zum Glück noch, die Eiszeit endet erst am 1. März. Im vergangenen Jahr kamen 120 000 Besucher. Ein Rekord, den es zu knacken gilt. "Wir haben viele Stammgäste, zum Beispiel ein Paar aus Thüringen, das sich nachts um 4 Uhr ins Auto setzt, um pünktlich zur Eröffnung da zu sein", sagt Schiffer-Belz. Die Künstler dagegen werden die Einweihung verpassen - gestern flogen die Letzten von ihnen in die Heimat. Vielleicht kommen sie zur 11. Eiszeit wieder. Denn die Verantwortlichen sind schon mit den Planungen dafür beschäftigt. Welche Themenwelt nach der Arche Noah, Atlantis, dem Zirkus, Dschungel oder den Räubern im Wald dann aus Eis erschaffen wird, steht aber noch nicht fest.

Schiffer-Belz, der auch als künstlerischer Leiter für die Sandwelten zuständig ist, freut sich auf seinen eiskalten Arbeitsplatz. Er hofft, dass die Besucher seine Begeisterung teilen. "Die Skulpturen sollen ihre Herzen erwärmen - aber mehr nicht. Denn wenn es anfängt zu tropfen, wäre das sehr schlecht", sagt er.

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