Volkstheater : „Ein unglaubliches Echo“

SPD-Mann Thoralf Sens stellt sich den Theater-Anhängern, erntet aber nur Buh-Rufe.
SPD-Mann Thoralf Sens stellt sich den Theater-Anhängern, erntet aber nur Buh-Rufe.

Anhänger der Bühne demonstrieren vor dem Großen Haus / Heute Intendanten-Gipfel in der Bürgerschaft

von
13. April 2015, 07:45 Uhr

Vor der entscheidenden Dringlichkeitssitzung der Bürgerschaft heute um 18 Uhr im Rathaus haben die Unterstützer des gefeuerten Intendanten Sewan Latchinian gestern eine Dauerdemo gestartet. Rund 500 Menschen folgten dem Ruf der Initiative Volkstheater vor das Große Haus, unter ihnen auch Schüler Jonas Lemma. Der 18-Jährige besucht regelmäßig die Stücke der Bühne und sagt: „So, wie sich die Politik in Rostock verhält, sehe ich die ganze Kultur in Gefahr.“

Siegfried Hoge, der 42 Jahre als Beleuchtungsmeister im Volkstheater gearbeitet hat, will auch an der heute ab 17 Uhr geplanten Demo vor dem Rathaus teilnehmen. „Das liegt mir am Herzen“, sagt der 80-Jährige. „Sind wir schon wieder in der DDR, dass sie keine Kritik vertragen?“, fragt er. Der Hauptausschuss der Bürgerschaft hatte Latchinians Entlassung mit sechs zu fünf Stimmen beschlossen. Die Befürworter werfen dem Intendanten vor, die Vertreter der Stadt als seinem Arbeitgeber durch einen Vergleich mit dem Islamischen Staat beleidigt zu haben.

„Ich bin kein Terrorist und ich köpfe keine Leute“, sagt Thoralf Sens (SPD). Er stellte sich gestern den Demonstranten: „Die Frage in der Bürgerschaft ist, wie die Äußerungen von Latchinian arbeitsrechtlich bewertet werden müssen.“ Die umstrittene Rede des Intendanten habe dieser im Vorfeld niedergeschrieben. Es habe sich also keinesfalls um einen spontanen Ausbruch gehandelt.

Dass Latchinian über das Ziel hinaus geschossen sei, das findet auch Karina Jens (CDU). Die Kündigung sei aber überzogen. Nun stehe die Bürgerschaft in der Verantwortung: „Sie kann sich unabhängig vom Ergebnis nicht vor ihrer Zuständigkeit wegducken“, sagt Jens. „Das unglaubliche deutschlandweite Echo wurde in noch nie da gewesener Weise von der Stadtgesellschaft unterstützt.“ Latchinians Schicksal sei auch zum Symbol für die Kulturpolitik geworden.

Rostocks Ex-Kultursenatorin Liane Melzer (SPD), heute Leiterin des Bezirksamts Hamburg-Altona, kam gestern ebenfalls zur Demo. Sie sagt: „Es ist schön zu sehen, dass die Rostocker für ihre Kultur kämpfen.“ Der Protest wird heute um 10 Uhr im Großen Haus fortgesetzt. Um 14.30 Uhr startet eine Menschenkette zum Rathaus.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen