Ein temporeicher Opernabend

Die bunte Inszenierung mit Takako Onodera, Garrie Davislim, James Kee und Theresa Grabner (vorne v. l.) begeisterte das Premieren-Publikum.Dorit Gätjen
Die bunte Inszenierung mit Takako Onodera, Garrie Davislim, James Kee und Theresa Grabner (vorne v. l.) begeisterte das Premieren-Publikum.Dorit Gätjen

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25. September 2012, 11:36 Uhr

Rostock | Nun ist das Große Haus des Volkstheaters Rostock vollständig wiedereröffnet: mit einer Opernpremiere. Denn zur Eröffnung muss eine Oper gespielt werden, wie Intendant Peter Leonard in einer kurzen Ansprache vorweg feststellte. Dann hob sich der Vorhang am Sonntagabend für Rossinis Komische Oper "Der Barbier von Sevilla", oder besser: "Il barbiere di Siviglia", denn es wird in italienischer Originalsprache gesungen. Nach knapp drei Stunden bunten Operntrubels auf der Bühne, von reichlich Szenenapplaus begleitet, war das Publikum hingerissen, jubelte dem Darstellerensemble zu und spendete stehend langen begeisterten Beifall.

Besonderen Anteil an diesem Erfolg hatte zweifellos die Norddeutsche Philharmonie unter der Leitung ihres Chefdirigenten Florian Krumpöck. Nur während der ersten Takte der Ouvertüre saßen wohl noch nicht alle Musiker richtig auf ihren Stühlen, da wackelte und klapperte es noch im Zusammenspiel. Dann aber lief ein vorzüglich einstudierter Orchesterpart ab, der den Sängern eine gute musikalische Basis bot.

Krumpöck musizierte spannungsvolle Tempi in lockerer, duftiger Artikulation, organisierte reibungslose Übergänge und eine abwechslungsreiche dynamische Palette. Nicht immer kann man die Streicher in so präziser Einheitlichkeit und Intonation hören wie an diesem Abend. Am Cembalo auf der Vorbühne begleitete Hans-Christoph Borck die Rezitative, alternierend mit Jens Hoffmann.

Die Gastregisseurin Jasmin Solfaghari erzählt in ihrer Inszenierung die Vorgeschichte zur Mozart-Oper "Figaros Hochzeit", die bis 2011 am Volkstheater zu sehen war. In dieser Vorgeschichte ist Graf Almaviva noch jung und wirbt um Rosina, seine spätere Gattin, die hier das Mündel des alten Dottore Bartolo ist, der wiederum in sein junges, schönes Mündel und deren Geld haltlos verknallt ist. Figaro, hier noch solo, verknüpft die buntesten Fäden miteinander und bringt so die Verliebten am Ende zusammen. Das macht James J. Kee in der Titelrolle stimmlich souverän und mit großem schauspielerischen Talent. Der Tenor Garrie Davislim spielt den Grafen ebenso gelöst und singt mit schönem lyrischen Tenor, nur zieht er die Einzeltöne der Koloraturen zu gleitenden Bändern zusammen. Nun ja, das Volkstheater beschäftigt halt Alleskönner, die unmöglich alles gleich gut können. Da ist auch die Mezzosopranistin Takako Onodera als Rosina stimmlich sehr gut, singt farbig und intonationsrein und bewältigt die Ansprüche ihrer Partie hervorragend.

Florian Spiess, vor 20 Jahren Sopransolist bei den Wiener Sängerknaben, im vergangenen Jahr Absolvent an der Musikuniversität Wien als Bass und nun neues Ensemblemitglied in Rostock, zeigt sich als Bartolo im Bassregister ebenso klangvoll wie im Falsettieren von Rosinas Unterrichts-Arie. Daneben Theresa Grabner als Kammerfrau und Mikko Järviluoto als Musiklehrer Basilio. Alle beherrschen das Italienisch gut, und wer ein wenig von der Sprache versteht, muss sich über die eigenwilligen deutschen Übertitel dazu sehr verwundern. Kraftvoll singen die Herren des Opernchors in der Einstudierung von Carsten Bowien.

Neben dem musikalischen Genuss war das Publikum von der temporeichen, bunten Inszenierung begeistert. Man konnte manchen Spaß genießen, hinter einzelnen szenischen Einfällen öffnete sich der Blick auch auf die Tiefe der Charaktere. Manches allerdings war nicht viel mehr als Klamauk und Grimasse, zuweilen wilder Radau, der den feinen Witz der Musik übertönte. Insgesamt jedoch ein Opernabend, der den Applaus verdient hat.

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