Zum Totensonntag : „Ein Teil von uns ist mit gestorben“

Um das Grab ihres Sohnes Danny auf dem Neuen Friedhof kümmern sich Jörg und Grit Bludau sowie die Geschwister und die ehemalige Verlobte liebevoll. Es gleicht einem Blumenmeer, es brennen immer Kerzen. Und viele Menschen stellen etwas hin.  Fotos: mapp
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Um das Grab ihres Sohnes Danny auf dem Neuen Friedhof kümmern sich Jörg und Grit Bludau sowie die Geschwister und die ehemalige Verlobte liebevoll. Es gleicht einem Blumenmeer, es brennen immer Kerzen. Und viele Menschen stellen etwas hin. Fotos: mapp

Nach dem Tod von Danny Bludau ist für die Familie nichts mehr wie früher. Bruder Tom hat Raps geschrieben.

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26. November 2017, 05:00 Uhr

Seit dem 17. September 2016 hat der Schmerz den Glanz aus den fröhlichen Augen von Grit Bludau gewischt. Bis zu dem folgenschweren Anruf, bei dem sie erfuhr, dass ihr Sohn Danny mit dem Motorrad schwer verunglückt ist, war es ein schöner Tag mit Enkel Leon. Seitdem ist alles anders, das Lachen ist verstummt. Die Welt ist für die Eltern, Bruder Tom, Schwester Melanie mit Leon und Taya sowie Dannys Verlobte aus den Fugen geraten.

Nach dem tragischen Unfall kämpften Ärzte und Schwestern eine Woche um das Leben des 27-Jährigen. „Wir waren jeden Tag an seinem Bett in der Klinik, haben seine Hand gehalten und auf ein Wunder gehofft“, sagt Jörg Bludau. Auch Danny hat gekämpft. Irgendwann war das Gehirn zu stark angeschwollen. „Jetzt ist Danny hirntot“, übermittelte am 23. September ein einfühlsamer Arzt die traurige Wahrheit über Dannys Tod.

Die Wucht des Schmerzes lässt sich kaum ausdrücken. Bruder Tom (22) hat es in zwei Raps versucht: Er singt für Danny Botschaften vom eigenen und dem Seelenzustand der Familie: „Es ist bei dieser Ohnmacht geblieben ... Wir strengen uns an, aber die Kraft zieht aus. Seitdem Du weg bist, haben wir alle kalte Masken auf“, textet er. Eines macht ihm zu schaffen: Trotz des Todes seines sechs Jahre älteren Bruders, der für ihn Vorbild und Freund war, dreht sich diese „abgefuckte Welt einfach weiter“. Nichts ist mehr wie früher, der Schmerz begleitet alle schattengleich.

Am Anfang funktioniert die Familie nur. Bereitet eine besondere Beerdigung vor. „Ich konnte meinen Sohn nicht verbrennen lassen, das habe ich nicht über das Herz gebracht“, gesteht Mutter Grit. In den Sarg legten alle Gaben ihrer Liebe. Und sie wählten einen schönen Ort auf dem Neuen Friedhof aus – hell und schön gelegen. Für die Beerdigung wählten alle passende Songs für Danny aus, ein Freund sprach einfühlsame Worte. Das spendete Trost.

Mit dem Tod von Danny ist alles anders geworden. „In jedem von uns ist ein Teil mit gestorben“, beschreibt Tom das Gefühl. Obwohl Danny an einem schönen Ort liegt, meidet Tom diesen Platz. Das tut ihm zu weh. Wenn die Eltern ans Grab gehen, reden sie nicht vom Friedhof, sondern sie sagen, dass sie Danny besuchen. Dann setzen sie sich auf die Bank am liebevoll gepflegten Grab und fühlen sich dem Sohn nahe. Immer brennen Kerzen und stehen frische Blumen dort. Außerdem eine Starwars-Figur von Tom, weil beide Fans waren.

Damit sie mit dem Schicksalsschlag besser fertig wird, ist Grit Bludau zur Kur gefahren. Sie hat dort erlebt, dass viele so ein Leid verkraften müssen. „Es wird nie mehr so wie früher. Aber wir bemühen uns alle, Danny hätte nicht gewollt, dass wir uns hängen lassen“, sagt sie tapfer. Damit ihr toter Sohn täglich bei ihr ist, hat sich Mutter Grit „Danny“ auf den Arm tätowieren lassen. Auch Tom spricht aus, was den Eltern in der Dimension nicht bewusst war: Mit dem Tod haben er und Melanie nicht nur den Bruder verloren, auch das Zuhause ist nicht mehr das gleiche. Die Eltern haben sich verändert, ihre Unbeschwertheit ist weg. Es zieht Tom zu ihnen, aber ihr fühlbarer Schmerz mehrt seinen Kummer. Beim ersten Weihnachtsfest ohne Danny versuchten alle, sich innerlich auf Normalität zu programmieren. Mit Tanne, Gänsebraten und Tapferkeit. „Es hat nicht geklappt, Danny hat überall gefehlt, sein Platz ist leer.“ Dieses Weihnachten wollen sie anders gestalten. „Wir fahren in die Sonne“, verraten sie ihre Strategie. Denn Patentrezepte gibt es nicht. Aber es ist ihr Versuch, den Tod von Danny besser auszuhalten. Wenigstens an diesem einen Tag, an dem sein Verlust noch sehr viel schwerer wiegt als ohnehin schon.

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