1600 neue Jobs in Rostock? : Ein Standort für die Industrie 4.0

Mit der Variante Mehrzweckhafen könnten Gisbert Ruhnke, Chris Müller und Gunar Abend (v. l.) unter anderem die Voraussetzungen für Anlegemanöver von bis zu 350 Meter lange Kreuzfahrtschiffe schaffen. Sie legen aber Wert auf eine ganzjährige Nutzung.
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Mit der Variante Mehrzweckhafen könnten Gisbert Ruhnke, Chris Müller und Gunar Abend (v. l.) unter anderem die Voraussetzungen für Anlegemanöver von bis zu 350 Meter lange Kreuzfahrtschiffe schaffen. Sie legen aber Wert auf eine ganzjährige Nutzung.

Mit den Anlegern für Kreuzschifffahrt und andere maritime Nutzer sollen am Werftbecken auch bis zu 1600 neue Jobs entstehen

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03. April 2017, 08:00 Uhr

Durch die Bebauung des Werftbeckens könnten 1000 bis 1600 neue Arbeitsplätze und rund 690 000 Euro zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen für die Hansestadt entstehen. Das geht aus einer ersten Analyse der Wirtschaftsfördergesellschaft Rostock Business für das acht Hektar große Gelände hervor, erklärt Finanzsenator Chris Müller (SPD). Voraussetzung ist, dass die Bürgerschaft am Mittwoch der Variante Mehrzweckhafen zustimmt.

„Gerade für technik- und wissensorientierte Unternehmen der Industrie 4.0 ist das ein interessanter Standort“, erklärt Müller und stellt klar: „Es wird keinen Hafenumschlag an der Stelle geben.“ Schiffe sollen trotzdem anlegen – beispielsweise große Segler oder solche, die ein Winterquartier benötigen. Für diese öffentliche maritime Nutzung sind insgesamt 457 Meter Kailänge reserviert. Hinzu kommen noch einmal 365 Meter für einen neuen Kreuzfahrtanleger. Mit dem passt sich Rostock an die Bedürfnisse der Branche an: „Einer der Trends sind immer größere Schiffe“, sagt Müller. Diese seien bis zu 350 Meter lang und könnten entsprechend mehr Passagiere befördern. Eine Steigerung der jährlich 190 bis 200 Anläufe sei hingegen nicht absehbar. „In der Ostsee absolvieren die Schiffe einen Rundkurs“, so Müller, und der setze natürliche logistische Grenzen.

Befürchtungen von Anwohnern zur Lärm- und Abgasbelastung sollen in die weiteren Überlegungen aufgenommen werden. „Wir müssen auf die Menschen, die dort wohnen, Rücksicht nehmen“, sagt der Senator. Lösungen wie die Einrichtung eines Landstromanschlusses schließt er allerdings aus. Mit rund zehn Millionen Euro Kosten sei das keine Option für die nähere Zukunft. Die angestrebte Verlagerung des ganzen Kreuzfahrtgeschäfts nach Süden könne aber bereits ein wenig Abhilfe schaffen. Eine vorgezogene freiwillige Umweltverträglichkeitsprüfung soll auch diesbezüglich für mehr Klarheit sorgen.

Sicher ist schon jetzt: Gibt die Bürgerschaft Mittwoch grünes Licht, will die Verwaltung aufs Tempo drücken. Denn Fördermittel im zweistelligen Millionenbereich stehen nur noch bis 2020 sicher bereit. „Ohne sie wird es nicht gehen“, so Müller – insgesamt werden für den Mehrzweckhafen 70 bis 80 Millionen Euro fällig. Ab 2020 könnten die Bagger rollen, für die Bauzeit werden rund zwei bis drei Jahre veranschlagt. „Wir müssen von einigen Überraschungen ausgehen“, sagt Gunar Abend vom Hafen- und Seemannsamt. Vor allem die Landfläche sei erheblich schadstoffbelastet.

Das Becken selbst sei weniger betroffen, erklärt sein Chef, Hafenkapitän Gisbert Ruhnke. Er betont: „Wir haben auch gewisse Zwänge, die wir einzuhalten haben.“ Zu diesen gehören neben der geforderten ganzjährigen Nutzung und den nautischen Bedingungen auch die Pläne der benachbarten MV Werften. Mit ihnen laufen derzeit Gespräche über mögliche Verschiebungen von Grundstücksgrenzen und Wegebeziehungen.

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