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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. Oktober 2017 | 12:16 Uhr

Ein Schriftsteller kehrt heim

vom

svz.de von
erstellt am 18.Okt.2012 | 08:57 Uhr

Stadtmitte | 800 Kilometer ist das Uwe-Johnson-Archiv durch die Republik gereist, um an seinen neuen Bestimmungsort zu kommen. Seit gestern befinden sich 8000 Bücher und 50 000 Seiten Manuskripte und Briefe des in Cammin geborenen Schriftstellers in Rostock. Bis heute Abend soll das Archiv im Bücherspeicher der Uni Rostock verstaut sein. Aus Sicht des Direktors der Universitätsbibliothek Rostock, Robert Zepf, ist die Ankunft des Archivs eine Art Heimkehr: "Johnsons Bücher sind nun an dem Ort, wo er als Schriftsteller begonnen hat." Denn in Rostock studierte Johnson Germanistik. Auch darum wurde schließlich entschieden, dass sein Nachlass aus dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar nach Rostock ziehen soll.

Zwei Lastwagen und ein größerer Pkw transportierten die kostbare Fracht, zu der auch einige private Stücke des Schriftstellers zählen. Etwa eine Katzen-Plastik. "Die berühmte Katze habe ich mir kleiner vorgestellt - und freundlicher", sagte der Inhaber der Johnson-Stiftungsprofessur an der Uni Rostock, Prof. Holger Helbig, als er die Holzskulptur gerade aus dem Papier befreit hat. Draußen vor der Glastür warteten unterdessen einige neugierige Studenten auf die Enthüllung der Katze. Lachend präsentierte Helbig sie ihnen.

Wissenschaftliche Mitarbeiter und Studenten des Instituts für Germanistik halfen beim Ein- und Auspacken des Archivs. Im Akkord wurden gestern die Bücher aus ihren Kisten geräumt, sodass die Helfer richtig ins Schwitzen kamen. Für Student Ole Landschoof war es eine fasznierende Erfahrung, Bücher in den Händen zu halten, in denen einst Johnson gelesen hat. "Die Vielfalt ist unglaublich", so der angehende Germanist. So sei in der Sammlung der komplette Goethe, Hesse oder Benjamin zu finden. Und auch andere Klassiker tauchen darin auf . Zudem sammelte Johnson über Jahre hinweg Zeitschriften, genau wie Zeitungen. Darunter die New York Times.

Johnsons Bibliothek ist in eine Arbeits- und eine Privatbibliothek unterteilt. "Interessant ist für uns die Arbeitsbibliothek", sagt Helbig. Mit dieser habe der Schriftsteller auch gearbeitet, wenn er geschrieben hat. Bücher, in denen Landschaften beschrieben werden, befinden sich darunter, aber auch Bände zur Stadtgeschichte.

Mit Hilfe dieser Bibliothek lasse sich Helbig zufolge rekonstruieren, wie Johnson gearbeitet hat. So will sich der Professor auf die Suche nach Johnsons konkreten Quellen begeben. Das kann jedoch dauern, denn der Umfang ist gewaltig.

Die Forschungsstelle für den Schriftsteller wurde erst Anfang des Monats eingerichtet. Dort soll eine auf Vollständigkeit angelegte historisch-kritische Werkausgabe des "Dichters der beiden Deutschland" in den drei Abteilungen Werke, Schriften und Briefe erarbeitet werden.

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