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Leihhaus Rostock : Ein Pfand für die Weihnachtsfreude

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Ware gegen Bares und Bares gegen Ware: So funktioniert das Alltagsgeschäft der 34-jährigen Janice Gaber. Sie ist Pfandleiherin in Rostock und sie hat in den Tagen vor Heiligabend deutlich mehr zu tun.

svz.de von
erstellt am 19.Dez.2012 | 06:02 Uhr

Rostock | Mit kritischem Auge betrachtet Janice Gaber die schwarz-silberne Uhr durch die Lupe. Gibt es Kratzer im Metall? Fehlt einer der Schmucksteine auf dem Zifferblatt? Doch es scheint alles in Ordnung zu sein, und so wandern 100 Euro über den Bürotisch - Ware gegen Bares. Was wie ein ganz normales Kaufgeschäft aussieht, ist bei der Rostockerin ein Tausch auf Zeit. Janice Gaber wird die Uhr verwahren bis ihr Besitzer zurückkehrt und den Tausch wieder rückgängig macht. Mit Barem gegen Ware. So funktioniert das Alltagsgeschäft der 34-Jährigen. Janice Gaber ist Pfandleiherin.

Gegründet hat die Rostockerin das "JJ Ostseepfandleih" in der Hansestadt vor zwei Jahren. "Ich kann den Leuten helfen, wenn es mal etwas knapp wird", erklärt die Betreiberin. So wie heute. Die 100 Euro Pfand für die Uhr sollen noch für letzte Weihnachtsgeschenke ausgegeben werden. Schon in den vergangenen Tagen hatte Gaber mehr zu tun. "In den ersten beiden Dezemberwochen war es noch relativ ruhig, vielleicht weil viele ihr Weihnachtsgeld bekommen haben", sagt sie. Doch dann hätten einige Kunden die Möglichkeit genutzt, sich mit der Pfandleihe zusätzliches Geld für den Geschenkekauf zu besorgen. Auch in den anderen Pfandleihhäusern Deutschlands herrscht in der Vorweihnachtszeit eine gestiegene Nachfrage, sagt Wolfgang Schedl, Chef des Zentralverbandes des Deutschen Pfandkreditgewerbes. "Die Pfandleihe ist nichts anderes als ein normaler Kredit", so Schedl. Nur mit einem Unterschied: Nach gesetzlichen Regelungen hafte der Kunde für die Rückzahlung des Darlehens sowie der Zinsen und Gebühren nicht persönlich mit seinem gesamten Vermögen, sondern nur mit dem von ihm abgegebenen Pfand. "Aus diesem Grund erfolgt auch keine Überprüfung der persönlichen oder wirtschaftlichen Verhältnisse des Kunden", sagt Schedl. Auch wofür das Geld benötigt werde sei nicht von Belang, sodass der Kredit in der Regel innerhalb weniger Minuten abgewickelt sei, sagt Schedl.

Die Verbraucherzentrale MV steht der Pfandleihe skeptischer gegenüber. "Es ist eine schnelle und unbürokratische Lösung für den Notfall", betont der Jurist Matthias Wins. Rechne man aber die Kosten, die für den Kunden durch Zinsen und Gebühren entstehen, auf ein Jahr hoch und vergleiche diese mit dem Jahreszins eines normalen Kleinkredites, zahle der Verbraucher drauf.

Bei Janice Gaber werden vor allem technische Geräte wie Handys oder Laptops und Schmuck verpfändet. Meistens für eine Summe bis 300 Euro. Ungewöhnliche Anfragen gibt es hin und wieder auch. "Es wurde zum Beispiel schon versucht, ein Pfand für ein Aquarium oder ein Pferd zu bekommen", erinnert sich die 34-Jährige. Aber es gebe auch die Fälle, wo Familienbesitz ins Pfandleihhaus gebracht werde, weil es nicht mehr anders gehe. "Zu mir kommt jeder, vom Geschäftsmann bis hin zu den Leuten, die sich von dem Geld etwas zu essen kaufen und die Miete bezahlen", berichtet Gaber. Dass ein Pfand nicht wieder eingelöst und versteigert werde, sei aber äußerst selten. Etwa 90 Prozent der beliehenen Sachen würden wieder ausbezahlt.

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