Geschichten : Ein persönlicher Schatz

Dr. Christel Stave mit Puppe Anna. Ihr Vater brachte sie 1942 vom Fronturlaub aus Frankreich mit. 14 Jahre konnten ihre Patienten das Puppenmädchen in der Praxis bestaunen.  Fotos: Georg Scharnweber
Dr. Christel Stave mit Puppe Anna. Ihr Vater brachte sie 1942 vom Fronturlaub aus Frankreich mit. 14 Jahre konnten ihre Patienten das Puppenmädchen in der Praxis bestaunen. Fotos: Georg Scharnweber

Die Puppe Anna brachte ihr Vater Christel Stave 1942 mit, als er seine Tochter auf einem Fronturlaub das erste Mal sah.

svz.de von
25. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Mitten im Zweiten Weltkrieg wurde die Kinderärztin Dr. Christel Stave am Silvestertag im Jahre 1941 geboren. Ihre Mutter musste ihre beiden Töchter Elisabeth und Christel allein durch die schweren Kriegsjahre bringen. „Mein Vater war im Krieg“, erzählt die pensionierte Medizinerin. Als er seine Tochter anlässlich eines Fronturlaubes das erste Mal sah, brachte er ihr eine Puppe aus Frankreich mit. Christel bekam sie Weihnachten 1942 auf den sonst spärlichen Gabentisch gelegt und nannte den Blondschopf Anna. Weil ihr Vater in Gefangenschaft geriet und sechs schlimme Jahre in Stalingrad verbrachte, dauerte das Wiedersehen bis zur Einschulung. Obwohl er nach der Entlassung ein gezeichneter Mann war, riss sich Klein-Christel am Bahnhof von der Mutter los, rannte mit Anna zu ihm und rief: „Vati, Vati, ich habe Dich gleich erkannt.“ Diese emotionale Begrüßung trieb ihm Tränen in die Augen.

Die Puppe kennen in Warnemünde viele aus der Praxis der Ärztin. „14 Jahre saß sie zwischen historischen Fotoapparaten und Mikroskopen in einer Vitrine“, sagt die Medizinerin. Sie wurde sogar bestrickt. Das hat Oma Gehrke gemacht, eine frühere Mutter, die später auch mit Enkelkind kam. „Jetzt durfte meine Enkelin Mia mit Anna spielen“, sagt die Warnemünder Ärztin die ihre Puppe mit den Zöpfen wie einen Schatz hütet.

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