artenschutz : Ein Paradies für Weinbergschnecken

Schnecken-Fan Renate Baumgärtel: „Mich interessiert, wie sie leben.“
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Schnecken-Fan Renate Baumgärtel: „Mich interessiert, wie sie leben.“

Rentnerin Renate Baumgärtel aus Hohe Düne hegt und pflegt die Tiere in ihrem Garten

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31. August 2015, 12:00 Uhr

Schnecken lieben feucht-warme Temperaturen und sind besonders in schwülen Augustnächten der Horror vieler Gärtner. Renate Baumgärtel ist da allerdings ganz anderer Meinung. In ihrem Garten werden die unter Artenschutz stehenden Weinbergschnecken gehegt und gepflegt – und das schon seit den 1980er-Jahren. Insbesondere wenn Nachwuchs auftaucht, ist die 80-Jährige aus dem Häuschen . „Ich habe Anfang 2000 angefangen, die Schnecken auf ihren Häusern mit Nagellack zu kennzeichnen, um mehr über ihre Überlebenschancen zu erfahren“, sagt Renate Baumgärtel. Ihre Erfahrungen teilt sie auch gelegentlich mit einem Zoologen. Immerhin kann eine Weinbergschnecke bis zu 38 Jahre alt werden. Ihr ältestes Exemplar namens Zweipünktchen hat sie 2002 mit zwei Punkten markiert und diese konnte trotz vieler Gefahren an der dicht befahrenen Straße immerhin schon 13 Jahre überleben. Manchmal findet die Seniorin leere und gekennzeichnete Schneckenhäuser ihrer Schützlinge. Die werden dann mit einer gewissen Hochachtung in der Wohnzimmervitrine aufbewahrt.

Ansonsten hat die ehemalige Industriekauffrau viel Allgemeinwissen über Weinbergschnecken vorzuweisen und geht mit besonderer Vorsicht durch ihren Garten. Im hinteren Teil hat sie ihren Gästen ein Holzhäuschen mit Futterplatz eingerichtet. „Das wurde auch lange bewohnt, aber auch Schnecken wechseln anscheinend ihre Vorstellungen vom gemütlichen Ambiente“, sagt sie.

Bei ihren Beobachtungen konnte sie einige Eigenschaften entdecken, die man Schnecken normalerweise nicht zutrauen würde. So sollen sie beispielsweise gerne gemeinsam fressen und auch Wiedersehensfreude gegenüber Artgenossen durch Betasten und Liebkosungen zeigen, meint Baumgärtel. Einige Schnecken haben durch ihre Vorliebe zum Eisbergsalat bereits ihre Eingangstür entdeckt.

Schneckenkorn ist im Garten von Renate Baumgärtel verpönt: „Das tödliche Nervengift schadet nicht nur Schnecken, sondern vergiftet auch Igel, Singvögel und Haustiere“, sagt sie verärgert. Die meisten ihrer Schnecken zieht es auf ihrer Wanderschaft ins nahe gelegene Naturschutzgebiet, so dass sich die Rentnerin nicht allzu große Sorgen machen muss.

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