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Norddeutsche Neueste Nachrichten

17. November 2017 | 22:29 Uhr

Friedhofskultur : Ein Ort des Erinnerns

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Warnemünder setzen ihre Verstorbenen in Urnengrabanlagen bei. Bekannte Persönlichkeiten haben dort ihre Grabstätte gefunden.

In diesen grauen Dezembertagen ist der Warnemünder Friedhof besonders deutlich spürbar ein Ort der Stille und des Erinnerns. Während jetzt vor allem Angehörige und Freunde ihre Schritte auf das rund sieben Hektar große Gelände lenken, schauen sich im Sommer auch zahlreiche Urlauber und sogar Passagiere von Kreuzfahrtschiffen auf dem Friedhof um. „Ob diese möglicherweise nach Spuren ihrer Vorfahren oder Verwandten suchen oder sich einfach nur für unsere Friedhofskultur interessieren, vermag ich nicht einzuschätzen“, sagt Bernd-Uwe Liesegang, der diesen seit 1926 bestehenden so genannten neuen Friedhof seit 15 Jahren leitet.

Nach wie vor, so der 59-Jährige, gibt es traditionelle Erdbestattungen. Doch der Trend der Menschen, ihre Hülle nach dem Tod verbrennen und in einer Urne bestatten zu lassen, ist nicht aufzuhalten. „Zudem wünschen sich immer mehr Menschen, ihre letzte Ruhestätte in einer Urnengemeinschaftsanlage zu finden. Auf unserer alten Fläche, die am 2. September 1994 freigegeben wurde, sind zurzeit fast 2500 Urnen“, sagt der Rostocker. Da der Platz sehr begrenzt ist, finden nur noch Krüge jener Verstorbenen Aufnahme, deren Angehörige dort bereits bestattet sind.

Eine zweite Gemeinschaftsanlage, in der ebenfalls rund 2500 Urnen in die Erde gelassen werden können, wurde vor drei Jahren angelegt. Hier haben Angehörige die Möglichkeit, an einer Stele den Namen des Verstorbenen anbringen zu lassen. Eine weitere derartige Fläche ist vorbereitet. Damit aber, so Liesegang, ist der Warnemünder Friedhof an seine räumlichen Grenzen gelangt. „Die Bestattung in solchen Gemeinschaftsanlagen ist dem heutigen Leben geschuldet. Denn für viele, vor allem ältere Menschen, stellt sich die Frage, wer nach ihrem Tod das Grab betreuen soll. Oft sind die Kinder weggezogen. Oder man will niemanden mit der Pflege belasten“, weiß Bernd-Uwe Liesegang aus Gesprächen. Allerdings sei es auch möglich, die Gestaltung eines Grabes in die Hände des Friedhofs-Teams zu legen. Das betrifft zurzeit etwa 200 Gräber. „Unser derzeit vierköpfiges Team bepflanzt sie im Frühjahr und Sommer, sorgt für ausreichende Bewässerung und einen vernünftigen Anblick“, sagt Liesegang, der 1971 auf dem Rostocker Friedhof gelernt und seither immer in diesem Bereich gearbeitet hat.

„Auch nach so vielen Jahren geht es mir manchmal sehr nahe, wenn ich mit Trauernden über den Verstorbenen, eine geplante Feier und die Beisetzung rede. Und es gibt Ausnahmesituationen, vor allem, wenn Kinder oder sehr junge Menschen den Tod gefunden haben. Da denkt man lange darüber nach. Zumal ich ja selbst Familie habe“, gesteht der Friedhofsleiter.

Beim Gang über das Friedhofs-Areal weiß er ziemlich genau, wo wer seine Ruhestätte gefunden hat. Kapitäne und andere Fahrensleute, Werftdirektoren, Pastoren, Schriftsteller, wie der zu DDR-Zeiten mehrfach geehrte Kurt Barthel, bekannte Warnemünder Persönlichkeiten, der Nachbar von nebenan und zunehmend auch so genannte Spätaussiedler gehören dazu. „Manche der Toten sind rasch vergessen, andere bleiben in den Herzen der Lebenden. Hier auf unserem Friedhof aber sind alle gleich", sagt Liesegang.




 

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