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Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. Oktober 2017 | 23:40 Uhr

Kempowski-Tage : Ein Mosaik zur Flucht für Rostock

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Kempowski-Tage starten heute und lehnen sich an aktuelle Situation in der Stadt / Zeitzeugen, Experten, Theologiestudenten und Autoren

von
erstellt am 24.Okt.2016 | 11:45 Uhr

Walter Kempowski (1929-2007) wusste, wie es ist, wenn sich das eigene Land gegen einen stellt, das System es einem schwer macht, zu leben, wo man geboren wurde. So ging es dem bekannten Rostocker Schriftsteller in den Nachkriegswirren. Die Bewahrer seines Andenkens, die Mitarbeiter des Kempowski-Archivs, machen diese Erfahrung zum Thema der diesjährigen Kempowski-Tage, die heute beginnen, überschrieben mit „Alles umsonst. Geflüchtet und vertrieben“.

Ursprünglich sollte Kempowskis letzter Roman „Alles umsonst“ über die Flucht aus Ostdeutschland am Ende des Zweiten Weltkrieges zentrales Thema sein. Aber in die theoretischen Planungen kam eine praktische Realität – die Flüchtlinge im Herbst 2015. Und die Leiterin des Archivs Katrin Möller-Funck dachte um. „Wir wollten nicht mehr nur den Roman in den Mittelpunkt stellen, sondern das Thema erweitern. Die historische und aktuelle Situation darbieten“, sagt Mitarbeiterin Carolin Krüger. Der Roman spielt 1945 in Ostpreußen, schildert, wie sich Not und Bedrohung – in dem Fall der Einmarsch der Roten Armee – auf verschiedene Menschen auswirken.

Mit ihrer Programmauswahl fügen die Mitarbeiter des Kempowski-Archivs weitere Facetten hinzu. „Wir bieten ein breites Mosaik, ähnlich wie Kempowski in seinem Werk vorgegangen ist“, sagt Carolin Krüger. Ein Stein wird die Schilderung von Zeitzeugin Cornelia Schmalz-Jacobsen aus der Sicht einer damals Zehnjährigen auf den „Russensommer“. Dr. Volker Höffer ergänzt das große Bild um die Ostseef  luchten. Regisseur Gianfranco Rosi eröffnet in seinem von Amnesty International prämierten Film „Seefeuer“ den Blick auf die italienische Insel Lampedusa, die nur 70 Kilometer von Afrika entfernt und Anlaufstelle für Flüchtlinge ist. Zum Bild gehört auch Uwe Johnsons Perspektive auf Flucht, der seine eigene mehr als Umzug sah. Dazu kommen Fotografien von Christa Wolf oder auch Theologiestudenten, die zur gedanklichen und körperlichen Bewegung zur Flüchtlingsfrage auffordern. Und so bilden viele Teile ein Ganzes, eine Realität aus Vergangenheit, Gegenwart und Menschlichkeit.

Das Programm der Kempowski-Tage

• heute, 19 Uhr: Lesung mit Cornelia Schmalz-Jacobsen „Russensommer. Meine Erinnerungen an die Befreiung vom NS-Regime“, Rathaushalle, Eintritt frei

• morgen, 17 Uhr: Vortrag mit Dr. Volker Höffer „Ostseeflüchtlinge – Grenzregime und Fluchten an der DDR-Grenze“ im Kulturhistorischen Museum;

20 Uhr: Filmvorführung „Seefeuer“ im Liwu in der Frieda 23

• Mittwoch, 26. Oktober, 15 Uhr: Johnson nachgelesen „Unerwünscht, ein Eindringling, ein Flüchtling“ in der Ulmenstraße 69, Haus 1, Raum 134, Eintritt frei;

19 Uhr: „Die Suche nach NS-Raubgut in der Universitätsbibliothek Rostock“ in der Evangelischen Akademie der Nordkirche, Am Ziegenmarkt 4

• Donnerstag, 27. Oktober, 16 Uhr: Ausstellung „Bewegte Menschen Bilder Fluchtstationen“ in der Theologischen Fakultät, Universitätsplatz 1, Räume 320 bis 325, Eintritt frei; 19 Uhr: Lesung mit Jan Böttcher „Y:Roman“ in der Bibliothek Südstadt, Eintritt frei

• Freitag, 28. Oktober,20 Uhr: Lesung mit Akos Doma „Der Weg der Wünsche“ im Literaturhaus

• Sonntag, 6. November: 15 Uhr, Vortrag und Gespräch „Tiraspol – Rostock. Anna Weißmann erzählt von ihrer Flucht aus Moldawien“ im Max-Samuel-Haus

Nicole Pätzold

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