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23. September 2017 | 14:47 Uhr

Ein Minister in der Studentenküche

vom

svz.de von
erstellt am 27.Jun.2013 | 08:01 Uhr

Hansaviertel | Es ist 15 Uhr, beste Kaffee- und Kuchenzeit. Die Studentinnen Imme Stehr und Freya Kunz haben in der kleinen Küche den Tisch gedeckt. Da klingelt es an der Tür. Der Kuchen kommt - und wird gebracht von Mathias Brodkorb (SPD), Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Für den Politiker ist es heute bereits der fünfte Termin bei seiner Bürgersprechstunde der besonderen Art. "Ich komme gerade von Erdbeer-Sahne", sagt der Landespolitiker und packt eine große Portion Sanddorn-Sahne-Torte aus. "Sie kochen Kaffee - ich bringe den Kuchen mit": So heißt das Motto der Aktion, bei der Mathias Brodkorb eine Woche lang Bewohner seines Wahlkreises in Rostock besucht, sich ihren Fragen stellt und sich anhört, welche Probleme die Menschen in ihrem Alltag beschäftigen. "Wir haben allerdings nur löslichen Kaffee", sagt Freya Kunz. Der Minister überlegt nicht lang: "Nee, dann lieber nicht." Aus einem großen Einmachglas darf er sich eine Sorte Tee aussuchen.

Imme Stehr und Freya Kunz studieren Germanistik und Sozialwissenschaften auf Lehramt. Sie wollen Gymnasiallehrer werden. Klar, dass sie den Minister mit Fragen rund um das Bildungssystem löchern. Inklusion, das Referendariat und die fehlende Praxis im Studium sind die Themen. Mathias Brodkorb ist in seinem Element, erklärt, was er sich für die Lehrerausbildung in Zukunft wünscht: Langzeitpraktika im Gegensatz zu den jetzigen Praxisblöcken und für die Studenten die Möglichkeit, mit einer bestimmten Anzahl an geleisteten Unterrichtsstunden als Vertretungslehrer und AG-Leiter an Ganztagsschulen auf Honorarbasis etwas dazuzuverdienen. "Warum sollten die Studenten im Supermarkt an der Kasse sitzen, wenn sie so auch schon Erfahrungen in ihrem späteren Beruf sammeln können", stellt der Minister zur Diskussion.

Imme Stehr kommt aus Lübeck, Freya Kunz aus Bremen. "Warum sollten wir nach dem Studium in Mecklenburg-Vorpommern bleiben?", fragt die 21-jährige Freya Kunz darum. Für Mathias Brodkorb ist das eine Steilvorlage. Schließlich arbeitet er daran, die Arbeitsbedingungen für Pädagogen im Land zu verbessern und Absolventen nach MV zu locken. Im August beginnt die geplante Verbeamtung junger Lehrer. "Unsere Besoldung liegt im bundesweiten Vergleich unter den ersten vier. Wir zahlen mehr als beispielsweise Schleswig-Holstein. Willkommen in Mecklenburg-Vorpommern", sagt Mathias Brodkorb. Bei den jungen Frauen aus den alten Bundesländern wirbt Brodkorb offensiv dafür, sich hier einen Arbeitsplatz und einen Lebensmittelpunkt zu suchen.

Die verlockende Torte liegt noch unberührt auf den Tellern. Zu ungewohnt ist es, einen Minister in der eigenen kleinen Küche zu Besuch zu haben. Bei ihm wiederum schlägt langsam die Übersättigung zu. "Gestern hatte ich acht Termine, also auch acht Torten - das ist irgendwann zu viel", sagt Brodkorb. Ab der kommenden Woche habe er Urlaub und dann sei das Thema Kuchen erst mal passé. Was denn Imme Stehr und Freya Kunz so in den Ferien geplant haben, erkundigt sich der Minister. "Wir fahren nach Hause - auch wenn wir hier den Strand ja quasi vor der Haustür haben", sagt Imme Stehr. Langsam wird die Atmosphäre lockerer und so greifen schließlich alle zur Kuchengabel.

Mathias Brodkorb erklärt, dass er auch nach dem Wahlkampf an der Kaffee-und-Kuchen-Aktion festhält, weil ihm der Kontakt zu den Menschen wichtig ist: "Normalerweise bin ich so eingespannt, dass ich keine Zeit habe, zu reflektieren. Solche Gespräche helfen mir dabei." Bei Imme Stehr und Freya Kunz hängt das Plakat zur Aktion vor der Haustür. Irgendwann haben sie sich dann einfach angemeldet. Und dann stand der Minister auch schon in der Küche.

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