Forschungsschiff : „Ein Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst“

Bundeskanzlerin Angela Merkel steht als Taufpatin für die „Sonne“ bereit.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel steht als Taufpatin für die „Sonne“ bereit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel tauft auf der Neptun-Werft das neue Hightech-Flaggschiff der Tiefseeforschung.

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11. Juli 2014, 04:00 Uhr

„Wenn ich Zeit hätte, würde ich ja gerne mal mitfahren“, sagt Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin schlüpfte gestern auf der Neptun-Werft in die Rolle der Taufpatin für das neue deutsche Forschungs-Flaggschiff „Sonne“. „Es ist ein schwimmendes Wunderwerk, ein imposantes Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst“, so Merkel vor rund 300 Gästen aus Politik und Wissenschaft.

Ab Januar soll die „Sonne“ im Indischen Ozean und im Pazifik ihrer Hauptaufgabe nachkommen – der Erforschung der Tiefsee. Bislang sei kaum etwas über diesen Lebensraum und seine Bewohner bekannt, so Prof. Karin Lochte, Vorsitzende des Konsortiums Deutsche Meeresforschung. „Wir wissen mehr über die Rückseite des Mondes“, sagt sie. Beispielsweise sei zwar bekannt, dass die Tiefsee der größte Kohlenstoffdioxid-Speicher der Erde sei, aber nicht, auf welchem Weg das CO2 dorthin gelange.

Fragen rund um den Klimawandel zu erforschen, bildet aber nur einen Schwerpunkt der künftigen Arbeit an Bord. Auch andere Phänomene, wie etwa die Entstehung von Tsunamis und ihre Auswirkungen auf die Küstenbewohner, sollen mit Hilfe der Hightech-Tauchroboter und Spezialbohrgeräte geklärt werden. Ein weiteres Einsatzfeld bildet die Suche nach Rohstoffen, beispielsweise seltenen Erden. In diesem Zusammenhang soll auch festgestellt werden, wie diese Rohstoffe „unter umweltschonenden Bedingungen genutzt werden können“, so Lochte.

Für all diese Aufgaben verfüge Deutschland mit der „Sonne“ nun über das modernste und am besten ausgestattete Forschungsschiff weltweit. Nur Japan und die USA könnten ihren Wissenschaftlern ähnlich gute Bedingungen bieten, so Lochte. „Dieses Schiff ist vollgestopft mit hochwertiger Technik, vielen Prototypen und Sonderanfertigungen“, sagt auch Bernard Meyer, Chef der Papenburger Meyer- und der Rostocker Neptun-Werft. Die Wissenschaft stelle extrem hohe Anforderungen. So muss das Schiff zum Beispiel auch bei sechs Meter hohen Wellen ohne zu schaukeln exakt auf seiner Position stehen können, wenn die bis zu zwölf Kilometer lange Winde mit einer Sonde daran im Einsatz sei. Möglich machen das vier doppelt elastisch gelagerte Common Rail Dieselgeneratoren, zwei ausfahrbare Ruderpropeller und ein Pumpjet am Bug.

Ursprünglich sollte das Forschungsschiff in Rostock gebaut werden. Hier wurde 2011 auch der mehr als 124 Millionen Euro schwere Vertrag mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung geschlossen. Aufgrund der geringen Auslastung in Papenburg und der zahlreichen Flusskreuzer-Neubauten in Warnemünde verlegten die Schwesterwerften den Bau aber an die Ems. Die „Sonne“ löst ihr gleichnamiges Vorgängerschiff ab, das als umgebauter Fischtrawler 36 Jahre im Dienst der Wissenschaft im Einsatz war. Seinen Heimathafen wird es in Wilhelmshaven beziehen. Nach den jüngsten Testläufen zur Erprobung der Technik auf der Ostsee folgt nun eine dreimonatige wissenschaftliche Testphase mit den späteren Nutzern. Danach unternimmt das Schiff eine Vorstellungsreise zu allen deutschen Meeresforschungsinstituten.

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